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Erfolgreicher Innovations-Workshop

In Innovationsworkshops werden oft Berge von Ideen gesammelt. Diese haben häufig ein Manko: Sie sind entweder nicht wirklich neu oder nicht umsetzbar. Eine Ursache hierfür: Die Ideensuche verläuft unstrukturiert und im Workshop sitzen die falschen Personen.

Oft sitzen die Workshop-Teilnehmer zusammen und nichts geschieht: Der Ideenstrom ist ein dünnes Rinnsal. Denn für eine erfolgreiche Ideensuche sind die Rahmenbedingungen entscheidend.


Erfolgsfaktor 1: Kreativität braucht Beschränkungen

„Lassen Sie uns offen an die Sache herangehen – ohne Beschränkungen.“ Wenn Sie das Ideenfinden so angehen, ist der Misserfolg vorprogrammiert. Beschränken Sie das Suchfeld! Denn bei einer zu allgemeinen Fragestellung verzetteln sich die Teilnehmer schnell. Beschränkungen behindern nicht die Kreativität, sie fördern diese. Denn sie spornen zum Entwickeln kreativer Lösungen an.

Ein Beispiel. Ihre Mitarbeiter sollen ein neues Cockpit-Design für einen Sportwagen entwickeln. Und weil es innovativ sein soll, geben Sie keine Beschränkungen vor. Die Folge sind: gedankliche Spinnereien mit geringem Nutzwert

Je konkreter die vorgegebene Suchfrage ist, umso besser. Achten Sie auf Details. Die Frage „Wie kann ein Cockpit aussehen, das die Hälfte kostet?“ ist eine andere Frage als: „Wie kann ein Cockpit aussehen, das die Hälfte kostet, aber nach Luxus aussieht?


Erfolgsfaktor 2: Fordern Sie das Unmögliche!

„Wir entwickeln im Workshop erste Ideen. Ob sie umsetzbar sind, das sehen wir später.“ Falsch! Verlangen Sie nicht erste, sondern erfolgreiche Ideen. Fordern Sie zum Beispiel: „Die Idee soll in sechs Monaten marktreif sein.“

Große Ziele erreichen Sie nicht mit mittelmäßigen Vorgaben. „Wir werden in zehn Jahren zum Mond fliegen und sicher zurückkommen.“ Als John F. Kennedy dies 1960 sagte, bekamen die NASA-Techniker einen Riesen-Schreck: „Menschen zum Mond zu bringen, ist kein Problem. Aber sie wieder zurück bringen? Das ist unmöglich.“ Kennedy forderte das Unmögliche … nur deshalb landete die Apollo 12 zehn Jahre später auf dem Mond.


Erfolgsfaktor 3: Suchen Sie die richtigen Teilnehmer!

Viele Innovationsworkshops scheitern, weil die Teilnehmer falsch ausgewählt wurden. Unterscheiden Sie zwischen Tüftlern und Visionären. Tüftler sind „Problemknacker“ – also Menschen, die sich gerne mit (technischen) Details befassen. Sie wissen bei neuen Ideen aber meist auch schnell, warum diese „nie funktionieren“ – noch bevor sie die Ideen geprüft haben. Wenn Sie zu viele Tüftler zum Workshop einladen, erhalten Sie keine wirklich neuen Lösungen.

Möglichkeit 1: Tüftler und Visionäre mischen

Visionäre ticken anders als Tüftler. Sie sehen beim Ideen-finden das große Ganze statt die Details. Sie stellen Fragen wie: „Können wir nicht auch mit einer Art Beiboot (sprich Mondlandekapsel) auf dem Mond landen?“ „Muss eigentlich die gesamte Crew auf den Mond?“ Visionäre bringen Ideen ein, bei denen die Tüftler die Hände über dem Kopf zusammen schlagen.

Mischen Sie in Ihren Workshops, Visionäre mit Tüftlern im richtigen Verhältnis. Denn mit zu vielen Visionären haben Sie am Schluss zwar zahlreiche tolle Ideen. Doch diese sind – technisch oder finanziell – nicht umsetzbar.

Möglichkeit 2: Tüftler mit verschiedenem Background mischen

Oft verstehen sich Visionäre und Tüftler nicht. Denn sie leben gedanklich häufig in verschiedenen Welten. Dann sollten Sie die Tüftler und Visionäre keinesfalls gemeinsam in einen Raum sperren. Sie kratzen sich, bildhaft gesprochen, die Augen aus. Mischen Sie statt dessen Tüftler mit einem unterschiedlichen Erfahrungshintergrund.
Zurück zum Beispiel: Sie möchten ein neues, interaktives Autocockpit entwickeln. Dann können Sie Tüftler aus Ihrer Organisation mit Tüftlern aus anderen Branchen mischen. Etwa mit Tüftlern von Mobilfunkunternehmen. Oder von Geldautomatenherstellern. Oder …. Sie merken: Sie müssen die Tüftler gezielt auswählen. Fragen Sie sich: Welche Kompetenzen benötigen wir im Workshop? Wo finde ich solche Experten? Wie bringe ich sie zusammen? Und: Wie schaffe ich es, dass sie sich verstehen? Denn die Tüftler einer Softwareschmiede sprechen möglicherweise ein anderes Fachchinesisch als die Mobilfunker.


Erfolgsfaktor 4: Klauen Sie fremde Ideen!

Pfui! Das klingt böse! Ist es aber nicht. Für den Erfolg eines Kreativ-Workshops ist eine systematische Suche nach möglichen Inspirationsquellen wichtig. Denn bei vielen Innovationsworkshops beginnt die Ideenfindung bei null. Kaum sind die Teilnehmer im Raum, sollen sie kreativ werden und schmoren oft nur im eigenen Saft. Übersehen wird: In Tausenden von Innovationsworkshops weltweit wurden schon clevere Lösungen entwickelt. Nutzen Sie diese als Inspirationsquelle.


Erfolgsfaktor 5: Motivation! Motivation! Motivation!

Was ist der wichtigste Erfolgsfaktor für Kreativität? Die US-Wissenschaftlerin Teresa Amabile von der Harvard-Universität hat eine einfache Antwort: Motivation. Ihr Innovationsworkshop sollte ein Erlebnis sein, und das Ideen-suchen sollte Spaß machen. Hierfür muss der Workshop so moderiert werden, dass die Teilnehmer zu einem ungewöhnlichen Denken animiert werden.

Einen guten Moderator erkennen Sie daran, dass er fokussiert ist auf das wichtigste Ziel: Erfolg. Zudem hat er Qualitäten, die ihn auch für einen Animateurjob qualifizieren würden. Denn einer der wichtigsten Treiber beim Ideen-suchen ist Humor. Sie dürfen in Ihrem Workshop nicht nur lachen. Sie sollten es sogar. Viel Spaß!


Gastautor: Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Ideeologen – Gesellschaft für neue Ideen GmbH, Baden-Baden, Deutschlands erster Beratungsfirma für strategische Ideenentwicklung (Tel.: +49/700/4333-6783; www.ideeologen.de). Er ist Autor des Buchs „Das Edison-Prinzip: Der genial einfach Weg zu erfolgreichen Ideen“ (www.edison-prinzip.de)



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