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Familienfreundlichkeit macht Unternehmen attraktiv

Manuela S. arbeitet in einer großen Versicherung. Heute kommt sie erst um 10 Uhr ins Büro. Ihre 7-jährige Tochter ist heute in die Schule eingeschrieben worden. Daher ist Manueala heute später dran. Aufgrund der flexiblen Arbeitszeiten ist das kein Problem. Ihr Arbeitgeber legt Wert darauf, dass auch die familiären Angelegenheiten ausreichend Platz und Zeit finden. Manuela arbeitet bereits seit 11 Jahren im Unternehmen. Und sie ist nach wie vor zufrieden. Schon während der Karenz hat sie ihr Arbeitgeber regelmäßig kontaktiert und sie mit den nötigen Informationen versorgt. Nach der Karenz war sie zunächst teilzeitbeschäftigt. Seit einem Jahr ist sie wieder voll da. Immer im gleichen Aufgabenbereich.

Klingt dieses Unternehmen attraktiv? Unter den Gründen, warum sich Menschen in Österreich für ein Unternehmen als Arbeitgeber entscheiden, rangiert das Thema Familienfreundlichkeit unter den Top 3 Themen. Besonders in Zeiten von Arbeitskräfteverknappung müssen Unternehmen alle Anstrengungen unternehmen, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu halten. Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf da nicht fehlen, um am Arbeitsmarkt attraktiv zu sein. Das Audit berufundfamilie als standardisiertes Management-Instrument unterstützt Unternehmen dabei, im Thema Vereinbarkeit zu punkten. Und das rechnet sich.

Familienfreundlichkeit gleich wichtig wie Gehalt

Einer Studie des deutschen Wirtschaftministeriums zufolge ist Familienfreundlichkeit im Betrieb für 9 von 10 Arbeitnehmern im Alter von 25 bis 39 Jahren, die Kinder haben, gleich wichtig oder wichtiger als Gehalt. Immerhin drei Viertel dieser Zielgruppe würden für mehr Familienfreundlichkeit den Arbeitgeber wechseln. Das Thema Vereinbarkeit ist zu einer betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Dies gilt im urbanen Raum ebenso wie im ländlichen. Gerade dort, wo Arbeitskräfte durch den Zug in die Stadt ohnehin knapp sind und Kinderbetreuungsplätze aufgrund der örtlichen Gegebenheiten rar sind, ist das Bemühen um eine bessere Vereinbarkeit ein wesentlicher Bestandteil für ein erfolgreiches Employer Branding und die Sicherung der Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

Familie ist mehr als Vater-Mutter-Kind

Wir leben in einer alternden Gesellschaft. 2050 wird in Österreich ein Drittel der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein. Schätzungen zufolge haben bereits heute rund 10% aller Erwerbstätigen Betreuungspflichten für nahe Angehörige. Es ist absehbar, dass diese Zahl in den kommenden Jahren steigen wird. Parallel mit dem Aufwand, der für Pflege aufgebracht werden muss.

Familienfreundlichkeit geht daher weit über klassische Familienbilder hinaus. Patchworkfamilien, gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Pflegeverpflichtungen gehören heute ebenso zu den Herausforderungen, die Arbeitnehmer zu meistern haben. Moderne Arbeitgeber müssen sich dieser Realität bewusst sein, um für die begehrten Zielgruppen nach wie vor interessant zu sein.

Familienfreundlichkeit rechnet sich

Wer allerdings in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein soziales Zuckerl sieht, der irrt. Viel mehr wird Employer Branding und die damit in Verbindung stehenden Maßnahmen, die Unternehmen setzen, zur Überlebensfrage werden. Nach einer österreichischen Studie sehen mehr als 6 von 10 Unternehmen, dass Familienfreundlichkeit einen positiven Einfluss auf den Ertrag hat. Neben höherer Motivation und Identifikation ist vor allem eine höhere Leistungsfähigkeit der Organisation, etwa durch verringerte Krank- und Pflegetage, ein triftiger Grund für Unternehmen, sich dem Thema zu stellen.

Die Maßnahmen können dabei vielfältig sein. Von großen Lösungen wie betrieblicher Kinderbetreuung bis hin zur erstmaligen Bewusstmachung unter den Angestellten und dem Management gibt es zahlreiche Ansatzpunkte für Unternehmen, die eigene Familienfreundlichkeit zu verbessern.

Das Audit berufundfamilie als wertvolle Unterstützung

Eine Möglichkeit für Unternehmen, die sich dem Thema Vereinbarkeit gezielt widmen wollen, stellt das seit 1998 in Österreich eingesetzte Audit berufundfamilie dar. In diesem standardisierten Prozess entwickeln Unternehmen in bis zu 10 Handlungsfeldern (siehe Grafik) für sich passende Maßnahmen, um die eigene Familienfreundlichkeit zu verbessern. Begleitet werden sie dabei von speziell geschulten, externen Auditoren, die den Prozess anleiten. Nach dem Festlegen der Maßnahmen, ersten Umsetzungsschritten und einer externen Begutachtung winkt das staatliche Gütezeichen des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend. Alle 3 Jahre kann dieses erneuert werden. Ein wichtiges Signal an potenzielle Bewerber und Kunden!

Das Instrument selbst ist für Unternehmen aus der Privatwirtschaft, Non-Profit-Organisationen und Einrichtungen des öffentlichen Dienstes sowie Betriebe unterschiedlicher Größe gleichermaßen geeignet und wird darüber hinaus auch finanziell gefördert. Zahlreiche Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen haben sich bereits dem Audit gestellt. Darunter Namen wie IKEA, Baxter, PriceWaterhouseCoopers, WKO, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien oder die Erste Bank.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • attraktiveres Arbeitgeberimage durch das staatliche Gütezeichen
  • höhere Motivation und Identifikation der Belegschaft mit dem Unternehmen
  • Kostenersparnis durch sinkende Krankentage und Pflegeurlaube
  • Verringerung der Fluktuation
  • Weiterentwicklung des Unternehmens durch passende, individuelle Lösungen
  • Verbesserung der Kultur und Bewusstsein für die Wichtigkeit einer guten Vereinbarkeit bei Mitarbeitern und Management
  • Kontinuierlicher Verbesserungprozess durch standardisiertes Instrument


Employer Branding ist mehr als bloßes Marketing

Die Mehrzahl der Unternehmen gibt an, aktives Employer Branding zu betreiben. Allerdings geht das Verbessern der eigenen Arbeitgebermarke weit über reine Marketingmaßnahmen hinaus. Gerade in Zeiten des Web 2.0, ist es für Unternehmen unerlässlich, authentische, wirkungsvolle Maßnahmen zu setzen. Zu transparent sind Unternehmen heute, als dass Lippenbekenntnisse sich noch verkaufen lassen, zu mobil die Arbeitnehmer, um diese zu tolerieren.

Aus den aktuellen Arbeitsmarktdaten und den demografischen Entwicklungen lässt sich erahnen, dass Unternehmen zunehmend um geeignete und qualifizierte Arbeitnehmer rittern werden. Es wird sich also zeigen, welche Unternehmen mutig und entschlossen genug sein werden, um die Wettbewerbsvorteile am Arbeitsmarkt rechtzeitig zu heben. Unterschiedliche Arbeitszeitmodelle, Telearbeit oder Möglichkeiten der betrieblichen Kinderbetreuung sind einige der möglichen Maßnahmen mit denen Firmen als Arbeitgeber punkten können. Und wie es aussieht auch müssen. Das Audit berufundfamilie unterstützt sie dabei.

Weitere Informationen zum Audit berufundfamilie finden Sie unter www.arbeitswelten.at und auf der Homepage der Familie und Beruf Management GmbH unter www.familieundberuf.at.

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2 Kommentrare

  1. Gerd Beidernikl am

    Ich finde es sehr, sehr gut, dass Sie dezidiert „Familie ist mehr als Vater-Mutter-Kind“ schreiben. Eine wichtige Ergänzung für die Diskussion dieses Themenfeldes!

  2. Peter Rieder am

    Vielen Dank für die Rückmeldung! Wenn man bedenkt, dass 420.000 Menschen in Österreich Pflegegeld beziehen, 300.000 Kinder in Alleinerzieherfamilien leben und 7% aller Kinder in Patchworkfamilien dann sehen wir, dass sich etwas verändert hat, worauf sich auch Unternehmen einstellen müssen. Das traditionelle Bild wird ergänzt von vielen neuen. Alle haben Einfluss auf das Thema Vereinbarkeit. Freut mich, dass Sie das auch so sehen!

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