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Was Angestellte von Managern und Unternehmern lernen können

Die landläufige Meinung, wie Sie beruflich erfolgreich werden können, lautet: Sie gründen Ihr eigenes Unternehmen, ziehen es hoch und verkaufen es dann für viele Millionen Dollar an einen großen Player im Silicon Valley. Abgesehen davon, dass ein Szenario in dieser Größenordnung für die meisten Menschen hierzulande völlig unrealistisch ist, bedeutet die Traumvorstellung vom eigenen Unternehmen für viele Selbständige gerade in der Anfangszeit einen Albtraum.

Selbständige arbeiten im Schnitt viel mehr und müssen sich deutlich mehr anstrengen, um überhaupt das gleiche Einkommen zu erzielen wie Angestellte. Sie tragen das ganze Risiko, und wenn das Unternehmen erfolgreich ist, dürfen sie einen großen Teil des Gewinns in Form von Steuern an den Staat abgeben. In der Theorie klingt es toll, selbständiger Unternehmer zu sein. In der Praxis sind in 90 % der Fälle die Angestellten wirtschaftlich erfolgreicher als Selbständige in den ersten 3 bis 5 Jahren nach der Gründung.

Diese Umstände könnten es nun verlockend machen, nach einem fixen Job Ausschau zu halten, 40 Stunden pro Woche brav zu arbeiten und am Monatsende mit einem sicheren Gehalt nach Hause zu gehen. Doch Globalisierung und Wirtschaftskrisen stellen auch für Angestellte große Herausforderungen dar. Die Gefahr wächst ständig, der Gunst der Konzerne ausgeliefert zu sein, den Job und damit den Anschluss zu verlieren und aus der Mittelklasse abzurutschen.

Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen viele Angestellte ihre Einstellung zur Arbeit grundlegend überdenken und sollten sich ein paar Dinge von erfolgreichen Managern und Unternehmern abschauen.

Die Leidenschaft für die persönliche Arbeitsleistung in den Mittelpunkt stellen

Viele Angestellte wollen sich ein schönes Leben leisten und sind bereit, dafür ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Im Mittelpunkt steht für die meisten Angestellten die Sicherheit ihres Einkommens, für das sie bereit sind, zahlreiche Kompromisse einzugehen. Wenn der Chef sagt, dass die Arbeit bis 18 Uhr zu erledigen ist, ordnen sich viele Angestellte unter, um ihren Job ja nicht zu gefährden.

Unternehmer arbeiten hingegen mit der Einstellung, eine besondere Leistung am Markt anzubieten. Das Geldverdienen folgt für sie erst daraus. Für Unternehmer ist die erste Überlegung, welche Leistung sie erstens besonders gut und zweitens leidenschaftlich gern erbringen. Erst danach machen sie sich Gedanken dazu, wie der Business Case genau aussehen könnte.

Wenn Angestellte ihre Arbeitskraft dem Chef gegen Bezahlung zur Verfügung stellen, ist das geradezu eine schriftliche Einladung, mit dessen Problemen überhäuft zu werden. Unternehmer hingegen bieten Lösungen an und stellen diese ins Zentrum ihres Berufslebens. Sie können sich daher meist viel besser über lange Phasen motivieren und auch Durststrecken besser überwinden als Angestellte.

Um möglichst langfristig zufrieden und motiviert zu sein, sollten Angestellte daher jenen Beitrag finden und kommunizieren, den sie im Sinne ihres Arbeitgebers leisten wollen. Ein guter Chef fördert seine Mitarbeiter am besten bei diesen Überlegungen. Unternehmerisches Denken und die gemeinsam erlebten Erfolge, die im Rahmen des Unternehmens möglich sind, fördern die Zufriedenheit und Motivation viel stärker als die gut gemeinten Leistungsanreize des Arbeitgebers mit Gehaltserhöhungen und Zusatzleistungen.

Mitarbeiter zur Unterstützung suchen und aufbauen

Der größte Unterschied zwischen beruflichen erfolgreichen Menschen und dem Rest ist die Unterstützung durch ihre Mitarbeiter. Je besser die Mitarbeiter arbeiten, desto einfacher ist es für einen Unternehmer, profitabel zu wirtschaften. Dazu zählen sowohl interne als auch externe Mitarbeiter.

Jeder gute Unternehmer weiß, dass er ohne seine Mitarbeiter nichts ist. Die Mehrheit der Unternehmen hierzulande sind Dienstleistungsunternehmen. Ein solches Unternehmen ohne Mitarbeiter ist ein leerer Raum mit wertlosen gebrauchten Büromöbeln und Computern. In vielen Branchen, ob in der Hotellerie, in der Beratung oder beim Friseur, ist das Hauptargument, warum die Stammkunden bei diesem Unternehmen kaufen, die Qualität der persönlichen Beziehung zu den Mitarbeitern.

Wenn Sie als Angestellter das Optimum aus ihrem Berufsleben herausholen wollen, sollten sie aktiv innerhalb und außerhalb ihres Unternehmens Personen finden und aufbauen, die sie auf ihrem Weg zum beruflichen Erfolg unterstützen. Nicht nur die Pflege des eigenen Netzwerks, wie sie für Unternehmer und Führungskräfte selbstverständlich ist, sollte auch für Angestellte zum Usus werden. Sie sollten aktiv Geld dafür bezahlen, die Leistungen anderer in Anspruch zu nehmen.

Die zwei großen Unterschiede zwischen Mitarbeitern und einem Netzwerk bestehen in der Überordnung und der finanziellen Komponente. In einem Netzwerk läuft vieles auf Augenhöhe und ohne finanziellen Austausch ab. Die Mitglieder eines Netzwerks unterstützen einander aufgrund gegenseitigen Vertrauens und persönlicher Sympathie. Für jeden Mitarbeiter gibt es hingegen einen Chef, der Aufgaben verteilt und für deren Erledigung bezahlt.

Noch wichtiger als die Pflege des Netzwerks ist es, eigene Mitarbeiter intern oder extern aufzubauen, die alle Tätigkeiten übernehmen, die Sie entweder nicht gut oder nicht gerne machen. Je mehr Sie an andere Personen gegen Bezahlung auslagern, desto mehr können Sie sich auf jene Arbeiten konzentrieren, die sie leidenschaftlich gern und unfassbar gut erledigen, um mit größerer Leichtigkeit noch viel erfolgreicher zu werden.

Viele Angestellte verhalten sich als Chef, der Leistungen gegen Bezahlung einfordert, vor allem im privaten Bereich, wie etwa gegenüber Putzfrauen, Taxifahrern oder bei einem Restaurantbesuch. Beruflich erfolgreicher können sie werden, wenn sie auch im Unternehmensumfeld Tätigkeiten gegen Bezahlung outsourcen, wie etwa an Designer, Programmierer oder Übersetzer, aber auch Recherchetätigkeit oder Administration, sofern sie dadurch keine Geheimhaltungsregeln verletzen.

Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen

Wenn Unternehmer nicht entscheiden, geht ihr Geschäft zugrunde. Es gibt einfach nur sie, die die Verantwortung dafür tragen, welche Leistung sie am Markt zu welchem Preis anbieten. Wenn Angestellte nicht entscheiden, passiert hingegen in vielen Fällen zunächst nichts.

Das Schönste für einen guten Chef sind jedoch Mitarbeiter, die mitdenken und bessere Ideen als die eigenen vorbringen. Wer das kalkulierte Risiko einer fundierten Entscheidung übernimmt, zieht die Macht an sich und vergrößert im Erfolgsfall seinen Einfluss. Die besten Entscheidungen sind im Sinne des Unternehmens, der Kunden, der Allgemeinheit und sich selbst.

Frustrierte Mitarbeiter gibt es vor allem in jenen Unternehmen, in denen die guten Ideen der Angestellten abgewürgt werden. Wenn Mitarbeiter gar keinen Entscheidungsspielraum haben und sie mehr erreichen wollen, als der Arbeitgeber zulässt, ist es für sie meistens besser, das Unternehmen zu verlassen. Sie sollten sich dann ein Umfeld zu suchen, in dem sie mehr Freiheiten haben und mehr Verantwortung übernehmen können, um ihr Berufsleben möglichst nah an ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Zusammenfassung

Angestellte haben es in vielerlei Hinsicht einfacher als Selbständige, beruflich erfolgreich zu sein. Allerdings müssen sie sich möglichst oft wie Führungskräfte oder Unternehmer verhalten, um möglichst langfristig Erfolg zu haben. Denn selbst wenn sie kein eigenes Unternehmen haben, sind sie immerhin für Ihr eigenes Haushaltsbudget verantwortlich. Und wenn sie keinen einzigen Mitarbeiter beschäftigen, können sie sich noch immer selbst führen, sich selbst Lob für Ihre Arbeit geben und selbst für Ihre persönliche und berufliche Entwicklung sorgen.

Angestellte können ihre beruflichen Ziele leichter erreichen als die meisten Selbständigen. Viele von ihnen laufen jedoch Gefahr, für ein sicheres Gehalt Kompromisse einzugehen und ihre beruflichen Ziele und Träume zu vernachlässigen. Wenn sie jedoch in eigenen Karrierefragen denken und handeln wie Unternehmer und Führungskräfte, sind sie auf dem besten Weg zu mehr Glück, mehr Erfolg und mehr Erfüllung im Beruf.

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Ein Kommentar

  1. Jeanette Hasselmann am

    Ein sehr guter Artikel – vielen Dank!
    Das kann man auf sehr viele Bereiche des Lebens übertragen. Wenn wir mit Leidenschaft und nicht aus Berechnung handeln, orientieren wir uns fokussiert gen Ziel. Nichts bringt uns vom Weg ab und diese Stärke strahlen wir aus.
    Dies ist im Alltag, besonders im Job leider nicht allen Menschen in die Wiege gelegt. Aufgrund von Mangel an Sicherheit, halten sie an dem fest, was sicher erscheint. Auch wenn das total paradox ist. Ohne ein Quäntchen Mut „verlieren“ sie auf lange Sicht.
    Hinzu kommt, dass viele Menschen weder wissen wo ihre Stärken liegen, noch ihre eigenen Träume kennen.

    Zum Glück gibt es heute gute Trainings, die dabei helfen, in die Selbstwirksamkeit zu kommen.

    Jeanette Hasselmann
    (Coach & Trainerin aus Hamburg)

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