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Kooperation statt Konkurrenz? Workshop-Impulse.

Ist Kooperation eine Alternative zur Konkurrenz in der Wirtschaft?

Impulse von einem Workshop des Bereiches Wirtschaftspsychologie der Universität Wien in Kooperation mit Christian Felber (Attac).

Was führt zu besseren Ergebnissen – Konkurrenz oder Kooperation? Sind Konkurrenz und Kooperation zwei Extreme eines Kontinuums, zwischen denen wir uns entscheiden müssen? Welchen Einfluss haben soziale und gesetzliche Rahmenbedingungen? Diese und ähnliche (Forschungs-)Fragen stellten sich die Psychologiestudenten  unter Univ.Prof. Dr. Christian Korunka  in Zusammenarbeit mit Mag. Christian Felber (Buchautor von „Kooperation statt Konkurrenz“ und Gründer von Attac). Ihre Ergebnisse präsentierten Sie am 25.1.2011 in einem Workshop an der AK Wien.

„Win – Win“ – diese Konstellation ergibt sich nur in der Kooperation. Ziel ist es, denn größten gemeinsamen Nutzen zu erreichen. Anders bei der Konkurrenz. Hier kann nur einer gewinnen: „Win – loose“. Ziel ist der relative maximale Gewinn – der Gewinn der einen Person ist der Verlust der anderen Person. Nach diesem Prinzip funktioniert unser derzeitiges Wirtschaftssystem – oder funktioniert eben nicht bzw. nur unzureichend.


Welches Bild entsteht in den Köpfen bei Konkurrenz und Kooperation?

„Was verstehen Sie unter Kooperation? Was verstehen Sie unter Konkurrenz?“ Diese Frage haben die Psychologiestudenten an eine Stichprobe von 147 Personen (Angestellte, Unternehmer und Studierende) gestellt. Im Hintergrund steht die Überlegung: Sind die beiden Begriffe die zwei Pole eines Kontinuums oder sind sie weitgehend voneinander unabhängig? Die zentralen, d.h. am häufigsten genannten Assoziationen bei Konkurrenz sind Wettbewerb, Kampf, Neid, Gegner und Druck. Einige dieser Begriffe werden positiv (grün), neutral (grau) und andere negativ (orange, rot) bewertet.

Die häufigsten Assoziationen zu Kooperation sind Gemeinschaft, Teamwork, Team und Hilfe. Interessant ist, dass alle Begriffe im Zusammenhang mit Kooperation von den Befragten  positiv beurteilt wurden, während die Assoziationen zu Konkurrenz sowohl negativ als auch positiv sind und sich im Durchschnitt als neutral darstellen. Damit wird Konkurrenz im Verhältnis eindeutig negativer wahrgenommen als Kooperation.

Was verbinden Sie persönlich mit den beiden Begriffen? Welches Verhalten ist für Sie zufriedenstellender – ein konkurrenzierendes oder kooperatives?


Kooperation und Konkurrenz im Wirtschaftssystem

Die Ergebnisse zeigen, dass die beiden Begriffe als relativ unabhängig voneinander gesehen werden können und nicht als zwei Pole einer Dimension. Beide Verhaltensweisen sind typisch menschlich. Es ist nur die Frage, welches Verhalten zum insgesamt größten Nutzen und zur höheren Gerechtigkeit führt. Und welches Verhalten deshalb durch soziale und organisationale Rahmenbedingungen stärker gefördert werden sollte.

Christian Felber, der externe Begleiter und Impulsgeber dieser Lehrveranstaltung, nimmt dazu eine klare Position ein, die er durch seine Bücher und die Gründung der Organisation Attac sowie der Initiativen „die Gemeinwohlökonomie“ und „die demokratischen Bank“ stützt: Seiner Meinung nach ist Kooperation und das Streben nach dem gemeinsamen Nutzen die Wirtschaftsstrategie der Zukunft. Als sogenannter „dritter Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus.


Perspektivensuche

Im 633-Seiten starken Abschlussbericht der US-Kommission zur Ermittlung der Ursachen der Finanzkrise 2008, die von Barack Obama eingesetzt wurde, wird eine klare Schlussfolgerung gezogen:  Gier, Egoismus und Tatenlosigkeit haben dazu geführt, dass die Finanzkrise und damit die weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst wurde. Daran zeigen sich die Grenzen von einem reinen Konkurrenz-System. Es ist daher spannend und notwendig, neue Wege zu definieren und zum Beispiel kooperative Initiativen zu starten, wie die von Christian Felber um Möglichkeiten aufzuzeigen und auszuprobieren. In welcher Form auch immer, Veränderung ist auf jeden Fall notwendig, damit es nicht zur nächsten Krise kommt, wie viele Experten befürchten.

„Fürchte dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte dich nur vor dem Stehenbleiben.“ (aus China…)

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