HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Datenschutz – na und?

Die Krankenunterlagen von Lidl Mitarbeitern werden im Mülleimer einer Waschstraße in Bochum gefunden, die Deutsche Bahn bespitzelt den Emailverkehr ihrer Gewerkschaftsvertreter während eines Lokführerstreiks und die österreichische Bundesbahn erfasste Krankendiagnose-Daten ihrer Mitarbeiter. Daimler, Airbus, Deutsche Telekom, Schlecker – die Liste jener Unternehmen die es mit dem Datenschutz, inbesondere Ihrer Mitarbeiter oder Kunden, nicht so genau nehmen und Datenschutzverstöße immer noch als Kavaliersdelikt sehen, ist lang.

Das Grundrecht des Datenschutzes sieht eine Achtung des Privat- und Familienlebens jedes Einzelnen sowie die Geheimhaltung der ihn betreffenden personenbezogenen Daten vor. Generell ist Datenverarbeitung grundsätzlich verboten! Doch was hilft all das, wenn sich niemand daran hält oder Sanktionen ein Schulterzucken kosten.

Bekenntnisse eines Schulterzuckers

Der Geschäftsführer der ÖBB Dienstleistungsgesellschaft, der nach Urgenz durch den ÖBB Betriebsrat beauftragt wurde der Causa nachzugehen, rechtfertigte seine Erstaussage „An der Sache ist nichts dran“ damit, dass der Aufsichtsrat einen raschen Bericht wollte und er unter großem Zeitdruck stand! Dass sensible personenbezogene Daten nicht verarbeitet werden dürfen, scheint bei der ÖBB niemanden interessiert zu haben. Unternehmen wie Google oder Facebook dürften ebenfalls dieser Meinung sein.

Viele Unternehmen kommen aufgrund der unangenehmen Vorfälle zum Thema Datenschutz gehörig unter Druck. Neben mündigen Mitarbeitern und Kunden interessieren sich die Medien verstärkt für das Thema. Auch vor der Republik Österreich macht diese Bewegung nicht halt. Im Oktober 2010 hat die EU-Kommission beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) Klage gegen die Republik Österreich erhoben. Aus Sicht der EU-Kommission sei in Österreich die Datenschutzrichtlinie aus dem Jahr 1995 mangelhaft umgesetzt.

 

Datenschutz – ein zahnloser Zimmertiger?

Noch immer wird gegen Datenschutzverstösse von seiten der Behörden wenig bis gar nichts unternommen. Dieser Umstand bestätigt viele Unternehmen darin, sich mit dem Thema Datenschutz nicht auseinander zu setzen oder die im Gesetz geforderten Maßnahmen umzusetzen. Datenverarbeitung oder Übermittling ist generell verboten und nur in bestimmten Ausnahmen erlaubt. Hierzu zählen

  • gesetzliche Erfordernisse,
  • lebenswichtige Interessen oder aber
  • die Zustimmung des Betroffenen liegt vor.

Dementsprechend sind alle Excelauswertungen, die in österreichischen Unternehmen ohne diese Ausnahmen täglich erstellt oder auch an den amerikanischen Mutterkonzern weitergeleitet werden, als Verstoss gegen das Datenschutzgesetz zu werten. Die Datenschutzkommision (DSK) ist heillos überfordert und mit tausenden Datenverarbeitungsmeldungen im Rückstand. Vielleicht wäre es auch an der Zeit, das Personal bei der österreichischen Datenschutzkommision aufzustocken damit das Thema kein zahnloser Zimmertiger bleibt? Die österreichische DSK verfügt nur über halb soviel Personal wie andere Kontrollstellen in EU Mitgliedstaaten (Quelle: Datenschutzbericht 2009 der DSK).

 

Der gläserne Mensch und seine Feinde

Internet und Co. bescheren dem Datenschutzgedanken aufgrund seiner fast unbegrenzten Möglichkeiten ein schier unendliches Betätigungsfeld. Hat sich die Datenschutzkommision 1995 noch mit dem Themen Lauschangriff und Rasterfahnung auseinandergesetzt, so sind es heute Themen wie Google Streetview oder Whistleblowing (ein Hinweisgeber, der Missstände, illegales Handeln – z. B.  Korruption oder Insiderhandel – oder allgemeine Gefahren, von denen er an seinem Arbeitsplatz erfährt, aufzeigt). Quelle: Wikipedia).

Durch die Nutzung von Facebook, Twitter und MySpace sind wir zu gläsernen Menschen geworden. Meist unbewusst aber durchaus gewollt geben wir über diese Medien persönliche Daten weiter, die für viele einsehbar sind. Manche Nutzer lassen die Umwelt zu jeder Stunde wissen, was sie gerade tun oder wo sie sich aufhalten. Dass dies auch potentiell kriminelles Klientel anzieht, interessiert niemanden. Die Freizügigkeit, mit der viele User in den Social-Media-Kanälen agieren, ist keine Rechtfertigung für Unternehmen, auch auf beruflicher Ebene die gläserne-Mensch-Strategie fortzusetzen. Der Unterschied liegt in der Freiwilligkeit – aus eigenen Stücken die Privatsphäre aufzugeben ist die eine Seite, es aufgezwungen zu bekommen, widerstrebt dem Datenschutz.

Personalabteilungen sind naturgemäß jene Bereiche, die am meisten personenbezogene Daten verarbeiten und speichern. Hier müssen die Erfordernisse des Datenschutzes unbedingt angewandt werden. D.h.

  • strikter Zugang und Umgang mit den Daten durch Regelungen,
  • Meldung der nicht durch Gesetze gedeckten Verarbeitungen (elektronische Leistungsbeurteilungen, Personalinformationssysteme, Konzernauswertungen, etc.) sowie
  • eine penible Schulung der Mitarbeiter.

Mit diesen wenigen Punkten läßt sich für jedes Unternehmen sicherstellen, seinen Namen in Zusammnenhang mit Datenschutzverletzungen aus unangenehmen Medienberichten heraus zu halten!

teilen

5 Kommentrare

  1. Gerd Beidernikl am

    Danke für den kritischen – und wie ich meine – absolut aktuellen Beitrag. Aus meiner Sicht werden Datenschutzthemen viel zu häufig aus mangelnder Kenntnis heraus misachtet.

    Das setzt für mich auf zwei wesentlichen Ebenen an die man wohl unabhängig voneinander betrachten muss:
    – Kinder/Jugendliche: Hier sollte wohl schon in der Schulzeit das Thema Internet und Datenschutz behandelt werden.
    – Mitarbeiter/Führungskräfte: Für mich sollte Datenschutz ein Eckpunkt jeder Führungskräfteausbildung sein um Unwissenheit nicht zur Entschuldigung machen zu können.

  2. Erdbeere am

    Der Gedanke ist gut, Herr Beidernikl, Datenschutz in die Führungskräfte-Ausbildung aufzunehmen, doch wer bietet das an? Hat jemand bereits Erfahrungen mit Ausbildungen in dieser Richtung gemacht?
    Grüße aus dem Erdbeerland 🙂

  3. Claudia Bergner am

    ARS sowie der Leaders Circle bieten sehr gute Trainings zum Thema Datenschutz an!

  4. MaBau am

    Danke, diese Frage ist mir ebenfalls auf der Zunge gelegen, mal sehen was diese Institute zu diesem Thema so anbieten!
    Bg, Maren Bauer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.