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Social Recruiting – reiner Hokus Pokus?

Die Rekrutierung neuer Mitarbeiter über soziale Medien – auch Social Recruiting genannt – ist derzeit noch so etwas wie der Novembernebel: trüb und undurchsichtig. Jeder will darüber reden, jeder will wissen, wie es funktioniert – mit der Hoffnung, dass es mehr ist, als ein Recruitment-Zaubertrick.

Social Recruiting bedeutet auf jeden Fall eine Änderung der klassischen Rekrutierungs-Spielregeln, aber nur, wenn auch alle Teile Ihrer Recruting-Strategie darin Platz haben. Was macht es für einen Sinn, die spannendste, flammenste und großartigste Facebook-, Twitter-, oder YouTube-Kampagne zur Ansprache von passenden Kandidaten zu fahren, nur weil Ihre Werbeagentur es für gut hält?

Wenn Sie Social Media für Ihr Recruiting in Betracht ziehen, müssen Sie auch das gesamte Social Media Konzept – Dialog, Kommunikation, Transparenz, Direktheit und Markenstrategie – im Hinterkopf behalten. Um Ihre Social Recruiting Strategie erfolgreich umsetzen zu können, ist es daher sinnvoll, sich das Commitment der Kollegen und Abteilungen einzuholen, die von Ihren Social Media Bestrebungen betroffen sein könnten.

Wen Sie in Ihre Social Recruiting Strategie mit einbeziehen sollten:

  • Recruiting ist üblicherweise eine Aufgabe der Personalabteilung, Social Recruiting sollte demnach auch von dieser gesteuert werden.
  • IT: Die IT-Abteilung ist verantwortlich für das Firmennetzwerk und daher auch für das Aktivieren von Facebook, Twitter oder Xing.
  • PR: Die Erfahrung der PR-Abteilung kann helfen, Ihre Informationen ordnungsgemäß, gezielt und mit dem richtigen Wording nach außen zu transportieren. 
Marketing: Ein wichtiger Partner für Social Media ist Ihre Marketing Abteilung, die sich um das Personalmarketing und ein markenkonformes Auftreten kümmern sollte.
  • Sales: Es ist gar nicht so schlecht, deren Inputs einzuholen, immerhin profitiert der Vertrieb (und somit auch das Unternehmen) ebenfalls von der Social Media Nutzung.
  • Rechtsabteilung: Es mag womöglich etwas ungewöhnlich klingen, aber ziehen Sie die Rechtsabteilung in Ihre Social Recruiting Aktivitäten mit ein. Denn in Zeiten einer sich laufend verändernden sozialen Landschaft kann guter rechtlicher Rat schon mal teuer werden.
  • Mitarbeiter: Jeder einzelne Mitarbeiter sollte aufgefordert sein, positiv über seine Erfahrungen im Unternehmen im Social Web zu berichten.

Und was ist mit den Führungskräften?

Wichtig ist natürlich, dass Sie das Einverständnis der Führungsetage für Ihre Social Recruiting Aktivitäten haben – aber noch mehr, dass diese leidenschaftlich an das Projekt herangehen und die verschiedenen Abteilungen und Interessensgruppen motivieren, aktiv teilzuhaben.

Social Media bedeutet Zusammenarbeit und Kommunikation – und das größte Hindernis in vielen Unternehmen ist nun mal die Kommunikation.

Social Recruiting erfordert symbiotische Beziehungen

Die Erfahrung zeigt: Unternehmen wollen, dass Social Recruiting funktioniert, scheitern allerdings an der Umsetzung. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Strategie liegt in einer symbiotischen Beziehung. Jegliche Social Media Interaktionen werden im Sand verlaufen, wenn Sie nicht auf das Engagement Ihrer Fans und Followers, Ihrer Leser und Community zurückgreifen können.
Sie können also die Online-Welt mit Content füttern, aber wenn dieser Ihre Community nicht anspricht, wird niemand darauf reflektieren – sei es durch Kommentare, durch Weitersagen, durch Interaktion oder eine Bewerbung – und Ihre Strategie war ganz einfach: Umsonst!

Umgekehrt gesehen, wenn Sie Ihre potenziellen Bewerber nicht mit relevanten Informationen füttern, beschleunigen Sie Ihr Social Media Aussterben selbst und Ihre Community wird sich die Informationen anderweitig besorgen.

Eine symbiotische Beziehung bedeutet, dass beide Parteien einander brauchen, um zu überleben. Und Social Recruiting ist das beste Beispiel dafür!

Wenn Sie Ihre Social Recruiting Strategie erstellen, sollten Sie immer darauf achten, dass die Informationen, die Sie rausgeben, den Bedürfnissen Ihrer potenziellen Bewerber entsprechen und diese zur (Inter-)Aktion anregen. Das fördert die Zwei-Weg-Kommunikation, die Sie für eine erfolgreiche Umsetzung brauchen.

Da immer mehr Unternehmen den (notwendigen) Schritt in Richtung Social Media und Social Recruiting machen (wollen), ist wichtig zu begreifen, dass der Weg dorthin entscheidend ist. Natürlich können Sie das Medium verwenden, um Ihre Jobangebote, Ihre Informationen und News raus zu posaunen – aber das ist nicht Social Recruiting. Social Recruiting heißt zu verstehen, was Ihre Follower, Fans, Leser und Bewerber wollen und zu lernen, effizient mit ihnen in Kontakt zu treten.

Wenn Sie Social Recruiting nicht mit einem symbiotischen Ansatz sehen, gaukeln Sie sich selbst etwas vor und: Das mit dem Hokus Pokus ist dann gar nicht mehr weit hergeholt!


Gastautorin: Barbara Mistlberger ist ausgebildete Journalistin, Expertin für HR-Themen und bei Fokus Marketing zuständig für Content Marketing, PR und Social Media.

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4 Kommentrare

  1. benjamin am

    Es ist leider einfacher gesagt als getan, dass viele Abteilungen zuständig sind, um Recruiting via Social Media umzusetzen.
    Ich persönlich, als Recruiter, finde es schwierig, diese Abteilungen davon zu überzeugen, dass sie ihre Zeit für Recruiting verwenden, denn das ist – so sagen sie und das stimmt natürlich auch – meine Aufgabe.
    Ich denke, entscheidend ist hier im Artikel der Hinweis, bei den Führungskräften, v.a. bei der Unternehmensführung anzusetzen. Mal sehen, ob ich auf diesem Weg weiter komme!

  2. MaBau am

    Es geht mir ähnlich, ich bin in einer KMU zuständig für Recuriting und die Notwendigkeit, sich in Social Media zu engagieren, tja, die steckt in dem von Ihnen erwähnten November-Nebel 😉
    Maren

  3. Barbara Mistlberger am

    Es ist bestimmt auch deswegen schwierig, weil jeder die Verantwortung für (Social-)Recruiting an den nächsten abgeben will – wie in Ihrem Fall an Sie direkt. Social Recruiting ist allerdings nicht einfach nur der Akt des Rekrutierens sondern viel mehr eine interaktive Form des Personal Marketing. Vielleicht lässt sich die Geschäftsführer eher davon überzeugen, wenn Sie es als wichtige Marketingmaßnahme verkaufen?
    Mehr zu Social Recruiting von meiner Seite gibt’s in den nächsten Tagen/Wochen auf http://www.hrweb.at

  4. persolog am

    Die Zahlen für den Nutzen von Recruiting über Social Media sprechen doch für sich: Nur acht Prozent der Hochschulabsoventen nutzen Social Media Angebote überhaupt, um sich über potenzielle Arbeitgeber zu informieren. Nach all dem Hype um Social Media als das Recruiting-Tool der Zukunft ein eher ernüchterndes Ergebnis. Für die Studie hatte Kienbaum Communications immerhin 1.155 Studenten, Absolventen und Young Professionals unterschiedlicher Fachrichtungen befragt.
    (Quelle: http://kienbaumcommunications.wordpress.com/2010/08/31/employer-branding-und-personalmarketing-in-social-media-was-sagt-die-zielgruppe-teil-ii/)

    Die Zielgruppe der Social Media Relations der Unternehmen übt sich also noch in Zurückhaltung. Sie bevorzugen weiterhin Printanzeigen, Online-Stellenbörsen und Ausschreibungen auf den Unternehmensseiten.

    Mit besseren Zahlen wartet der „Trend Report Online Recruiting Schweiz 2010“ auf. Bei einer deutlich geringeren Grundgesamtheit von 312 Befragte gaben 18,9 Prozent an Social Networks für die Stellensuche zu nutzen.
    (Quelle: http://kienbaumcommunications.wordpress.com/2010/08/31/employer-branding-und-personalmarketing-in-social-media-was-sagt-die-zielgruppe-teil-ii/)

    Die Ursachen für die Zurückhaltung sind vielfältig. Von der Angst vor dem Zugriff der Unternehmen auf die eigenen Profile, über die Unkenntnis im Umgang mit Web 2.0 Anwendungen und die Ablehnung von der Vermengung von Privatem und Geschäftlichem bis hin zur allgemeinen Grundskepsis gegenüber Unternehmen im Web 2.0.

    Und trotzdem: Unternehmen sollten weiterhin auf Social Media als Kommunikationskanal für Recruiting setzen, denn die Akzeptanz wird gerade mit der Dauer der Angebote steigen.

    Recruting-Verantwortlichen empfehle ich sich mit der PR-Abteilung des Unternehmens zu verzahnen, da diese Web 2.0 auch auf dem Schirm haben (müssen). Die Kommunikation sollte hier aus einer Hand kommen. Stellenausschreibungen können daher nur als Teil des Employer Branding im Web 2.0 funktionieren und müssen daher ins Gesamtkonzept zielführend integriert werden.

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