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Qualitätszertifizierung und Akkreditierung

Im Bereich der Aus- und Weiterbildung finden sich eine Reihe von Qualitätssiegel. Ein Qualitätszertifikat für die Organisation oder die Akkreditierung eines Programmes bedingen zwar nicht automatisch einen Lernerfolg – Die Überprüfung durch eine unabhängige Qualitätsprüfungsinstanz kann aber bei der Auswahl einer beruflichen Weiterbildung Orientierung geben.

Ein Kriterium in der Entscheidungsfindung bei der Auswahl einer qualitativ hochwertigen zertifizierten beruflichen Weiterbildung ist sicher die Frage, ob das Bildungsinstitut über ein Qualitätsmanagementzertifikat verfügt. Gibt es eine ISO-, LQW-, EFQM oder andere Qualitätszertifizierung, so kann davon ausgegangen werden, dass die Organisation sich intensiv mit dem Qualitätsmanagement innerhalb der Prozesse beschäftigt.

Dass es keinen garantierten Bezug zwischen Zertifizierung und Qualität gibt, davon ist Rolf Arnold, Professor für Pädagogik der TU Kaiserslautern überzeugt: „ So gibt es zertifizierte Maßnahmen bzw. Träger, die erwachsenenpädagogisch gesehen nicht gut sind ebenso, wie es nicht zertifizierte Angebote und Träger gibt, die gut sind.“ So haben laut dem Pädagogik-Professor das Gelingen der Bildung und der Kompetenzentwicklung die wesentliche Bedeutung für die „Güte“ einer Maßnahme. „Diese hängt mehr von der Professionalität als von Zertifikaten ab. Wir stehen aber erst am Anfang mit den Bemühungen um die „Versöhnung“ beider Anliegen. So ist beispielsweise LQW eine Zertifizierungsstrategie, die den Kriterien einer gelingenden Bildung Rechnung trägt“.


Akkreditiere Angebote

Da qualitätssichernde Maßnahmen innerhalb der Organisation nicht automatisch Auswirkungen auf die Qualität der Lehre oder den Lernerfolg haben, ist von Weiterbildungsinteressieren im Rahmen der Auswahl der geeigneten Maßnahme zu erfragen,  ob die konkrete Weiterbildungsmaßnahme über eine Akkreditierung verfügt. Bei einer Akkreditierung begutachtet eine Akkreditierungsagentur das gesamte Curriculum im Rahmen einer Qualitätsprüfung und bescheinigt die Qualität und den Praxisbezug der Maßnahme. In der postgradualen beruflichen Weiterbildung finden sich die international anerkannten Gütezertifikate im Hochschulbereich, bei den hochpreisigen MBA-Ausbildungen. Bei den Akkreditierungsagenturen EQUIS (EU), FIBAA (Schweiz) oder AMBA (Großbritannien) handelt es sich um unabhängige Qualitätsprüfungsinstanzen, die eine Einhaltung von Qualitätsstandards bei den Programmen sicherstellen und für internationale Vergleichbarkeit sorgen. Obwohl die verschiedenen Akkreditierungsagenturen ähnliche Kriterien für den Prüfungsprozess heranziehen und eine Institution daher nicht alle Zertifizierungen machen muss, findet eine Differenzierung der MBA-Anbieter und Programme am hart umkämpften MBA-Markt mittlerweile über die Anzahl an internationalen Akkreditierungen statt.

Im Bereich der beruflichen Weiterbildung gibt es noch kaum Akkreditierungen bei den Angeboten.  In der Erwachsenenbildung werden einzelne fachliche Weiterbildungen für das Berufsbild der Erwachsenenbildner von der Weiterbildungsakademie (wba) akkreditiert. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend akkreditiert Weiterbildungen nach der Norm ISO 17024. Im Weiterbildungsmarkt finden sich vereinzelte Angebote an ISO 17024 zertifizierten Lehrgängen im Bereich Projektmanagement und für Führungskompetenz.


Standardisierte Programme

Viel üblicher als die akkreditierten Weiterbildungen sind international standardisierte abschlussbezogene Schulungsprogramme. Im IT-Bereich finden sich die Zertifikate der großen IT-Hersteller. Bei den EDV-Anwenderschulungen haben sich international bereits die ECDL-Kurse (Europäischer Computerführerschein) durchgesetzt, die auf eine Initiative der EU-Kommission zurückgehen. Bei Sprachkursen finden sich ebenfalls international einheitliche Regelungen, beispielsweise die Orientierung am Allgemeinen Europäischen Referenzrahmen für das Fremdsprachenlernen, mit den Niveaus A1 bis C2 oder auch die Prüfungsvereinigung der University of Cambridge. Bei all diesen Weiterbildungen muss am Ende der Maßnahme durch eine standardisierte Prüfung ein bestimmtes Niveau an Wissen und Fähigkeiten nachgewiesen werden, was mit einem international gültigen Zertifikat dokumentiert wird.

Ob in der beruflichen Weiterbildung in den nächsten Jahren in Österreich mehrere, mitunter auch internationale Akkreditierungsverfahren für die verschiedenen Fachgebiete entstehen werden, gilt abzuwarten. Jedenfalls können anerkannte Akkreditierungen, das zeigt das Beispiel der Hochschulen, mitunter werbewirksam sein, wenn es für Anbieter darum geht, die eigenen Angebote vom nicht-akkreditierten Mitbewerb abzuheben. Bescheinigt eine unabhängige anerkannte Akkreditierungsstelle die Qualität einer Weiterbildungsmaßnahme, so gibt das auch den Teilnehmern Orientierung und Sicherheit bei ihrer Entscheidungsfindung.


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