Die Routine schleicht sich gerne in Arbeitsbereiche ein. Sie verhilft dazu, dass Arbeiten in der Hälfte der Zeit erledigt werden können, aber bewirkt auch, dass Betriebsblindheit aufkommt. Mitunter wundert man sich, weshalb ein bestimmter Prozess nicht funktioniert, würde aber nie auf die Idee kommen, dass die eigenen Arbeitsweisen daran Schuld sind. Welche Routinefehler schleichen sich bei den Recruitern ein? Hier eine Auflistung der gängigsten Fälle.

Auch Recruiter sind nur Menschen! Unabhängig von ihrer eigenen Person, ihrer eigenen Meinung und ihrer eigenen Vorstellung müssen sie objektiv einen Kandidaten auswählen. Das tun sie mit Hilfe verschiedenster Qualitätsmethoden: Bewertungssysteme, Assessment Center, mehrstufige Interviewverfahren, Bewerberchecks durch Recherche und zahlreiche weitere Methoden werden eingesetzt. Experten empfehlen ein zwei- oder dreistufiges Verfahren. Aber natürlich schleichen sich hier manchmal auch Recruitingfehler ein, der Recruiting Club hat die häufigsten zusammengefasst.

Oft wartet man viel zu lange, bis der Recruitingprozess ins Rollen gebracht wird. Es ist bereits eine Arbeitslücke aufgetreten, die sofort gefüllt werden muss. Des Weiteren denkt man bei den Absagen uninteressanter Bewerber nicht an die Zukunft: Diese können durch Mundpropaganda oder seit neuestem auch auf Arbeitgeberbewertungsportalen ihre eigene Meinung bzw. ihren Unmut über die unzulängliche Absage verbreiten. Oft will man sich mit den Kandidaten nicht auseinandersetzen und sendet ihnen nicht einmal eine formlose Leider-Nein-E-Mail. Natürlich ist das ein Zeitaufwand, dieser rentiert sich aber auf jeden Fall. Denn das Image ist wichtig – vor allem im Hinblick auf den Fachkräftemangel.

Employer Branding brauchen wir nicht!

Wenn man vom Fachkräftemangel spricht, muss fast notgedrungen auch Employer Branding erwähnt werden. Wer nämlich Spitzenkräfte sucht, wird sie nur bekommen, wenn er sich entsprechend attraktiv präsentiert. Natürlich sind zur Zeit für die meisten Stellen noch genügend Bewerber vorhanden, aber wie sieht es in der nahen Zukunft aus? Vergessen darf man auch nicht, dass neben regulären Positionen auch Topstellen vergeben werden. Was passiert, wenn eine neue Führungspersönlichkeit für das Unternehmen gesucht wird? Hier werden ganz andere Anforderungen gestellt und der Bewerber sucht sich die Stelle aus und nicht umgekehrt.

Eine Planung ist nicht nötig!

Viele Unternehmen gehen zwar noch mit halbwegs genormten Vorstellungen in das Recruiting hinein, während des Prozesses werden diese aber oft wieder über Bord geworfen. Es wurde zwar alles zuvor geplant, aber dazwischen kommt man in Zeitnot und schiebt Vorstellungsgespräche, Entscheidungen und Auswertungen auf. Fälschlicherweise reiht man die Auswahl der neuen Mitarbeiter in der To-Do-Liste immer weiter nach hinten. Schließlich wollen ja die Kandidaten etwas von einem und deshalb können diese warten. Aber die Bewerber von heute ticken etwas anders. Dauert der Prozess zu lange, bewerben oder entscheiden sie sich anderwärtig oder sie sind schlicht und einfach nicht mehr interessiert.

Bei offenen Stellen auf die eigenen Mitarbeiter vergessen!

Weiterbildung und persönliche Entwicklung sind heute im Berufsleben wichtiger als nie zuvor. Mitarbeiter wollen nicht jahrelang dieselben Aufgaben erledigen, ohne etwas dazuzulernen. Sie sehnen sich nach Aufgaben, die sie fordern. Während in kleineren Unternehmen mit den Aufgaben ein wenig hin- und her jongliert werden kann, ist das in großen Konzernen schwieriger: Will sich ein Angestellter beruflich verändern, ist oft nur das Wechseln der Position möglich. Wird ein Platz im Unternehmen frei, sollte man deshalb nicht auf die eigene Belegschaft vergessen. Vielleicht sehnt sich der eine oder andere nach neuen Aufgaben. Die Angst, dass dadurch eine neue Lücke in einer anderen Abteilung entsteht, sollte bei Seite geschoben werden. Mit einer internen Neubesetzung hat man nämlich drei wesentliche Vorteile: 1) Der Mitarbeiter ist zufrieden und motiviert, da der die neue Herausforderung gerne annimmt, 2) man kennt ihn bereits und schätzt seine Stärken und Talente und 3) seine frei gewordene Stelle ist bestimmt einfacher zu besetzen als die kompetenter gereihte Stelle.

Liebe Recruiter und HR-Spezialisten: Wer neben den angeführten Beispielen noch weitere Anekdoten oder Erfahrungen gemacht hat, ist dazu eingeladen, diese als Kommentar unter diesem Blogbeitrag mit uns zu teilen. Wir freuen uns über interessante Beispiele aus der Praxis.

Danke! Ihr Recruiting Club Team

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