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Lehrlings-Ausbilder in Wien: Von oben sieht man besser

Führungs durchs Rathaus für Lehrlings-Ausbilder, 18feb2016, Veranstalter: lehrlingspower

 

Diesmal haben wir einen Event-Bericht der etwas anderen Art für Sie: lehrlingspower organisiert u.a. Netzwerk-Events für Lehrlings-Ausbilder. Diesmal traf man sich im Wiener Rathaus zu einer genialen Führung.

Wer so wie viele verdienstvolle Ausbilder Jugendliche begleitet, der braucht einen guten Überblick. Und auch die Fundamente und Hintergründe sind wichtig um zu verstehen, wie komplexe Abläufe funktionieren können. So gesehen hat die Führung durch das Wiener Rathaus, organisiert von Christian Schendlinger (Leiter des Lehrlingsmanagements der Stadt Wien) für genau die richtigen Ein- und Überblicke für Ausbilder gesorgt. In Bereichen, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

10 Ausbilderinnen und Ausbilder trafen sich bei leichtem Regen um 9:00 Uhr beim Eingang des Wiener Rathauses. Allein die Dimensionen von außen sind schon beeindruckend, wozu auch der Park und die umliegenden historischen Gebäude beitragen. Welche Stadt hat schon einen Eislaufplatz wie den Wiener Eistraum mitten in der City. Jedoch das, was wir in den nächsten 2 Stunden erleben sollten hatten wir wohl alle nicht erwartet.

Im Untergrund

Zunächst ging es ab in den Keller. Geführt vom Chef der für das Hintergrundmanagement verantwortlichen Mitarbeiter, und das sind immerhin 300 Personen. So viele Menschen braucht es um dafür zu sorgen, dass alle Mitarbeiter des Rathauses perfekte Arbeitsbedingungen vorfinden. Und das wiederum sind, im Rathaus und in allen umliegenden Außenstellen die auch vom Rathaus aus mitversorgt werden, unfassbare 16.000 Menschen. Dazu kommt dann noch die Vielzahl an Gästen, die bei diversen Gelegenheiten im Jahr das Rathaus besuchen. Allein die sichere Wasserversorgung, Stichwort Legionellen, oder die Sicherstellung der richtigen Raumtemperatur ist eine echte Herausforderung. Dazu kommt eine hauseigene Tischlerei, die lärmschonend im Keller werkt und ein ziemlich großer Bereich für die Lagerung von Mobiliar, Teppichen, Sesseln und sonstigem Zubehör das für die diversen Events benötigt wird. Gut, dass das ehemalige Kohlelager nicht mehr benötigt wird. Kohlelager im Rathaus? Na ja, früher wurden die Büros mit Kohleöfen beheizt. Die Vorstellung, welche Mengen an Kohle hier täglich angeliefert und verteilt werden musste lässt die Augen eines gelernten Logistikers wie mich schon leuchten.

Unterm Dach

Vom Keller geht es erstmals nach oben, diesmal mit dem Aufzug. Im Laufe der Führung sollten noch herausfordernde Aufstiege folgen. Die Dachkonstruktion des Wiener Rathauses ist immer noch jene, die 1875 fertiggestellt wurde. Selbst für technische Laien ist diese Konstruktion von innen betrachtet ein Musterbeispiel von industrieller Ästhetik. Gut allerdings, dass wir nicht allein unterwegs sind. Denn im ständigen auf und ab und bei den vielen Verwinkelungen wäre wohl so mancher von uns ansonsten immer noch dort. Und wir hätten auch wesentlich weniger Erklärungen bekommen, denn allein das Wissen unserer Begleiter um viele Details und Geschichten ist schon beeindruckend.

Höhenflug

Und genau diese Qualitäten durften wir jetzt im Detail erfahren. 30 Meter über dem Rathausplatz am sogenannten Figurengang standen wir sozusagen Auge in Auge mit jenen Statuen, die von unten viele wohl kaum wahrnehmen. Wer von uns wusste schon, dass hier über 30 Figuren alle Zünfte darstellen. Und historische Begebenheiten aus der Wiener Geschichte, wie die wehrhaften Bürger? Jede dieser Figuren an sich wäre schon einen weiteren Absatz wert, der ob der Detailtreue in der Darstellung noch dazu ziemlich lang geraten würde. Von hier oben werden dann auch erstmals die wahren Dimensionen des Hauses sichtbar. Alle Höfe des Rathauses auf einmal mit dem Handy zu fotografieren scheiter schlicht am nicht vorhandenen Weitwinkelobjektiv.

Was übrigens auch weiter oben nicht gelang, denn selbst von dort war das Rathaus schlicht zu groß. „Von dort“ heißt 175 Stufen höher, am Fuße des Rathausmannes. An der Spitze des Turms angekommen ist man schon beinahe 100 Meter über der Stadt und man hat hier wirklich die Stadt zu Füßen liegen. Irgendwie spürt man schon auch den Stolz jener Bürger, die ein solches Rathaus errichten ließen. Der sich auch in der Figur des Rathausmannes zum Ausdruck kommt. Denn die Geschichte rund um dieses allen Wiener bekannte Wahrzeichen der Stadt hat mit Bürgerturm und Kirche zu tun. Als das Rathaus gebaut wurde, durfte nämlich kein Gebäude höher gebaut werden, als die naheliegende Votivkirche. Also baute man den Rathausturm rund 2 Meter niedriger und setzte dann den 3,5 Meter hohen Rathausmann oben drauf. Der ist aber „nur“ eine Statue und somit war offenbar allen recht getan 😉

Innenleben

Nach so viel Ausblick auf prunkvolle Gebäude in der Nachbarschaft liegt die nächste Station quasi auf der Hand. Denn jetzt ging es in die Prunkräume und jene Bereiche, die auch bei öffentlichen Führungen zugänglich sind. Der Rathaussaal, zu seiner Bauzeit der größte in ganz Europa, ist mit seinen Dimensionen und der prächtigen Ausgestaltung beeindruckend. Was in gleichem Maße auch für den Wappensaal oder den roten Salon zutrifft. In dem übrigens auch die Portraits aller verstorbenen Wiener Bürgermeister hängen. Der jeweils letztverstorbe, im Moment also Helmut Zilk, hat immer den Ehrenplatz an der Stirnwand. Und bei Bedarf rücken alle reihum nach, der letzte muss in einen anderen Raum. So lange, bis das Portrait schließlich im Archiv des Wien Museums landet. Auch hier gab es unzählige Details und Anekdoten unserer Begleiter, die schier nicht enden wollten. Zum Abschluss noch ein Abstecher in den Sitzungssaal des Wiener Gemeinderates und die Beschlussfassung aller Teilnehmer: hierher kommen wir mit unseren Lehrlingen, damit die sehen wo Politik entsteht.

Fazit

Alles in allem ein unglaublicher Vormittag mit Eindrücken, die in ihrer Vielfalt gar nicht niederzuschreiben sind. Wer seinen Lehrlingen eine ähnliche Führung ermöglichen will, kann sich an das Wiener Rathaus wenden. Alle öffentlichen Bereiche werden für Gruppen ab 10 Personen nach Terminvereinbarung jederzeit und kostenlos angeboten (Anmeldung 4 Wochen im Voraus). Und auch die Teilnahme an den öffentlichen Sitzungen des Wiener Gemeinderates ist auf der Besuchergalerie möglich.

Alle Premium Mitglieder im Netzwerk Lehrlingspower können sich gerne an uns wenden, wenn sie eine ähnliche „Privatführung“ erleben möchten. Wir reden gerne für Sie mit der Stadt Wien, wie wir das für Sie organisieren können.


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Ein Kommentar

  1. Eva SELAN am

    Danke, Robert, für die genial Führung! Ich habe mir erlaubt, in paar Bilder beizusteuern, auch wenn – wie du richtig sagst – der Weitwinkel am Handy-Objektiv leider fehlt.

    Ich habe das Rathaus noch nie aus diesen Blickwinkeln gesehen, jetzt weiß ich sogar wo die roten Samthocker gelagert werden, gleich neben den roten Teppichen, im ehemaligen Kohle-Keller nämlich. Die Schienen für di Kohlewagerl sind tw. heute noch vorhanden.

    Die Aussicht war phantastisch, die Schiefer-Dachziegel taten es mir an und die zahlreichen Insider-Geschichten über das Rathaus und die zahlreichen Mitarbeiter (16.000 – das muss man sich mal vorstellen, das ist schon eine kleine Stadt!) machen die Führung zu einem wahren Erlebnis.

    Danke, Robert, du bietest einen großen Mehrwert. Nicht nur für deine lehrlingspower-Mitglieder, sondern auch für meine HRweb-Leser.

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