HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Mit dem APFEL neue Ideen entwickeln

Nicht schon wieder „brainstormen“ – das denken Mitarbeiter oft, wenn sie sich zur Ideensuche treffen. Denn sie wissen aus Erfahrung: So kommen wir nicht auf wirklich neue Ideen. Warum also nicht mal ein anderes Vorgehen wählen? Das kostet nichts und bringt oft viel.

Was tun Unternehmen meist, um neue Ideen zu entwickeln? Sie bilden eine Arbeitsgruppe und diese trifft sich zu einem Brainstorming, bei dem die oberste Regel lautet: Es gibt keine (Denk-)Vorgaben. Dann geht’s los. Und sozusagen auf Knopfdruck sprudeln die tollen, neuen Ideen

Sieht so die Realität aus? Nein! Meist erleuchten bei solchen Meetings keine Geistesblitze den Raum. In der Regel glimmen nur kleine Funken. Doch wie kann man stattdessen vorgehen? Im Unternehmensalltag hat sich eine Reihe von Techniken jenseits von „Lass’ uns mal brainstormen“ bewährt. Merken Sie sich das Stichwort APFEL – eine Eselsbrücke, die verschiedene Kreativtechniken zusammenfasst

  • Assoziationen – die Basistechnik der kreativen Themenfindung,
  • Perspektivenwechsel – das Ideenfinden durch ein Wechseln der Rolle,
  • Fragetechniken wie die „Unbekannt“-Fragen,
  • Ebenenwechsel – die Kunst, Fragestellungen zu abstrahieren und danach wieder zu konkretisieren,
  • Lotteriemethode – die Ideenfindung mit Hilfe zufälliger Inspirationen.

Mit dem APFEL im Kopf können Sie den Prozess der Ideenfindung in einer Gruppe gut steuern. Und das Raffinierte daran ist: Sie können die Techniken kombinieren. Sie können zum Beispiel erst Assoziationen entwickeln und dann Fragen zu den Assoziationen stellen. Oder erst Assoziationen bilden und dann die Ebene wechseln. Oder aus verschiedenen Perspektiven Fragen bilden.


Assoziationen wecken

Saugen Sie zu Beginn die naheliegenden Einfälle ab. Starten Sie mit der banalsten aller Fragen: „Hat jemand Ideen für …?“ Lassen Sie die Teilnehmer zwei, drei Minuten lang alles aufschreiben, was ihnen zur vorgegebenen Fragestellung einfällt. Sammeln Sie danach die Stichworte in Form eines Mindmap auf einem Flipchart. Oder noch besser: Hängen Sie leere Flipchartbogen an die Wand und fordern Sie die Teilnehmer zum Schreiben auf. Silent Thinking heißt diese Methode. Sie ist wunderbar! Denn alle sind zunächst ruhig und denken nach. Das bringt meist mehr, als wild drauflos zu plappern. Die so gewonnenen Assoziationen und ersten Ideen bilden eine gute Ausgangsbasis für die weitere Ideenfindung.


Einen Perspektivenwechsel vornehmen

Versetzen Sie die Teilnehmer in neue, ungewohnte Rollen. Fragen Sie nicht allgemein: „Was fällt Ihnen zum Thema ein?“ Vergeben Sie stattdessen Rollen – entweder naheliegende wie:

  • „Sie sind ein frustrierter Kunde. Was denken Sie zum Thema?“ Oder:
  • „Sie sind der Innovationschef unseres Mitbewerbers. Welche Gedanken haben Sie?“

Oder ausgefallene:

  • „Sie sind der Redakteur der Zeitschrift …. Wie sieht die Seite 1 Ihres Magazins zum Thema aus?“
  • „Sie sind ein Comedian und machen einen Gag über das Thema. Welchen?“

Solche Rollenwechsel führen zu neuen Sichtweisen und somit Ideen. Und vergessen Sie nicht den Perspektivenwechsel mit anderen Kreativtechniken zu kombinieren! Betrachten Sie zum Beispiel die Assoziationen aus verschiedenen Perspektiven.


Mit Fragen das unbekannte Terrain erkunden

Eine wirkungsvolle Kreativtechnik ist das Stellen von „Unbekannt“-Fragen. Fordern Sie Ihre Mitdenker zum Beispiel auf, in fünf Minuten alles aufzuschreiben, was sie NICHT über das Thema wissen – in Frageform. Vielleicht verbergen sich dahinter genau die Knackpunkte, die der Lösung Ihres Problems im Wege stehen. Auch hier gilt: Kombinieren Sie das Beantworten von Unbekannt-Fragen mit anderen Kreativtechniken – zum Beispiel dem Perspektivwechsel. Fragen Sie zum Beispiel: „Was weiß ein Techniker nicht über dieses Thema?“ Oder: „Welche Fragen stellt sich die Mutter eines dreijährigen Kindes, wenn Sie …?“


Die Ebene der Betrachtung wechseln

Beim Ebenenwechsel geht es darum, schnell von der konkreten auf die abstrakte Ebene und wieder zurück zu wechseln. Ein Beispiel: Sie suchen neue Anwendungen für Ihre Projektmanagement-Software, um sich neue Kundengruppen zu erschließen. Wenn Sie wissen wollen, wozu die Software mit geringen Anpassungen noch genutzt werden könnte, wechseln Sie zunächst auf die abstrakte Ebene: „Eine Projektmanagementsoftware hilft Menschen, komplexe Aufgaben zu strukturieren.“ Danach wechseln Sie wieder zurück auf die konkrete Ebene: „Was kann oder muss man außer Projekten noch strukturieren?“ So kann aus einer Projektmanagementsoftware zum Beispiel eine Software zum Strukturieren von Meinungsbildungsprozessen oder Planen von Großveranstaltungen werden.

Stellen Sie sich einfach vor, jemand kommt zufällig vorbei, sieht Ihre Lösung und sagt: „Wow! Genau das brauche ich.“ Wer könnte dies sein und wie lautet sein „Problem“?


Inspirationslotto spielen

Inspirationslotto – eine total verrückte Methode, die viel Spaß macht und oft zu ausgefallenen Ideen führt. Teilen Sie die Gruppe in Zweierteams auf. Werfen Sie dann wahllos Begriffe in den Raum: „Bergbahn“, „Pförtner“, „Ananassaft!“. Die Teams sollen anschließend binnen sechzig Sekunden zum Beispiel eine Idee für eine Marketingkampagne generieren, die im weitesten Sinne etwas mit der Ausgangsfrage und der Zufallsinspiration zu tun hat.


Probieren Sie diese Methode doch einfach mal aus. Zum Beispiel zwischendurch, wenn scheinbar nichts mehr geht. Danach herrscht im Raum wieder eine lockere, heitere Stimmung und die Ideen fließen.


Gastautor: Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Ideeologen – Gesellschaft für neue Ideen GmbH, Baden-Baden (Tel.: 0700/4333-6783; meyer@ideeologen.de), und hat an der Handelshochschule Leipzig einen Lehrauftrag für „Corporate Creativity“.

Hinweis: Im September 2010 erschien im Verlag BusinessVillage das neue Buch „Kreativ trotz Krawatte – Vom Manager zum Katalysator: Wie Sie eine Innovationskultur aufbauen“ von Jens-Uwe Meyer.

teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.