HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Lehrlinge, Lehrlingsausbilder

Voraussetzung & Weiterbildung für LehrlingsAusbilder | Social Skills als Schlüssel

Wir sprechen viel über Lehrlinge. Heute stellen wir statt der Lehrlinge, die LehrlingsAusbilder ins Scheinwerferlicht. Die konkrete Frage: Welche Voraussetzungen muss ein LehrlingsAusbilder mitbringen, um erfolgreich sein zu können? Wie kann und soll sich ein LehrlingsAusbilder weiterbilden?

Ich denke dabei eher an die Social Skills der Ausbilder, denn die Zielgruppe, die Jugendlichen, sind in einem sehr speziellen Abschnitt ihres Lebens, in dem Fingerspitzengefühl sicherlich hilfreich ist.

 

 

 

Welche Social Skills sollte ein LehrlingsAusbilder grundsätzlich mitbringen?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Als Lehrlingsausbilder sind Empathie und die Fähigkeit zur Selbstreflexion besonders gefordert. Der Ausbilder fungiert nicht nur als Vorgesetzter, sondern im besten Falle auch als Vertrauensperson und Ansprechpartner bei Schwierigkeiten. Soziale Kompetenzen und ein Gespür für die Gratwanderung zwischen freundschaftlichem Lehrer und Führungskraft sind hier gefragt. Die Sprache der Jugendlichen zu sprechen und sich dafür zu interessieren, was bei der Jugend gerade so „hip“ ist, macht es einfacher, einen Zugang zu ihnen zu finden. Aber auch hier ist es wichtig, ein Gefühl dafür zu entwickeln, in wie weit ich mich als Ausbilder darauf einlasse und wo es als anbiedern bei den Jugendlichen ankommt.
Ein wichtiger Faktor für das Unternehmen ist auch, dass LehrlingsAusbilder in der Lage sind High Potentials bei ihren Schützlingen zu erkennen und diese entsprechend zu fordern und fördern, um diese langfristig im Unternehmen halten zu können.

Robert Frasch (lehrlingspower): LehrlingsAusbilder müssen neugierig sein und bereit, sich auf junge Menschen einzulassen. Ohne sich anzubiedern und als Berufsjugendliche zu positionieren (das hat schon bei Udo Huber auf Ö3 schlecht funktioniert). Gleichzeitig sind sie gefordert, ihren Bereich und „ihre“ Lehrlinge nach außen zu verteidigen, denn nicht alle im Unternehmen können gleich gut mit gewissen Eigenheiten von Jugendlichen umgehen. Es braucht viel Gefühl und direkten Kontakt und genauso das Gespür dafür, wann man sich selbst abgrenzen muss. Und zu guter Letzt: Lehrlinge erwarten Offenheit und Ehrlichkeit, gerade auch dann wenn sie etwas falsch machen.

Mag. Ing. Thomas Hrastnik (VWG): Zunächst muss ein Ausbilder zuhören können, den Jugendlichen verstehen und sich auf seine Sprache einlassen. Das ist Kommunikation auf Augenhöhe, das ist Wertschätzung. Für Jugendliche ist wichtig, dass alles was ausgemacht wird auch gilt, der Ausbilder hat hier mit seiner gelebten Vereinbarungstreue eine Vorbildwirkung. Diese Kombination aus verlässlichem Verhalten und Respekt im Umgang sind der Schlüssel zum Erfolg mit Jugendlichen.

Thomas Dodner (Top Train): Ein LehrlingsAusbilder ist sich seiner Vorbildfunktion sehr bewusst. All das was er vom Lehrling erwartet setzt er selbstverständlich und mühelos in eigenen Alltag um. Zudem ist er in der Lage die individuellen Bedürfnisse junger Menschen zu verstehen und zu berücksichtigen. Die Rückmeldungen sowohl nach Erfolgen und auch Misserfolgen sind wertschätzend und unmissverständlich.

Welche Maßnahmen / Weiterbildung würden Sie LehrlingsAusbildern auf jeden Fall empfehlen?

Mag. Ing. Thomas Hrastnik (VWG): Ein Ausbilder ist eine Führungskraft, daher sind alle Weiterbildungen wie;  Leadership, Kommunikation und Team-Building absolute Voraussetzung. On top sind alle Maßnahmen zu sehen, die den Ausbilder selbst fit halten. Dazu zählen Supervision, Kenntnisse über die eigenen Motivationsmechanismen.

Thomas Dodner (Top Train): Vertiefende Kenntnisse in der Entwicklungspsychologie sowie Mediations-Fähigkeiten. Denn Lehrlingsausbilder müssen oft zwischen zwei „Welten“ vermitteln.

Robert Frasch (lehrlingspower): Seminare die sich mit der Welt der Jugendlichen beschäftigen, sind sicher hilfreich. Aber auch Fachartikel zu lesen, um zu wissen, was gewisse Begriffe in der Lebenswelt der Jugendlichen bedeuten. Es ist dabei nicht ratsam, sich selbst Snapchat-Accounts anzulegen oder ein Video auf musically.me hochzuladen. Aber wissen, was das ist sollte man schon. Generell ist das selbe wichtig, wie auch für Führungskräfte und die Lehrlinge selbst: die eigenen Fähigkeiten in Sozialkompetenzen wie zuhören, klare Vereinbarungen treffen (und einfordern!) oder sich für den anderen ehrlich interessieren helfen immer. Gerade dafür gibt es eine ganze Reihe an Trainingsanbietern.

Günther Mathé, MBA (careercenter): Eine Trainerausbildung bzw. eine pädagogische Weiterbildung ist jedenfalls von Vorteil. Besonders wenn für die Lehrlinge im Rahmen ihrer Ausbildung auch persönlichkeitsbildende Inhalte angeboten werden, sollten die Ausbilder zumindest auch auf dem gleichen Stand sein. Methodisches Wissen, wie Fachinhalte vermittelt werden, so dass diese auch nachhaltig umgesetzt werden können, ist ebenso zielführend. Neben den rechtlichen und fachlichen Kompetenzen, die ein Ausbilder mitbringen soll, sind auch seine erzieherischen Fähigkeiten gefragt. Hier im Problemfall professionelle Hilfe in Form von Beratung oder Coaching in Anspruch zu nehmen, halte ich für unumgänglich, ist doch gerade das Teenageralter eine sehr bewegte Zeit, in der man viele Samen säen, aber auch viel Zerstörung anrichten kann.

Welche Evaluierungsmöglichkeiten gibt es für LehrlingsAusbilder?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Nicht nur der Jugendliche, der eine Lehre absolviert, entwickelt sich im Laufe seiner Ausbildung weiter, auch sein Vorgesetzter und Ausbilder macht eine Weiterentwicklung durch. Aus meiner Sicht ist es zielführend, dass sich Ausbilder selbst auch ein Feedback ihrer Schützlinge holen, um sich und die Lehrausbildung laufend zu verbessern. Dazu ist es nötig, eine Basis des Vertrauens zu schaffen, die ein solches Feedback konstruktiv ermöglicht und als Instrument für eine Weiterentwicklung nutzbar macht.

Wie schätzen Sie die generelle Lernbereitschaft von LehrlingsAusbildern ein?

Mag. Ing. Thomas Hrastnik (VWG): LehrlingsAusbilder sind meist junggeblieben durch den Umgang mit Jugendlichen, ihre Lernbereitschaft ist überdurchschnittlich hoch. Da Ausbilder auch selbst lehren und vortragen, haben sie beste Voraussetzungen um selbst rasch neue Inhalte aufzunehmen.

Günther Mathé, MBA (careercenter): Generell erleben wir das Bewusstsein von Lehrlingsbetreuern darüber, dass die Lehre eine Ausbildung ist, als sehr hoch. Ausbilder absolvieren laufend Fort- und Weiterbildungen zu fachlichen, rechtlichen und pädagogischen Themen. Die Art der Ausbildung ist im Begriff der Veränderung, in der dualen Lehrausbildung ebenso wie im Schulwesen. Die Verantwortung, die Lehrausbilder tragen, ist sehr hoch – ihrem anvertrauten Schützling gegenüber ebenso wie dem Unternehmen.

Thomas Dodner (Top Train): Bisher freuten wir und über hoch motivierte und sehr lernwillige LehrlingsAusbilder. Lediglich unternehmensinterne Konflikte führten in einigen Fällen zu Demotivation und einer Abnahme der Lernbereitschaft.

Wie bekommt ein LehrlingsAusbilder abseits der klassischen Weiterbildungs-Möglichkeiten Fach-Know-How?

Robert Frasch (lehrlingspower): Suchen Sie den Kontakt zu Kollegen in ihrem direkten Umfeld und gehen sie dabei bewusst auch über ihre Branche hinaus. Bei einem gemeinsamen Mittagessen lässt sich so manches Thema zwanglos besprechen. Oder nutzen sie Netzwerke wie die Arbeiterkammern oder Brancheninitiativen, um sich mit anderen auszutauschen. Und last but not least: reden sie mit ihren Lehrlingen auch über deren Alltag. Auch hier kann ein Abteilungsfrühstück alle 2 Wochen echte Wunder bewirken.

Wie können Ausbilder mit der Generation Why umgehen?

Mag. Ing. Thomas Hrastnik (VWG): Die Generation Why wird immer später erwachsen. Zugleich sind soziale Medien Bestandteil des Lebens. Dieser Realität haben Ausbilder Rechnung zu tragen. Ein gelungener Faceook-Auftritt oder eine vitale und nützliche whatsapp-Gruppe oder Instagram-Präsenz mit Fotos aus dem Alltag der Jugendlichen in Beruf und Freizeit bringen nicht nur Imagepunkte sondern bauen eine Community auf.

 



Die Gesprächspartner

 

Günther Mathé, MBA
Geschäftsführer

careercenter

www.careercenter.at

Unternehmens-Profil


Thomas Dodner
Geschäftsführer

TOP TRAIN Unternehmensberatung und Training GmbH

www.top-train.at

Unternehmens-Profil


Mag. Ing. Thomas Hrastnik
Geschäftsführer

VWG | Volkswirtschaftliche Gesellschaft Wien, Niederösterreich

www.vwg.at


Robert Frasch
Gründer

lehrlingspower

www.lehrlingspower.at


Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spielregeln