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Lehrstellenmarketing kostet – Geld oder Überlegung

Größerer Regenschirm oder selber Schirm mit größerer Wirkung?

 

„Die richtigen Bewerber zu finden, kostet viel Geld und bringt eigentlich kaum etwas“ höre ich oft von Unternehmen. Muss das wirklich so sein? Oder gibt es wirksame Maßnahmen die entweder weniger kosten oder mehr bringen?

Jetzt beginnt sie wieder, die intensive Phase des Recruiting. Genauer gesagt die Zeit der Messen und des Marketings, um die Jugendlichen auf den eigenen Betrieb aufmerksam zu machen. Viele Ausbildungsbetriebe investieren jetzt wieder in den Druck von Foldern und Broschüren, die Anmietung und Ausgestaltung von Messeständen und vor allem in den dafür notwendigen Personalaufwand. Jahr für Jahr klagen die Unternehmen, dass der Aufwand immer größer und der Nutzen immer geringer wird. Was zu zwei Entscheidungen führt: entweder wird noch mehr Aufwand betrieben, indem noch mehr Messen etc. besucht werden. In der Hoffnung, dass mehr vom selben bessere Wirkung erzielt. Oder das Marketing wird massiv reduziert, weil es ja sowieso nichts bringt. Und dann wundert man sich, weil auch nicht mehr Bewerber als bisher kommen.

Das zweite Szenario müssen wir wohl nicht weiter diskutieren. Das Wettrüsten der Firmen am Bewerbermarkt, also das erste Szenario, erreicht inzwischen Ausmaße bei denen insbesondere Klein- und Mittelbetriebe nicht mehr mitkommen. Große Konzerne haben weniger Probleme damit, zum Beispiel beleuchtete Billboards bei der U-Bahn Station Wien Hauptbahnhof zu buchen. Oder Messestände um Tausende von Euro. Ja, wenn Sie die Gesamtkosten einer Messe betrachten, kommen Sie rasch in diese Bereiche. Neben der Standgebühr brauchen Sie nämlich einen Messestand, Werbematerial und natürlich Standpersonal vor Ort. Und damit erreichen Sie dann, dass Sie von Jugendlichen 3-4 Tage wahrgenommen werden. Genauer gesagt, Ihr Messestand wird wahrgenommen. Und danach? Erinnert sich im Moment der Entscheidung wirklich jemand an Ihren Messestand oder das dort mitgenommene Werbematerial? Nein, wenn Sie nicht ergänzend dazu permanent in der Zielgruppe aktiv sind.

Höhere Wirkung zum selben Preis

Was aber sind mögliche Gegenstrategien? Wie schon erwähnt wäre eine: Maßnahmen mit höherer Wirkung zum selben Preis. Eine Möglichkeit sind da Videos mit Lehrlingen. Eine kurze Beispielsrechnung: 8 Videos Ihrer Lehrlinge auf einer Plattform wie whatchado kommen inklusive der Nutzungsrechte für ein ganzes Jahr auf rund EUR 15.000 im ersten und rund EUR 5.000 im zweiten Jahr. Dafür bekommen Sie Videos mit authentischen Aussagen Ihrer eigenen Lehrlinge – Stichwort Glaubwürdigkeit. Die können Sie auch in allen Ihren sonstigen Kampagnen einsetzen. Wie zum Beispiel bei der Großbäckerei Ströck in Wien, die solche Videos auf ihrer Karriereseite, facebook & Co einsetzt. Die Kosten liegen im Bereich der Gesamtkosten eines Messeauftritts, die Wirkung ist ungleich nachhaltiger.

Gleiches gilt eine Plattform wie playmit.com oder lehrberuf.info. Hier sind Sie noch wesentlich kostengünstiger unterwegs, profitieren aber ebenfalls von der starken Jugendpräsenz. Für eine Firmenseite auf playmit.com zahlt man je nach Paket einen Fixbetrag mit einem sehr guten Preisleistungsverhältnis. Und dort werden Ihre Lehrstellen während des Jahres dann gefunden, wenn die wirkliche Entscheidung ansteht. Auch hier ist die Präsenz für einen viel längeren Zeitraum gegeben, als bei einer Messe. Und über Zusatzdienste wie die „Bildung für die Praxis“-Urkunde finden Sie noch dazu jene Jugendlichen, die bereit sind, sich durch Eigenengagement bei den Arbeitgebern besonders zu präsentieren und ihre Qualifikationen nachzuweisen. Und nicht die, denen Ihr Logo auf der Messe so gut gefällt.

 

Selbe Wirkung zum niedrigeren Preis

Aber was ist jetzt mit der zweiten Möglichkeit, weniger auszugeben und ähnliche Wirkung zu erzielen? Ein frommer Wunsch oder machbar? Da fällt mir das Beispiel der Leobersdorfer Maschinenfabrik ein. Marketingbudget, insbesondere für Recruiting, ist im Moment na ja etwas schwierig. Was Daniel Bacher aber nicht gehindert hat, die Bewerberanzahl in den letzten 6 Jahren von 20 auf 120 zu steigern. Er hat gemeinsam mit seinen Lehrlingen zunächst überlegt, wie die Zielgruppe Jugendliche angesprochen werden will. Und nutzt zum Beispiel Facebook so, dass die Seite der LMF keine Marketingseite ist. Sondern aus dem Leben der Lehrlinge berichtet. Der Effekt: viele Eltern der Lehrlinge liken die Seite weil sie ja wissen wollen, was Ihre Kinder tun. Fotos betrachtet eben jeder gerne. Auf Facebook führt das natürlich dazu, dass über die Freunde der Eltern die Seiter weitere Aufmerksamkeit erhält. Liked beispielsweise ein Vater das Foto seiner Tochter in der Montagehalle, dann sehen das dessen Freunde. So funktioniert virales Marketing und der Aufwand ist ein Foto mit dem Handy und das Hochladen auf FB. Dauert insgesamt rund 10 Minuten. LMF hat aber auch ganz stark darauf geachtet, dass in der Region bekannt ist, dass hier gut ausgebildet wird. Über Informationen für regionale Medien, Teilnahme und Beteiligung an regionalen Initiativen und ähnliches. Lokalreporter sind meistens froh, wenn sie eine Story für ihr Medium bekommen – kostenlose PR für Ihr Unternehmen.

Was mich wundert ist, dass ich viele Betriebe in meiner Heimatregion Neusiedl am See kenne die über zu wenig oder gar keine Bewerber klagen. Aber ich kenne kaum einen Betrieb der das gute alte „wir bilden aus“ Schild in der Auslage oder vor der Tür hat. Warum eigentlich nicht? Ihre Kunden verlassen gerade zufrieden Ihr Geschäft und sehen dann, dass Sie auch ausbilden. Oder könnten vielleicht sogar einen kleinen Folder mitnehmen, wo sie nachlesen können, welche Vorteile Sie ihren Kindern bieten. Kostet kaum etwas weil der Text ist rasch geschrieben. Und drucken kann man solche Folder in jedem guten Copyshop, Sie wollen ja nicht mit Großkonzernen auf einer Messe konkurrieren. Aber Sie wollen die Zufriedenheit Ihrer Kunden nutzen und sie über Ihre Vorteile für deren Kinder informieren.

Marketing für den eigenen Nachwuchs hat meiner Meinung nach überhaupt nichts mit viel Geld zu tun. Im Gegenteil, große Budgets verleiten eher dazu völlig unreflektiert zu werben. Nach dem Motto „wird schon was hängenbleiben“. Lehrstellenmarketing ist regional, und regional schlagen gute Ideen immer das große Budget. In diesem Sinne – viel Spaß beim Nachdenken!


Links

www.lehrlingspower.at: politisch unabhängiges Netzwerk für Ausbildungsbetriebe in Österreich

www.ausbilden.co.at: #ausbilden – Österreichs einziges Fachmagazin für Erfolg in der Lehrlingsausbildung


Lehrlingsforum 2015

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