Brandaktuell erschien das Buch „Raus aus dem Irrenhaus!“ mit dem Untertitel „Stoppt den Wahnsinn – Wie Unternehen aufräumen und den weg zurück in die Normalität finden“. Ein reisserischer Titel. Hält das buch, was der Titel verspricht? Ja, es ist in flotten, klaren Worten geschrieben, bringt die Problematik auf den Punkt und v.a.: zeigt Wege aus der Misere auf! Das HRweb lud Dr. Michael Paul ein, das Thema aus Personalisten-Sicht zu betrachten.

Dass in unseren Unternehmen stellenweise tatsächlich Verhältnisse wie im sprichwörtlichen „Narrenturm“ herrschen, belegen nicht zuletzt Zahlen, die eine Reihe großer deutscher Krankenversicherer in den vergangen Wochen publiziert haben. Da ist von einer Verdopplung der Fälle psychischer Erkrankungen in einer Untersuchung der AOK die Rede, die BKK ortet gar einen Anstieg der psychisch bedingten Krankheitstage von 4,6 auf 47 je 1000 Arbeitnehmer in den vergangenen 7 Jahren.

Gerade in einer Situation, in der sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend ändern und Märkte in nie gekannter Geschwindigkeit ihre Spielregeln ändern, wäre eigentlich ein anderes Bild wünschenswert: Motivierte, flexible Mitarbeiter, die ihre Rollen und Ziele im Unternehmensgefüge „inhaliert“ haben und situativ nach Lösungen suchen, immer den Markt im Blick. Vielfach haben solche Teammitglieder aber schon den Status seltener, kurz vor dem Aussterben stehender Tier und so verwundert es nicht, dass Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum in den vergangenen Jahren kaum bahnbrechende neue Geschäftsmodelle entwickelt haben und beispielsweise in internationalen Börsenwertrankings immer weiter zurückfallen.


Die Agenda für Human Resources

Jetzt mag mancher Manager streng in Richtung seiner Personaler schauen, den Satz „dann besorgen Sie mir die doch!“ auf den Lippen. Doch so einfach ist das nicht. Personalmanager haben beim „Aufräumen“ tatsächlich eine zentrale Rolle, man muss sie aber auch lassen. Eine kurze Agenda:

1. Personalmanager gehören ins Strategie-Team! Und zwar von Anfang an. Über verfügbare Technologien, Standorte etc. wird im Rahmen der Strategieentwicklung oftmals lange diskutiert. Beim Personal glaubt man aber offensichtlich, dass es vom Himmel fällt. Deshalb ist der Input aus HR gefragt. Außerdem müssen die Personalisten darauf drängen, dass der Strategieprozess klare, kommunizierbare Ziele hervorbringt. Als Kompass bei der Personalauswahl, als Führungsinstrument und Orientierung für das Team.

2. Kein Personal ist auch keine Lösung! Ansätze wie jüngst von IBM publiziert statt einer Stammmannschaft vor allem auf Freelancer zu setzen, die sich via eines sozialen Netzwerkes organisieren, sind eine Scheinlösung. Gerade höhere inhaltliche Flexibilitätsanforderungen schreien nach einer eingespielten Stammbelegschaft, nicht nach Praktikanten und Zeitarbeitskräften. Die Grenze zwischen Kernkompetenz, die im Haus verbleiben muss, und möglichen „Ergänzungsspielern“ zu ziehen, wird eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre.

3. Personalauswahl als Kernprozess! Neben den klar definierbaren fachlichen Anforderungen wird der kulturelle Fit zum Unternehmen wichtiger. Und da hakt es am häufigsten. Nicht jeder topqualifizierte Bewerber passt in jedes Unternehmen. Mehr Maßanzug täte hier gut.

4. Mehr Aufmerksamkeit für organisatorische Macken. Umständlichkeit, Starrheit, Probleme bei der Rollenbesetzung und ständige punktuelle Überlastungen sind Alarmsignale, auf die hohe Aufmerksamkeit zu richten ist. Und dann ist zu handeln. Ein nicht beherrschbarer Prozess kann noch so effizient sein – er geht nicht. Und selbst wenn das Abdrehen ambitionierter IT-Projekte Investitionsruinen hinterlässt, Personalausfall ist langfristig meist teurer.

5. Entrümpelt die Incentivesysteme! Variable Vergütung, die an mehr als 10 Faktoren hängt, die jeweils kaum mehr als € 100 ausmachen – wer soll denn da noch motiviert werden? Stattdessen geht alle zwölf Monate kurz vor Toresschluss das Jahresziel-orientierte Arbeiten los – ein fruchtbarer Boden für irrenhausähnliche Verhältnisse. Hier gehört mit der Machete der Incentivedschungel gelichtet.

6. Führung kann nicht jeder! Es muss Fachkarrieren geben, um auch hochqualifizierte Soziallegastheniker und Mauerblümchen im Unternehmen zu halten. Sie dafür aber auf wehrlose Teams loszulassen, ist unverantwortlich.

Raus aus dem Irrenhaus – Personalmanager wehrt Euch!


Gastautor: Dr. Michael Paul ist geschäftsführender Gesellschafter der auf Veränderung und Restrukturierung spezialisierten Unternehmensberatung paul und collegen consulting gmbh in Wien und Berlin.


Buchtipp

  • Michael Paul: Raus aus dem Irrenhaus! Stoppt den Wahnsinn – Wie Unternehmen aufräumen und den Weg zurück in die Normalität finden. 2012, WirtschaftsWoche-Sachbuch, Linde Verlag, ISBN: 9783709303726
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