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Kommt die Pressearbeit 2.0?

Marketing 2.0 – so heißt aktuell ein neues Zauberwort nicht nur in der Werbebranche. Und die Social Media erleben zur Zeit einen regelrechten Hype. Auch wenn es um Employer Branding geht – speziell wenn junge und sehr junge Mitarbeiter angesprochen werden sollen.

Wer „up-to-date“ sein möchte, muss in Social Networks wie XING und LinkedIn vertreten sein – das behaupten die Dienstleister, die in diesen Business-Communities mehr als ein „Schläfer-Dasein“ führen. Und als ebenso selbstverständlich erachten es mittlerweile viele, zu twittern und mit Kurzfilmen in Youtube vertreten zu sein. Denn für sie steht fest: Diesen Medien gehört, wenn es ums Thema Marketing geht, die Zukunft.

Der Hype um die Social Media hat auch die Gilde der PR-Berater und -Unterstützer erfasst. Entsprechend viele Seminare zu Themen wie PR 2.0 werden inzwischen angeboten – oft von denselben Anbietern, die noch vor drei, vier Jahren in Firmen-Blogs das Medium der Zukunft sahen. In diesen Seminaren wird als ein zentraler Vorteil der Social Media genannt, dass in diesen Mitmach-Medien sozusagen jeder zum Autor werden kann. Das heißt, anders als bei den klassischen Medien muss bei Veröffentlichungen dort nicht mehr zunächst der Türwächter Redakteur passiert werden, der prüft: Ist der Text gut geschrieben und für die Leser meines Magazins interessant?


PR- und Kommunikationsmüll überwiegt

Entsprechend sind die meisten Texte, die in den Social Media publiziert werden: schlecht geschrieben und inhaltlich weitgehend uninteressant. Sie haben eine ähnlich schlechte Qualität, wie die meisten Pressemitteilungen, die auf den PR-Portalen publiziert werden, auf denen jeder kostenfrei Pressemitteilungen veröffentlichen kann. Mit diesen Meldungen kann man zwar die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Unternehmen gefunden wird, wenn eine Person einen bestimmten Suchbegriff bei Google eingibt. Kein Mensch käme aber auf die Idee, die Website dieser PR-Portale aufzusuchen, um die dort veröffentlichten Meldungen zu lesen. Denn jeder weiß: Auf ihnen steht weitgehend nur PR-Müll, der primär der Selbstbeweihräucherung von Unternehmen und deren Produkten dient.

Und hier liegt das Problem mit den meisten Texten, die in Internetforen veröffentlicht und über solche Plattformen wie Twitter verbreitet werden. Sie laufen einer zentralen Intention zuwider, die Sie mit Ihrer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verfolgen: Sie wollen sich hiermit einen Ruf als „Spezialist für …“ aufbauen. Sie wollen sich sozusagen einen Namen als „Qualitätsanbieter“ machen. Also sollten auch Ihre Publikationen eine gewisse Wertigkeit ausstrahlen. Sonst erzielen Sie bei Ihren Zielkunden die gewünschte Wirkung nicht.


Beiträge in Foren sind keine Publikationen

Veröffentlichungen in Blogs und Foren haben diese Wertigkeit nicht. Sie sind zumindest für die meisten Business-Kunden keine Publikationen im klassischen Sinne, sondern individuelle Meinungsäußerungen. Entsprechend kritisch distanziert stehen sie den dort veröffentlichten Texten gegenüber.

Wie genau Personen zwischen den verschiedenen Publikationskanälen differenzieren, das merkt man als PR-Unterstützer immer wieder.

Das sei an einem Beispiel illustriert:

Angenommen einem PR-Unterstützer gelingt es, dass eine Zeitschrift einen Artikel eines seiner Kunden auf ihrer Webseite publiziert. Dann kann der PR-Unterstützer fast sicher sein, dass sein Kunde, wenn er ihm stolz von der Veröffentlichung berichtet, so etwas erwidert wie: „Schade, dass es nur eine Online-Veröffentlichung ist“. Das heißt, für den Kunden ist die Online-Veröffentlichung weniger wert als eine Print-Veröffentlichung. Dieselbe Reaktion, wie der PR-Kunde selbst, zeigen auch dessen Kunden: Auch in ihren Augen sind Online-Veröffentlichungen weniger wert als Veröffentlichungen in Printmedien.


Gastautor: Bernhard Kuntz ist Inhaber der Marketing- und PR-Agentur Die ProfilBerater GmbH (Darmstadt, D), die Dienstleister und ähnliche Spezialisten beim Vermarkten ihrer Leistungen unterstützt. Im September erschien sein neustes Buch „Mit PR auf Kundenfang: Pressearbeit für Einzelkämpfer, Dienstleister und beratende Berufe“ (Verlag BusinessVillage, 2010). Nähere Infos: http://www.die-profilberater.de

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6 Kommentrare

  1. Benjamin Winde am

    Ich schätze Veröffentlichungen in Online-Medien höher als in Printmedien, da die Verbreitung weit höher ist und via Google bleibe diese Beiträge langfristig verfügbar und auffindbar. Magazine oder gar Tageszeitungen haben hier einen klaren Nachteil!

  2. Erdbeere am

    Ja, in Online-Medien ist es – v.a. in den Kommentaren und Blogs – leicht, seine Meinung zu hinterlassen, gleichgültig wie qualifiziert diese ist. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Artikel sehr wohl einer redaktionellen Kontrolle unterliegen – zumindest in jenem Maße in dem es auch in Printmedien der Fall ist.

  3. Eva Selan am

    Werte User, ich darf Ihnen versichern, dass unsere Artikel auf HRweb natürlich einer redaktionellen Qualitätskontrolle unterliegen. Den Artikel „Pressearbeit 2.0“ wollten wir ganz bewusst in diesem Medium erscheinen lassen, auch wenn ich persönlich lieber hören würde „Online ist das beste was es gibt“, doch unterschiedliche Meinungen sind uns wichtig und Inhalte werden nicht ausgeblendet, weil sie das HRweb nicht ins Zentrum stellen.
    Ich danke für das Feedback!

    Liebe Grüße
    Eva Selan (Geschäftsführerin, HRweb)

  4. MaBau am

    Wer garantiert, dass Printmedien mehr redaktionelle Sorgfalt walten lassen hinsichtlich Artikel als Online-Medien? Ich halte das für Aberglauben.

  5. Alexander Karp am

    „… für den Kunden ist die Online-Veröffentlichung weniger wert als eine Print-Veröffentlichung …“ Ich glaube nicht, dass man das so pauschal behaupten kann. Es gibt auch genügend Printmedien, die nicht mal das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt werden. UND: Qualität wird sich immer durchsetzen, sowohl bei Online-Medien als auch bei Printmedien.

  6. Bernhard Kuntz am

    Hallo liebe Kommentaren meines Artikels,

    mein Artikel hat anscheinend aufgrund der Komprimiertheit und Kürze einige Missverständnisse produziert. Zur Klarstellung: Auch aus meiner Warte gewinnt die Online-PR für die Vermarktung nicht nur von Trainern und Beratern eine immer größere Bedeutung. Zumindest für das „Gefunden-werden“ werden Publikationen in den Online-Medien immer wichtiger.

    Bei der Online-PR gilt es jedoch zwischen Publikationen in redaktionellen Online-Portalen wie Hrweb.at, die letztlich ähnlich wie Printredaktionen agieren, und solchen in Portalen, auf denen jeder ungeprüft allen möglichen PR-Müll publizieren kann, zu unterscheiden. Veröffentlichungen auf solchen redaktionellen Portalen wie Hrweb.at haben zudem aus „ User-Sicht“ eine andere Wertigkeit als Meldungen, die beispielsweise via Facebook oder in „privaten Blogs verbreitet werden – gerade weil dahinter eine Redaktion steht.

    Alle vorgenannten Medien haben ihre Berechtigung. Sie haben jedoch einen unterschiedlichen Charakter. Deshalb gilt es bei ihrer Nutzung ganz klar danach zu differenzieren: Was will und was kann ich mit ihnen erreichen?

    Mit freundlichen Grüßen, Bernhard Kuntz

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