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MA-Demotivation: Führungskräfte-Tipps einmal anders

Der Führungsstil jeder Führungskraft steht täglich auf dem Prüfstand. Dementsprechend wird der kleinste Fehltritt oder Regelverstoß von Kollegen oder Mitarbeitern registriert. Beobachten nun Mitarbeiter wie der Vorstand sich einen Salat aus der Kühltheke der Kantine nimmt ohne zu bezahlen, entsteht neben Misstrauen, Frust und Demotivation – denn warum muss der Mitarbeiter dafür zahlen? Im folgenden eine „Anleitung“ wie man sein Team im Handumdrehen zu demotivierten und illoyalen Mitarbeitern macht.

Bei der PoP2011 wurde die Einrichtung „BarCamp“ anhand von Themenrunden vorgestellt. Neben vorgegebenen Themen konnten 3 Teilnehmer frei Themen vorschlagen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Ein Teilnehmer steuerte das Thema „Diebstahl im Unternehmen bei“. Interessant, dass bei der anschließenden Diskussion niemand Führungskräfte, Vorstände oder Geschäftsführer als Auslöser einbrachte.

Genau auf diesen Aspekt geht dieser Artikel ein.


Regeln – welche Regel?

Wenn offene Stellen intern ausgeschrieben werden sollen (müssen), ist es noch lange kein Grund das auch zu tun – schließlich hat man seinen potentiellen Kandidaten ja bereits ins Auge gefasst und will sich nicht mit lästigen Interviews beschäftigen, außerdem was würde man tun, wenn sich plötzlich neben dem Wunschkandidaten ein weit aus besser Qualifizierter heraus kristallisieren sollte …


Meine Mitarbeiter sollen mich ergänzen – oder?

Die Sache mit Lehrbüchern ist leider etwas kompliziert. Im Normalfall raten diese wie man idealerweise an bestimmte Themen herangeht. Man bekommt Tipps wie z.B.: bei der Wahl seines Teams sollte man darauf achten, dass die Mitglieder einander ergänzen und Schwächen ausmerzen.

Sie wählen stattdessen jedoch eher „Ja und Amen Sager“, die zu ihnen aufblicken und Anordnungen, Ideen und Vorschläge ohne Widerspruch hinnehmen? Toller Schachzug – damit haben Sie kein Konfliktpotenzial und müssen sich keinen unangenehmen Fragen oder Diskussionen stellen. Auf der anderen Seite dürfen Sie sich aber auch nicht wundern, dass Sie möglicherweise alles alleine machen dürfen und ihre Mitarbeiter keine Ideen einbringen. Das Ergänzen oder Ausmerzen tritt hier eher in den Hintergrund, denn Querdenker sind unbequem.

Eine weitere sichere Methode, Mitarbeiter zu demotivieren, ist die Zuckerbrot und Peitsche Taktik. Es empfiehlt sich hier bei größeren Teams einen Kalender zurechtzulegen, wo Sie genau einteilen können, wen Sie wann loben und wann kritisieren wollen. Der Plan ist deshalb hilfreich, da Sie hier auch die Verunsicherung der Mitarbeiter steuern können. Loben Sie einen Mitarbeiter wochenlang und kritisieren ihn dann wegen einer Kleinigkeit, können Sie davon ausgehen, dass die Irritation sehr groß ist. Wie fast alles hat dies den Nachteil, wenn der Mitarbeiter Ihnen auf die Schliche kommt, vertraut er Ihnen von diesem Zeitpunkt an nur noch von 12 Uhr bis Mittags, allerdings hätten Sie damit auch gleich 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Der Mitarbeiter ist nicht nur demotiviert sondern wird mit der Zeit auch Illoyal.

Versprochen und gebrochen

Versprechen an Mitarbeiter sind immer heikel – der Mitarbeiter merkt sie sich nämlich und wartet auf deren Umsetzung. Wenn Sie also Beförderungen, Gehaltserhöhungen etc. in Aussicht stellen, bleiben Sie dabei eher unverbindlich oder legen Sie sich bereits eine mögliche Verzögerungstaktik zurecht (nach dem Motto: „wenn Ostern und Weihnachten an einem Tag fallen“, oder „in China kein Rad umfällt“, etc.). Verlassen Sie sich allerdings nicht darauf, dass Ihr Versprechen in Vergessenheit gerät – wie gesagt Mitarbeiter sind fies, sie merken sich zwar keine Umsatzdaten, aber erinnern sich noch 3 Monate später an die in Aussicht gestellte Beförderung!

Sollten Sie jedoch jemanden befördern müssen, sollten sie niemanden wählen der qualifiziert ist, statt dessen wählen Sie jenen Mitarbeiter der Ihnen nach dem Mund redet. Er kann Ihnen nie über den Kopf wachsen und möglicherweise an Ihrem Sessel sägen. Zusätzliches Plus: der Ärger und das Unverständnis des restlichen Teams ist Ihnen sicher!


Die Geschichte von den Mitarbeitern die Klopapier mit nach Hause nehmen

Als Expat (Entsandter) steht Ihnen und Ihrer Familie laut Vertrag 2 x jährlich ein Rückflug in der Economy Class zu. Holzklasse ist für Sie und Ihre Familie unzumutbar und da Sie in einer Position sind, wo niemand ihre Flugbuchungen genehmigt, ist dies kein Problem. Abendessen mit der Familie im Nobelrestaurant? Auch kein Thema, auf der Rechnung wird dies als Einladung an Ihr Team deklariert. Sie lassen sich „unverbrauchten“ Urlaub auszahlen sind allerdings Freitags prinzipiell nicht im Büro, da Sie „Homeoffice“ machen, aber leider nie erreichbar sind? Keine Kinderbetreuung zur Hand, wenn Sie mal ein dringendes Meeting haben – dafür gibt es ja Assistentinnen oder?

Letzte Woche wurde ein Mitarbeiter gekündigt, weil er 2 Rollen Klopapier aus dem Unternehmen mitgenommen hat. Regeln sind da um eingehalten zu werden, lautet Ihre Devise … schon klar, doch wer stoppt unsere Führungskräfte beim Regeln brechen?

Einige der beschriebenen Szenen kommen Ihnen als Führungskraft bekannt vor? Gratulation, Ihre Mitarbeiter sind am besten Weg zur Demotivation. Scherz beiseite, wie weit gehen Sie notfalls? Wo ist Schluss? Vielleicht denken Sie jetzt, na ja solchen Aktionen liegt ein übler Charakter zugrunde, solche Manager kennen keine Restriktionen und unterwerfen sich keinen Regeln. Möglicherweise sind Sie der Meinung dass das der Erfolg so mit sich bringt. Doch Achtung: Sie machen sich damit von vielen Seiten angreifbar (Assistentinnen, Kollegen, Mitarbeiter, etc.).

Ihnen geschätzte HR Kollegen möchte ich mitgeben, dass Handlungen von Mitarbeitern oft in direktem Zusammenhang mit dem Vorgesetzten stehen. Vielleicht lohnt es sich manchmal etwas genauer hinzuschauen!

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