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Ein eingespieltes Team – leichter durch Teamtraining?

In Zeiten des Diversity Managements spricht es sich herum, dass Unterschiede der Persönlichkeiten und Hintergründe der Menschen unbestreitbares Faktum sind. Und genau diese Unterschiede sind der Stoff aus dem herausragende Leistungen entstehen, vorausgesetzt, man unterstützt die Mitarbeiter, die Unterschiede nicht für Streit und Stress sondern für Synergien und herausragende Ideen zu nutzen.

Dennoch – und das ist durchaus schade: Grundsätzlich eignet sich nicht jedes Teammitglied als perfekter Teamplayer, der sich im Team bestmöglich entfalten kann. Auch das muss respektiert werden – und auch dieses Mitglied trägt zur Heterogenität des Teams bei.

Heterogene Zielgruppen

“Teamtraining” umfasst – wie der Name untrügerisch sagt – das gesamte Team. Üblicher Weise. Daher muss ein und dieselbe Entwicklungsmaßnahme für unterschiedliche Hierarchieebenen gestaltet sein. Andererseits nimmt nicht der gesamte Führungsstab an derselben Maßnahme teil. So gesehen kann bzw. muss Teamtraining sehr wohl auf die Hierarchieebene angepasst sein. Nehmen wir zwei sehr unterschiedliche Gruppen: Lehrlinge versus Führungskräfte.

Worin unterscheiden sich Teamentwicklungs-Trainings für Lehrlinge von jenen für Führungskräfte?

Günther Mathé, MBA (Geschäftsführer, careercenter): “Teamentwicklungs-Trainings für Führungskräfte sind mit spezifisch entwickelten Aufgaben aus der Branche konzipiert. Die Aufarbeitung und Reflexion nehmen extrem viel Zeit in Anspruch und sind Schwerpunkte des Seminars. Für Lehrlinge steht die Durchführung der Übung im Vordergrund. Sie lernen im konkreten gemeinsamen Tun und Handeln. Die Reflexion darf nicht zu stark in die Tiefe gehen, viele Jugendliche wären sonst wegen der fehlenden Arbeitserfahrung überfordert. Besser ist es, die Art und Weise der Übungen mehrmals zu wiederholen, kleine Veränderungsschritte zu planen und noch während des Trainings im geschützten Rahmen auszuprobieren. Eine Führungskraft sollte in der Lage sein, die Erkenntnisse aus der Übung und Reflexion von sich aus auf den Joballtag umzulegen.“

Günter Rattay (Geschäftsführer, Primas Consulting): “Jugendliche wollen genau so wie Führungskräfte anerkannt und gehört werden. Auch bei den Jugendlichen gibt es talentierte Teamworker und Einzelkämpfer, die nicht automatisch miteinander harmonieren. Das zu erkennen und dafür geeignete Entwicklungsmaßnahmen abzuleiten, ist ein wichtiger Aspekt!”

DI Gernot Stöger, MC (Geschäftsleitung, Solution Management Center): “Lehrlinge sind Teammitglieder, Führungskräfte haben zusätzlich die Aufgabe, Teams zu entwickeln und damit die Plattform für gelungene Teamarbeit zu bilden. Dabei geht es zusätzlich zur sozialen Kompetenz um die Fähigkeiten, Teamprozesse zu moderieren und zu strukturieren. Wichtig ist es, das generelle Bewusstsein zu schaffen, dass mit einer gelungenen Teamentwicklung eine positive Veränderung im Alltag erreicht wird, die eine Qualitätssteigerung der Teamergebnisse bedeutet. Das zu ermöglichen, liegt in der Verantwortung der Führungskraft.”

Aufgrund des unterschiedlichen Alters und des damit einhergehenden Entwicklungsstadiums und Erfahrungsschatzes dieser beiden Zielgruppen, müssen sowohl Sprache, Herangehensweise, Inhalt als auch angestrebter Output variieren.

 

Trend

Bis vor etwa 2-3 Jahren wurden viele Teamevents, Teamincentives, Teamreisen und Fun-outdoor-Events veranstaltet, die als Belohnung oder “nur zum Spaß haben” durchgeführt werden. Heute existieren Events mit reinem Incentive-Charakter kaum noch. Was nicht bedeutet, dass Training keinen Spaß machen soll. Die Outdoor-Elemente spielen nach wie vor eine Rolle bei Trainings mit einem guten Methodenmix. Ein gut ausgebildeter Trainer bietet einen Mix an Methoden an, wozu auch erlebnispädagogische Übungen zählen. Günther Mathé bestätigt: “Reine Outdoor-Trainings wie der Besuch von Hochseilparcours oder Rafting werden im Trainingsbereich nicht mehr so häufig eingesetzt wie z. B. vor fünf bis zehn Jahren. Der Kick- und Wow-Effekt der Outdoor-Trainings ist hauptsächlich beim ersten Mal vorhanden. Erlebniswochenenden mit Outdoor-Aktivitäten wie Canyoning, Raften oder Hochseilgärten wurden in den letzten Jahren sehr stark und erfolgreich vermarktet und von Privatpersonen und Familien angenommen. Wurde eine Übung bereits just for fun durchgeführt, ist es schwierig, das noch mal auf einer anderen – tiefgründigeren – Ebene zu detaillierten Reflexionszwecken durchzuführen. Viele Auftraggeber haben auch erkannt, dass extreme Erlebnisse nicht zwangsläufig extrem erfolgreiche Ergebnisse liefern. Erlebnispädagogik mit Hand, Herz und Hirn (‘Outdoor light’ von uns benannt) wird bei unseren Kunden immer beliebter. Erlebnisorientierte Übungen – wie sie bereits von Klaus Antons (Praxis der Gruppendynamik) vor 30 Jahren vorgestellt wurden – sind mit der richtigen Reflexion und konkreten Transfermethoden für das Unternehmen genau das Richtige, um die Zusammenarbeit im Team nicht in der Theorie zu lernen, sondern über das konkrete gemeinsame Tun.” Der Trend geht weg vom klassischen Single-Trainingsansatz hin zur prozesshaften Herangehensweise und Berücksichtigung der beeinflussenden Faktoren wie: Zielsetzungen des Teams, Organisationsumfeld, Organisationsstruktur und -strategie, Gruppendynamik und Teamrollen sowie individuelle Persönlichkeiten.

 

Welche Trends sehen Sie darüber hinaus?

Gernot Stöger: “Meiner Meinung nach geht der Trend weg von spielerischen und gruppendynamischen Trainings hin zu sehr praxis- und nutzenorientierten kompakten Designs, die in kurzer Zeit ein unmittelbar im Team umsetzbares Wissen vermitteln. Das bedeutet auch die Notwendigkeit von maßgeschneiderten firmeninternen Teamtrainingsprogrammen und einer sauberen Diagnose, wo man das Team abholen muss.”

Yvonne van Dyck (Geschäftsführerin, id‘ institute consulting): “Ein Unternehmen ist ein lebendiger Organismus. Jedes Team ist wie eine Stammzelle, in der alle Information und alles Potenzial vorhanden ist. Jede Stammzelle kann zum Herz, zur Leber, zur Lunge usw. werden. Alle Organe stehen miteinander in Verbindung. Deshalb ist es für Teams wichtig, zu wissen: Welche Funktion übernehmen wir? Welche konkreten Verantwortlichkeiten und Aufgaben haben wir? Was sind diesbezüglich unsere Ziele? Was sind unsere Verantwortlichkeiten? Mit welchen ‘Organen’ stehen wir in Verbindung? Wie kommt die Information zur richtigen Zeit an die richtigen Stellen? Wie überprüfen wir, ob wir diese Funktion erfüllen? Wie können wir die Eleganz der Teams immer weiter optimieren. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir Teams isoliert sehen konnten. Man könnte sagen: Die Zeit der reinen Reparaturmedizin im Teamtraining ist vorbei. Die Zeit der reinen esoterischen Allheilsmethoden ist vorbei. Es geht um ganzheitliches Lernen von Teams und Organisationen.”

Gunhard Keil (Geschäftsführer, 5p consulting): “Die Trends liegen eindeutig in der Anwendungsorientierung und in dem Bewusstsein, dass Teamkompetenzen und vor allem kontinuierliche Verbesserungsprozesse ähnlich wie in Produktionseinheiten längst üblich, forciert gefordert werden. Durch immer raschere Veränderungen wird Lernfähigkeit und Veränderungswilligkeit nicht nur bei Einzelpersonen sondern auch in Teams zunehmend wichtiger. Das bedeutet, dass Unternehmen in Zukunft auch darauf achten müssen, Organisationseinheiten fraktaler aufzustellen.”

Der Trend geht leider auch dahin, dass als Veranstaltungsort vermehrt das eigene Unternehmen gewählt wird, um Übernachtungskosten zu sparen. Der positive Effekt, der große Mehrwert, den die Entfernung zum Unternehmen bringt, wird unterschätzt. Der Mehrwert einer anderen Umgebung ist das leichtere Verlassen eingefahrener Muster, das freiere Denken, das Erleichtern von neuen Gedankenwegen.

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