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Absage Bewerbung | Gähn-Alarm!

Absage Bewerbung: „Wir bedauern, Ihnen in diesem Fall leider keine positive Nachricht übermittlen zu können, da sich Ihre … blablabla“. Mein Outlook-Postfach hat seit März 2013 ein Trauma. Und zwar ein Absage-Floskel-Trauma. Seitdem reagiert es allergisch auf inhaltsleere, bürokratische Mails von HR-Abteilungen. Zu viele schlechte Absage-Bewerbungs-Mails.

Der Grund für die vielen Absagen war eine für mich sehr schräge Erfahrung: Ich war das erste Mal in meinem Leben arbeitslos. Und das als HR-Spezialistin. Sehr spannend, wenn man plötzlich auf der anderen Seite steht. Wenn man plötzlich keine Lebensläufe mehr screent, sondern seinen selbst neu schreibt. Wenn man plötzlich keine Absagen mehr verschickt, sondern welche zugeschickt bekommt. Ich habe einige skurrile Momente als Arbeitssuchende erlebt. Nicht nur mein Outlook-Postfach hatte ein Trauma, sondern auch ich.

Gleich vorweg: Gott sei Dank habe ich schnell meine Berufung als Beraterin bei IDENTITÄTER und wortwelt® gefunden. Und weil ich mich intensiv mit Employer Branding und Sprache auseinandersetze, habe ich all diese Absagen aus meinem Outlook-Archiv rausgeholt und analysiert. Mit ernüchterndem Ergebnis: Austauschbare Floskeln, wenig frische Texte, keine Spur von Positionierung als attraktiver Arbeitgeber. Ich hatte das Gefühl, Candidate Experience Management ist in Österreich noch nicht angekommen.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich erwarte von keiner HR-Abteilung, dass sie individualisierte Absagebriefe verschickt. Aber ich erwarte Texte abseits von 08/15 Floskeln. Folgende Sätze kommen einfach zu oft in Absageschreiben vor und bringen mich und viele andere Bewerber zum Gähnen:

Absage Bewerbung: Floskeln zum Gähnen

  • Vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse an unserem Unternehmen.
  • Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, Sie nicht in die engere Auswahl ziehen zu können.
  • Wir erlauben uns Ihre Unterlagen in Evidenz zu halten.
  • Nach sorgfältiger Prüfung müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir uns für einen anderen Kandidaten entschieden haben.
  • Wir bitten Sie um Verständnis für diese Entscheidung.
  • Aufgrund der Vielzahl an Bewerbungen ist uns die Entscheidung nicht leicht gefallen.
  • Leider müssen wir Ihnen einen abschlägigen Bescheid geben.

Absage Bewerbung: meine Highlights

100 Absageschreiben habe ich mir angesehen, und ich will Ihnen auch von meinem persönlichen Highlight berichten:

Schneller als gedacht!

Sehr geehrte Frau Muster,

unser Kunde hat sich schnell entschieden. Die Position ist leider schon besetzt.

Aber ein Gutes hat das Ganze doch:
Wir behalten Sie in unserer Datenbank und melden uns, wenn es ein neues, interessantes Projekt für Sie gibt.

Apropos, alle neuen Projekte finden Sie unter: www.strametz.com

Alles Gute wünscht Ihnen
Strametz & Partner

Diese simplen, aber pfiffigen Sätze waren mein Lichtblick am dunklen Absage-Himmel.

Es gibt auch Firmen, die das Marken-Potenzial des Leider-Nein-Schreibens erkannt haben. Das Unternehmen ÖAMTC verschickt seit kurzem Absagebriefe, die zur Arbeitgebermarke passen. So sieht zum Beispiel der neue Absagetext für Initiativbewerbungen aus:

Sehr geehrte Frau Muster,

danke für Ihre Bewerbung! Wir freuen uns, dass Sie im Team der Gelben Engel tätig sein wollen.

Wir können Ihnen im Moment keine passende Position anbieten. Engagierte und motivierte Mitarbeiter, die gerne vollen Einsatz für Menschen und Mobilität zeigen, suchen wir allerdings immer wieder. Schauen Sie doch wieder mal auf unsere Karriereseite http://www.oeamtc.at/karriere .

In der Zwischenzeit wünschen wir Ihnen alles Gute!

Freundliche Grüße

Pamela Nidetzky, Personalentwicklerin von ÖAMTC: “Wir verschicken seit einigen Wochen die neuen Absagetexte. Und siehe da, die positiven Rückmeldungen von unseren Bewerbern reißen nicht ab. Sie bedanken sich für die individuellen Formulierungen und freundlichen Absagen. Also ein voller Erfolg! Und wir haben eine Riesen-Freude.“

Absage Bewerbung: es lohnt sich

Warum es meiner Meinung nach Sinn macht, die Absageschreiben fit für das Jahr 2014 zu machen?

  • Eine schlechte Absage wirft einen dunklen Schatten auf Ihre Arbeitgebermarke und torpediert die schönsten HR-Prospekte und Karriere-Webseiten.
  • Jede Absage ist ein Markenkontaktpunkt. Bedenken Sie, dass ein Bewerber schon bald ein Kunde sein könnte.
  • Unterschätzen Sie die Kraft von enttäuschten Bewerbern nicht. Jedes negative Erlebnis wird 5 x häufiger erzählt als jedes positiv.
  • Ihr Ansehen als HR-Abteilung liegt in Ihren Händen. Keine Marketing-Abteilung würde solche Standardsätze an Kunden verschicken.
  • Der Aufwand dafür hält sich sowohl kostentechnisch als auch zeitlich in Grenzen. Die positiv überraschten Bewerber sind es allemal wert.

Und so kämpfe ich weiter gegen trostlose, langweilige Absageschreiben. Das nächste Mal in meinem Seminar … nein, Eigenwerbung kommt erst unterhalb des Artikels 😉

Gastautorin:  Mag. (FH) Sabine Hödl, Beraterin wortwelt® und IDENTITÄTER.  Als HR Expertin weiß sie um die Macht der Sprache. Wording ist nicht nur Sache der Kommunikationsabteilung. Die Wortwelt der Karriereseiten, Jobinserate, Dienstanweisungen oder Dienstverträgen sind unterschätzte Aushängeschilder eines Unternehmens. Kontakt: 0664/160 68 63, sabine.hoedl@wortwelt.at, www.wortwelt.at


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4 Kommentrare

  1. Dr. Cornelia Riechers am

    Danke, Frau Hödl, für den sachlichen, konstruktiven und unterhaltsam geschriebenen Artikel!

  2. Karin am

    Ich bin seit über einem Jahr auf Jobsuche. Es hat lange gebraucht, bis ich realisiert habe, dass „Da wir mehrere Bewerbungen erhalten haben, welche noch besser mit den Anforderungen für diese Position übereinstimmen,…“ nicht unbedingt eine Minder- sondern auch eine Überqualifikation bedeuten kann. Ich bin den Arbeitgebern, die mich direkt angerufen und mir im Detail erklärt haben, weshalb jemand anders vorgezogen haben, sehr dankbar!

  3. s.nette@omsag.de am

    Eine gute, wertschätzende und ehrliche positive Absage mit ein bisschen Herz und Menschenachtung ist sehr viel Wert, ich konnte da insbesondere im Bereich der Ausbildungsbewerbungen schon sehr positive Reaktionen bekommen. Es ist schon komisch, wenn sich Menschen für ein Ablehnungsschreiben bedanken, aber so macht der Job eben auch Spaß.

  4. ulrich wanderer am

    Ein wirklich erfrischender und vor allem wahrer Artikel. Ich kann mich gut an meine Jobsuche erinnern und kann aus dieser Zeit nur jedes einzelne Wort unterstreichen.
    Vor allem aber.. diese Phase wird im Endeffekt ein großes Asset werden!

    Alles Gute!!

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