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Innovative Zusammenarbeit im HR Bereich. Gemeinsam sind wir stark!

Ein Plädoyer für überbetriebliche Zusammenarbeit im Personalbereich

 

In der Teamarbeit hat sich das Akronym TEAM Together Everyone Achieves More schon lange durchgesetzt, obwohl es auch den sarkastischen Gegenpart gibt: Toll Ein Anderer Machts! Nichts destotrotz beschäftigen sich viele Studien auch damit, dass eben gute Zusammenarbeit in Teams, insbesondere auch abteilungsübergreifend, essentiell für den Unternehmenserfolg ist (Chudziwkowksi/Covarrubias Venegas 2016).

Autoren: Mag. Christiane Troicher & Mag. Barbara Covarrubias Venegas

Nun wissen wir aus unterschiedlichen Berichten und Studien, dass das Personalmanagement in KMU vor vielfältigen Herausforderungen steht (Cooper/Burke 2011), oft ist HR nur periphär an die Agenden der Geschäftsleitung angebunden oder es ist eine one woman/one man show, in der man als Generalist alles können muss und darüber hinaus auch alles oft selbst machen muss: ein klares Ressourcenproblem. Der Forschungsschwerpunkt „HRM in KMU“ ist im Vergleich zu Forschung, die sich mit HR Themen, welche auf der Agenda von Konzernen stehen auch vergleichsweise gering ausgeprägt (Harney/Nolan 2014), obgleich gerade in Österreich die Unternehmenslandschaft geradezu nach Ergebnissen zugeschnitten auf KMUs „schreit“, da fast 98% der österreichischen Unternehmen als KMUs gelten findet man bei einer Google Recherche mit den Suchwörtern „HRM in KMU“ fast ausschließlich Artikel aus der Schweiz oder Deutschland (in Summe zu 129.000 Ergebnisse). Eine Untersuchung der Leuphana Universität Lüneburg aus dem Jahr 2011 zeigt auf, dass Themen wie Globalisierung und demografische Entwicklung die Personalarbeit in deutschen Großunternehmen zunehmend prägen. Das Personalmanagement in KMUs wird durch folgende drei große Herausforderungen geprägt: Talente gewinnen und entwickeln, Effektiver lernen, Führung im Wandel.

Sharing is Caring?

Der Sharing Gedanke zieht sich durch viele Sektoren, über Car-Sharing, Kleidertauschringe, Couchsurfing hin zu neuen Geschäftsmodellen wie AirBnB und Uber gibt es die unterschiedlichsten Ausprägungen wie Dinge geteilt oder eben gemeinschaftlich gentzt werden können. Laut dem Time Magazin ist der geteilte Konsum eine der zehn großen Ideen, die die Welt verändern. Diese alternativen Formen des Konsums werden als Collaborative Consumption, Sharing bzw. im Sinne eines eigenen Wirtschaftszweiges als Sharing Economy bezeichnet, wobei es um das Teilen, Tauschen, Mieten und Schenken von materiellen und immateriellen Ressourcen (Objekte, Raum, Zeit, Fähigkeiten und Erfahrungen) geht, das durch Online-Plattformen und soziale Netzwerke ermöglicht wird (mehr dazu online hier). Weitere Aspekte, wie u.a. open source for HR werden in folgendem Artikel aufgezeigt #CarnivalofHR: Sharing is Caring

Der folgende Beitrag zeigt ein Projekt auf, welches meisterhaft Stärken in einer gesamten Region und Branche bündelt, um gemeinsam mehr Erfolg zu haben.

Wir sind Helden!

Im Jahr 1992 wurde die Vereinigung der Best Alpine Wellness Hotels gegründet. Heute zählen 19 familiengeführte Vier-Sterne- und Fünf-Sterne-Hotels in Österreich und Südtirol zur renommierten Hotelkooperation. Die Arbeitsmarktsituation im Tourismus ist angespannt, der Fachkräftemangel in aller Munde. Mit einem gruppenübergreifenden HR Management haben die 19 Partnerbetriebe seit 2014 ihre Kräfte gebündelt. Gemeinsam wollen sie die Tourismuskarriere wieder attraktiv machen!

Mehrwert des Projektes?

Das gruppenübergreifende HR Management soll eine Leuchtturmfunktion für andere Tourismusbetriebe haben, sowie zur allgemeinen Professionalisierung der HR Arbeit in der Tourismusbranche beitragen. Es soll dementsprechend den Tourismusarbeitsplatz wieder attraktiv machen und in weiterer Folge die Arbeitslosigkeit senken.

Projekthintergrund

Der Leidensdruck im Tourismus ist hoch. Noch nie gab es so viele freie (Lehr)stellen zu besetzen wie heute. Das Branchenimage, die Arbeitszeiten, der niedrige Altersdurchschnitt etc. tragen ihren Teil dazu bei. Auf der anderen Seite stehen Gastgeber und Mitarbeitende die mit Leidenschaft und Herzblut Dienstleistungen der Extraklasse vollbringen. Das gruppenübergreifende HR Management der Best Alpine Wellness Hotels zielt darauf ab, die Wertschätzung für die erbrachten Leistungen intern und extern zu erhöhen. Es wurden 32 Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeiterzufriedenheit ausgearbeitet und in den Kriterienkatalog der Best Alpine Wellness Hotels aufgenommen. An Hand von gemeinsam entwickelten Werten, wurde eine Arbeitgebermarke und die Kampagne „Wenn Mitarbeiter zu Helden werden“ entwickelt und über verschiedene Kanäle (Messen, Print, Social Media, Mitarbeiterzeitung) kommuniziert. Laufend wird mit den HR Verantwortlichen in den Betrieben an der Optimierung von HR Prozessen gearbeitet. Seit April 2015 nutzen die 19 Partnerbetriebe eine eigens entwickelte Jobplattform. Ein gemeinsames Bildungsprogramm, mit Ausbildungsprogrammen für Lehrlinge sowie Führungskräfte und zahlreichen Fachseminaren, fördert die persönliche und fachliche Entwicklung der über 2.000 Mitarbeitenden.

Fazit: Gemeinsam sind wir stark – auch über Unternehmensgrenzen hinweg!

Die Suche nach den passenden, talentierten und motivierten Mitarbeitern wird in vielen Branchen immer schwerer. Oft sehen sich insbesondere KMU vor dieser Herausforderung, welche aufgrund kleiner Strukturen und geringer(erer) Budget oft schwer bewältigbar ist. „CARING“ über „die anderen“ der Branche und „SHARING“ von Best Practices, sowie Ressourcen scheint ein Weg zu sein, der sehr vielversprechend, aber noch wenig genutzt ist!


Autoren

Mag. Christiane Troicher, Head of HR Management, Best Alpine Wellness Hotels. Mail: karriere@bestwellnesshotels.at

Mag. Barbara Covarrubias Venegas ist Researcher am Institut für Personal & Organisation, FHWien der WKW. Mail: barbara.covarrubias@fh-wien.ac.at


Weiterführende Link zum Karriereprogramm der Best Alpine Wellness Hotels

Literatur

  • Chudziwkowksi, Katharina/Covarrubias Venegas, Barbara (2016): Performance Management auf den Kopf gestellt oder neu gedacht? Erscheint in Zeitschrift ARD – Dezember Ausgabe, Verlag LexisNexis.
  • Cooper, Cary L./Burke, Ronald J. (2011): Human Resource Management in Small Business: Achieving Peak Performance, Verlag: Edward Elgar Publishing
  • Harney, Brian/Nolan, Ciara T. (2014): HRM in Small and Medium-Sized Firms (SMEs). In book: Strategic HRM: Research and Practice in Ireland, Chapter: HRM in Small and Medium Sized Enterprises, Publisher: Blackhall/Orpen, Editors: Harney, Monks, pp.153-169

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2 Kommentrare

  1. Helmut Karas am

    Die Suche nach passenden, talentierten und motivierten MitarbeiterInnen lässt sich gut mit einem authentischen Blog (kann sehr einfach sein) auf der Webseite oder in Facebook lösen.
    Perfektion ist weniger wichtig, es geht um Authentizität.
    Gerade KMUs haben mit der digitalen Welt die Chance, ohne großes Budget Reichweite zu schaffen. Findbarkeit und Attraktivität sind mit wenigen Schritten erklärbar, lernbar und dann geht es um die Unternehmenskultur.
    Mit den digitalen Medien stehen alle öffentlich sichtbar nebeneinander. Gute MitarbeiterInnen können es sich aussuchen. Deshalb ist die Nische des Unternehmens besonders wichtig (das war immer schon so, heute durch die Marktsituation spüren wir das stärker).
    Glücklicherweise kann man heute eine Nische mit hoher Qualität leichter gestalten, weil es bessere Kommunikationsmöglichkeiten gibt, wenn sich alle im Unternehmen ihrer Netzwerke bedienen. Authentisch, freundlich, aktiv. Unternehmen mit Kultur.

    Ich möchte Mut machen: Vernetzung ist das Wichtigste. Zwischen Menschen entstehen Beziehungen und die „regionalen, menschlichen, saisonalen“ Themen sind der Stoff, aus dem Wirtschaft entsteht.

    Helmut Karas

    Anmerkung der Redaktion:
    – Emailadresse + URl wurde aus Werbe-Gründen aus dem Kommentar entfernt.
    – Inhalte von Kommentaren sind von Lesern verfasst, HRweb zeichnet sich dafür nicht verantwortlich.

  2. Christiane Troicher am

    Lieber Herr Karas,
    vielen Dank für Ihren „mutmachenden“ Beitrag.

    Sie haben absolut Recht, es gibt in Zeiten von sozialen Netzwerken viele einfache und kostensparende Methoden mit Karrieregeschichten „Lust auf mehr“ zu machen.

    Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Social Media Kampagne, auch im HR Bereich, ist jedoch ein interessanter und mitreißender Content. Es muss also auch Erfolgsgeschichten geben, über die es sich lohnt zu berichten. Ergo, wird es keinem Unternehmen erspart bleiben zu allererst auch ein gute Arbeitgeber zu sein. Danach schreiben sich solche Geschichten doch von selbst oder?

    Fazit: Ich stimme Ihnen zu Herr Karas, Netzwerk und Kommunikation sind das A und O. Zumindest was den Tourismus anbelangt, wird dies auf Gästeseite in Perfektion verstanden und betrieben. Im HR Bereich ist hier bestimmt noch Sensibilisierungsbedarf vorhanden. Sowie bei unseren Gästen, ist bei den Mitarbeitenden ein ehrliches und authentisches Marketing gefragt.

    Eine kurze Anmerkung zum Schluss: Auch im HR Bereich gilt – halte besser mehr, als du versprichst und nicht umgekehrt! 😉

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