Obgleich Social Media bei weitem kein Ein-Jahres-Trend ist, wie man allgemein hin feststellen kann, so kann man doch in vielen Unternehmen beobachten, dass Social Media gewissermaßen mit Angst behaftet ist. Jedoch nicht nur die kleinen und mittleren Unternehmen, auch die großen Konzerne wissen offenbar vielfach noch nicht, wie mit Social Media – vor allem im eigenen Haus und in der eigenen Verwendung – umgegangen werden soll.

Oft wird Social Media sogar mit Angst bedacht und man verharrt besser in der Bewegungslosigkeit, als in Aktion zu treten. Doch woher kommen die Vorbehalte und Ängste gegen über der Vernetzung? Hier einige Erklärungsversuche und wichtige Thesen, die Unternehmen, die sich der Social Web-Welt stellen, wissen sollten.

Eines der häufigsten Argumente von Unternehmen, warum man weder nach außen noch innen etwas mit dem Teufelszeug Social Media zu tun haben will, ist der Verlust der Kontrolle. Nach außen darüber, was etwa Kunden und noch schlimmer Konkurrenten und Nicht-Kunden über die eigenen Produkte und Dienstleistungen sagen könnten. Nach innen, weil ja die Mitarbieter sonst nichts mehr tun außer auf Facebook und Co. zu surfen und dort schreckliche Dinge über den Arbeitgeber verbreiten könnten.


These Nummer 1: Auch wenn wir nicht an der Kommunikation teilnehmen, findet sie trotzdem statt

Ein Irrglaube in Unternehmen ist es, dass nur über das eigene Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen im Netz gesprochen wird, wenn wir als Unternehmen aktiv daran teilnehmen. Mitnichten, liebe Unternehmer! Glauben Sie nicht, dass Sie den Austausch stoppen können, indem Sie sich nicht daran beteiligen. Sogenannte „Opinion-Mining-Tools“, die soziale Netzwerke gezielt nach Suchworten durchforsten, haben schon bei dem einen oder anderen Entrepreneur zu einem erstaunten „Aahhhh“ geführt. Da wird in Elternforen über Kindersitze und sogar Jugendkonten gesprochen, da wird die neue ÖBB Rückfahrticketaktion heftig auf Facebook diskutiert oder man findet gar auf YouTube ein Video, das zeigt, wie das eigene Produkt unbrauchbar wird. So passiert bei einem Cryptonite-Fahrradschloss, das ein junger Mann mit einem einfachen Schraubenzieher geknackt hatte – übrigens eine Zeit lang eines der meist gesehenen Videos bei You Tube. Als Apple das neue iPad annonciert hat, konnte man messen, wie etwa die Tweets in die Höhe schnellten, die das neue „Wunderprodukt“ beschrieben und diskutierten.

Diskutieren Sie also mit. Nur so haben Sie die Chance zu erkennen, was für Ihre User und Konsumenten wirklich wichtig ist. Seien Sie allerdings gewarnt: User erwarten schnelle Response auf ihre Begehrlichkeiten. Sollten Sie also eine Seite in einem sozialen Netzwerk betreiben, dann reagieren Sie auf Fragen und gar kritische Kommentare. Und das in der authentischsten möglichen Form. So gewinnen Sie Sympathiepunkte bei Ihren Lesern.

Diese Tatsache führt uns aber gleich zur zweiten These:


These Nummer 2: In Sozialen Netzwerken findet kein direkter Produktverkauf statt.

Viele Unternehmer setzen große Hoffnungen in Social Media im Glauben, dass sie über diesen Kanal Unmengen mehr an Produkten verkaufen können. Aber Vorsicht! User reagieren besonders empfindlich, wenn sie mit plumpen Produktinformationen zugemüllt werden. Da sind Sie rasch wieder gelöscht aus der Liste der Freunde und „ge-liketen“ Seiten. Sich in Social Media zu behaupten, heißt vor allem zu kommunizieren und sich auszutauschen. Selbstverständlich immer auch mit dem Zweck interessant zu sein für seine potenzielle Kundschaft. Aber etwa Hintergrundwissen über das eigene Produkt zur Verfügung zu stellen, zählt oft wesentlich mehr als eine planlose „Unser Produkt ist das Allerbeste“-Botschaft in regelmäßigen Abständen.

Genau diese kritische Auseinandersetzung ist es aber, die Unternehmer scheuen, denn sie setzt die klassische Werbung außer Kraft. Liebe Unternehmer, es hat einen Grund, warum die Anzeigenteile der Zeitungen immer dünner werden. Einer davon ist Social Media.

Ein Kunde sagte mir unlängst einmal: „Aber ich will ja gar nicht kommunizieren. Da muss ich dann ja mit jedem reden…“. Erst einmal – ja. Aber das führt mich zur 3. These.


These Nummer 3: Sich in sozialen Netzwerken zu bewegen ist Arbeit. Und der Output ist erst mittelfristig erahnbar.

Wohl eine der wenigen Ängste in Bezug auf Social Media, die berechtigt ist, ist die er Ressourcen. Aktives Social Media Marketing zu betreiben heißt, Zeit zu investieren. Einerseits um einen Kanal aufzubauen, andererseits um ständig aktiv am Geschehen teilzunehmen. Viele Unternehmer leben noch in der Welt des Web 1.0, in der Content-getriebene statische Seiten das Netzzeitalter dominierten.

Liebe Unternehmer, diese Welt ist passé. User wollen diskutieren und schenken Ihnen damit etwas ungemein Wertvolles: die Bereitschaft mit Ihnen in Kontakt zu treten. Wie oft passiert es Ihnen, dass Kunden Ihr Geschäft betreten und Sie mit einem „Ich schau’ nur“ abspeisen. Im Netz wollen die Kunden in Kontakt treten, aber sie fordern auch die Mühe, sich kritisch und kontinuierlich auseinander zu setzen.

Wenn Sie die Möglichkeit dazu haben, weil Ihr Unternehmen über eine gewisse Größe verfügt, dann lassen Sie doch die Mitarbeiter zu Botschaftern des Unternehmens werden. Zudem interessiert die meisten User ohenhin mehr, was der durchschnittliche Mitarbeiter eines Unternehmens zu sagen hat, als der Chef oder gar die Marketingabteilung. Doch Mitarbeiter in Soziale Netzwerke zu lassen, ist wohl eines der furchteinflößensten Themen rund um Social Media.


These Nummer 4: Unternehmerische Social Media Aktivitäten bedürfen klarer Regeln und eines klaren Planes

Es gibt durchaus eine Vielzahl an Unternehmen, die das unheimliche Potenzial nutzen, das ihnen ihre Mitarbeiter im Bereich Social Media bieten. Zunächst einmal Schluss mit einem Irrglauben: Social Media im Unternehmen zu verbieten, bedeutet nicht, dass es Ihre Mitarbeiter nicht trotzdem – und noch dazu während der Arbeitszeit – nutzen. Smartphones sind die meistverkauften „Telefone“ derzeit, in einem knappen halben Jahr werden beinahe nur mehr Smartphones im Umlauf sein. Mitarbeitern also das Surfen zu verbieten, hieße ihnen das Handy am Eingang wegzunehmen.

Vielmehr brauchen Sie als Unternehmen eines: klare Social Media Richtlinien und gezielte Schulung. Wie sollen Ihre Mitarnbeiter mit Social Media umgehen? Was darf gepostet werden und wie erkennt der Kunde, von wem es gepostet wurde? All das sind Fragen, deren Antworten festgeschrieben und gezielt – Mitarbeitern und Führungskräften – geschult gehören.

Wenn Sie Social Media als Kanal der Zukunft für Ihre unternehmerischen Aktivitäten nutzen wollen, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Fassen Sie den Mut, die Vorurteile über Bord zu werfen und machen Sie sich auf die Reise in den unendlichen Web-Jungle. Am Ende wird es sich lohnen!