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Lernen im Web – weniger ist mehr!


Multimediale Inhalte und vernetzte Informationen im Internet sind eine wichtige Quelle für lebenslanges Lernen. Die technologischen Entwicklungen schaffen sehr viele Möglichkeiten, dennoch sollten lerntheoretische Erkenntnisse berücksichtigt werden, um den Lernerfolg sicherzustellen.

Täglich erscheinen unzählige neue Bücher und Fachbeiträge. Nutzergenerierte Inhalte im Web 2.0. vermehren sich explosionsartig. Wer in seinem Fachgebiet auf dem Laufenden bleiben will, braucht viel Zeit zum Lesen und vor allem, die richtigen Werkzeuge und Filter, um die relevanten Informationen zu finden, auszuwerten, zu organisieren und zu nutzen. Das Internet ist aber längst nicht mehr nur das Medium, um Informationen rasch zu finden, sondern es ist ein wichtiges Werkzeug für lebenslanges Lernen.


Stellen Sie sich vor:

…Sie lesen ein digitales Buch und denken sich bei einem Absatz, Sie wollen mehr dazu erfahren. Angenommen, Sie hätten die Möglichkeit, über das digitale Buch gleich die Fakten in anderen Quellen zu überprüfen, in Diskussionsforen nachzulesen, was andere Leser über das Buch und auch Medien über das Thema generell schreiben. Stellen Sie sich auch vor, Sie sind Mitglied in einem sozialen Netzwerk, in dem Ihnen eine Leseliste relevanter Fachliteratur empfohlen wird, Sie unmittelbaren Zugang zu einer digitalen Bibliothek haben und Sie nach dem Lesen der Lektüre gleich in die Diskussion mit Fachkollegen einsteigen können… (Die Visionen über das elektronische Buch der Zukunft finden Sie im Video: http://vimeo.com/15142335)

Die Zukunft des neuen Lernens hat bereits begonnen

Noch sind elektronische Bücher meist nur die digitale Version des gedruckten Buches, aber der Weg in ein erlebnisorientiertes Lesen und Lernen mit interaktiven Grafiken, Links zu anderen relevanten Inhalten, ergänzenden Videos und kollaborativen Elementen ist nicht mehr weit.

Zu diesem Ergebnis kam auch der international anerkannte Horizon Report 2011. Das  Forschungsprojekt untersucht jedes Jahr neue Technologien und deren Auswirkungen auf Lehre, Lernen und kreative Forschung und identifiziert die zentralsten Technologiethemen und Schlüsseltrends für den Bildungsbereich. Zu den kurzfristigen Trends, also einer Etablierung der Technologien am Bildungsmarkt in den kommenden Monaten zählen die Forscher demnach die elektronischen Bücher und mobile Endgeräte.

Mobiles Lernen am Vormarsch

Die Bedeutung der beiden Trends zeigen auch die Verbreitungszahlen mobiler Endgeräte. Nach einem kürzlich erschienen Bericht des Mobiltelefonherstellers Ericson, werden im Jahr 2015 bereits 80% der Internetnutzer über mobile Geräte online gehen. Mit der wachsenden Zahl an Smartphones und Tablet PCs und einem kontinuierlichen Ausbau der Netze für die notwendige Konnektivität, erschließt sich ein riesiges Potential für den Bildungsbereich.

Mobilgeräte verfügen über die elektronische Lesefunktion, notwendige Notizwerkzeuge, haben GPS Funktion für die Orts- und Positionsbestimmung und sind mit umfassenden Werkzeugen für Video, Audio und Bilddarstellung ausgestattet. Damit sind viele Voraussetzungen für den Zugang zu multimedialen und vernetzen Informationen und Applikationen vorhanden.

Neben aller Euphorie über die technologischen Möglichkeiten für die Vernetzung von Informationen und das neue Lernen, sollten auch lerntheoretische Erkenntnisse bei der Nutzung internetbasierter Inhalte für Lernen und Lehren mit einbezogen werden. Nicht nur die Frage, was technologisch möglich, sondern auch, was didaktisch sinnvoll ist, sollte dabei gestellt werden.

Kognitive Überforderung

Nicolas Carr hat sich in seinem Buch „Wer bin ich, wenn ich online bin … und was macht mein Gehirn solange?“ intensiv mit der aktuellen Gehirnforschung im Zusammenhang mit der Nutzung des Internets auseinander gesetzt. Der ehemalige Herausgeber der Harvard Business Review zitiert in seinem Werk mehrere Studien, die dem Lesen von im Internet üblichen Hypertext, kein gutes Zeugnis ausstellen. Demnach zeigen zahlreiche Untersuchungen, dass Menschen, die einen linearen Text lesen, mehr begreifen, sich an mehr Inhalte erinnern und damit mehr lernen, als Personen, die einen mit Links gespickten Text lesen. Der Grund liegt in dem Dilemma, mehr Aufmerksamkeit und Hirnkapazität auf die Links zu richten, um zu entscheiden, welche angeklickt werden sollten. Damit bleiben weniger Aufmerksamkeit und kognitive Ressourcen übrig, um das Gelesene zu verstehen und mit bereits vorhandenem Wissen im Gedächtnis zu verknüpfen.

Weniger ist mehr

Während in den letzten Jahren Technologie-affine Pädagogen Texte mit vielen Links und multimedialen Inhalten (Fotos, Klängen und bewegten Bildern) ausgestattet haben, ganz nach dem Motto: je mehr Input, desto besser – widerlegt die Forschung mittlerweile den Nutzen, dieses Ansatzes. Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass die geteilte Aufmerksamkeit der Multimedia-Nutzung das Auffassungsvermögen vermindert und dadurch das Lernergebnis sinkt. Um das Gehirn kognitiv nicht zu überfordern, bewirkt weniger Input daher oftmals mehr Lernerfolg.

Die neuen Lernmedien haben aber gegenüber dem klassischen Buch den Vorteil, dass Lesen und Lernen lebendiger und bunter gestaltet werden kann, und dass durch Bilder und Klänge gleichzeitig der auditive und visuelle Kanal beim Lernenden angesprochen wird.

Für den einzelnen User bedeutet, dass stundenlanges „Surfen“, das Folgen unzähliger Links und das Konsumieren des Mischmaschs an multimedialen Inhalten nur zur Verwirrung beiträgt, das Kurzzeitgedächtnis überlastet und damit die differenzierte Auseinandersetzung mit der Qualität und Seriosität der Quellen und Informationen erschwert wird. Eine klare Zielsetzung und Konzentration bei der Suche nach neuen Inhalten im Internet erleichtert die Verarbeitung dieser, mit bereits im Langzeitgedächtnis abgespeichertem Wissen, und ermöglicht damit das Lernen.

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