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Bewerberselektion beginnt im Internet. Auch bei Lehrlingen.

Die Lehre hat in (Ost)österreich seit Jahren ein Imageproblem. Nicht nur bei den Bewerbern, zunehmend auch bei Ausbildungsbetrieben. Viele Betriebe und Initiativen arbeiten daran, diese zu lösen, aber leider selten koordiniert. Und – zumindest macht es den Eindruck – oft mehr anlassbezogen als strategisch. Dazu kommen dann noch hausgemacht Fehler, die nicht sein müssten.

Im Moment sind wieder die Berufsinformationsmessen allerorts in Gang. Viele engagierte Unternehmen präsentieren sich mit Ihren Berufen und Lehrlingen bei der Jugend & Beruf in Wels, der BeSt in Graz, der Bildungsmeile in Amstetten oder dem Tag der Lehre in Wien. Tausende Jugendliche bevölkern die Messehallen und finden dort im Idealfall Informationen für eine mögliche berufliche Zukunft. Die sie wie lange im Gedächtnis behalten?

Mich erschüttert dabei eines: es wird viel Geld und Zeit investiert, um auf solchen Messen präsent zu sein. Und natürlich gibt es immer auch Informationsseiten für informationswillige Jugendliche im Internet. Nur führen die meisten links der austellende Firmen ins Informationsloch. Nehmen Sie sich doch mal die Zeit und rufen Sie die Ausstellerliste der Jugend & Beruf im Internet auf. Alle Firmen sind dort verlinkt, was ja zum Service einer Messe gehört. Und von 78 Firmen, die Lehrstellen anbieten führt nur bei 26 (!) der link auf die Karriereseite. Bei allen anderen können Sie, teilweise sogar auf Englisch, alles über die neuesten Produkte erfahren. Und da sind Firmen dabei, die tolle Karriereseiten hätten. Die wahrscheinlich auch viel Geld gekostet haben.

Image braucht Pflege und Konzentration

Würde das jemals im Produktmarketing passieren? Ich glaube kaum. Und mir treibt es eigentlich die Tränen in die Augen, weil ich genau das schon voriges Jahr geschrieben habe. Gut, da war die Quote noch schlechter. Aber vielleicht ist es ja Absicht weil wir nur die als Bewerber haben wollen, die es schaffen unsere Lehrstellen zu finden. Weil die sind engagiert, von unserem Unternehmen begeistert und wirklich willens, bei uns zu arbeiten.

Um das Image einer Sache zu heben braucht es immer engagierte und ausschließlich auf diese eine Sache konzentrierte Personen oder Trägergesellschaften. Würde zum Beispiel der Skisport nur als eine Teilsektion eines Sportvereins oder eine Abteilung einer öffentlichen Institution vermarktet, wären wir wohl kaum so erfolgreich. Genau so geht es uns aber mit der Lehrlingsausbildung. Egal wo, Lehrlingsausbildung ist immer ein Bereich von vielen. In den Betrieben geht es darum, neue Produkte zu entwickeln und im Markt zu platzieren, den laufenden Betrieb aufrecht zu halten und die Aktionäre zufrieden zu stellen. In der Politik ist eines der wichtigsten Ziele die allgemeine Beschäftigung sicherzustellen. In allen Altersklassen und in allen Bildungsschichten. Und für die WKO ist es wichtig, alle Rahmenbedingungen für die Wirtschaft positiv zu beeinflussen. Die Ausbildung der zukünftigen Fachkräfte ist dabei ein wichtiger Bereich, aber bei weitem nicht der Einzige.

Legen wir los

Wie hat ein prominenter Leser unseres Fachmagazins #ausbilden vor Kurzem als Feedback per mail geschrieben: „Wir sollten tatsächlich in der Berufsinformation viel mehr den Marketingansatz pflegen und auch die Lehrbetriebe dabei unterstützen. Die Facharbeit kann so spannend und erfüllend sein, aber wir bringen diesen Aspekt zu wenig zur Entfaltung und transportieren ihn dann auch noch unzureichend.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen außer: packen wir’s an!

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