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Resilienz – Toleranz gegenüber Störungen

Resilienz ist aus der Psychologie bekannt. Neuerdings ist es immer häufiger in Wirtschafts-Aspekten zu hören. Wikipedia definiert: „Resilienz beschreibt die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen.“ Business Circle widmet die PoP2012 (Jahresforum für die Personalwirtschaft) dem Thema „Resilienz und Change“. Was hat es mit dieser Resilienz auf sich?

Ich bitte Mag. Martina Schwind (Geschäftsführende Gesellschafterin, consentiv gmbH) zum Gespräch, denn consent hält gemeinsam mit dem Kunden Unilever (Jochen Wenderoth, HR-Unilever) einen Workshop mit dem Titel „Resiliente Unternehmen durch resiliente Mitarbeiter“ bei der PoP2012.



Warum erscheint Ihnen Resilienz gerade jetzt wichtig?

Ein Resilienzforscher hat sich schon in den 90igern darüber beschwert, dass es so viele Definitionen von Resilienz wie Studien gäbe. Je nachdem, welcher Definition man sich anschließt, so beschreibt Resilienz doch immer Ähnliches. z.B.: Die Fähigkeit von Menschen, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen. (Welter- Enderlin 2006).

So betrachtet, ist es IMMER notwendig, Resilienz zu besitzen. Denn es gibt wohl keinen Lebenszyklus, der frei von Krisen ist und das hat laut Resilienzforschung seine guten Seiten, da gemeisterte Krisen ein Entwicklungsturbo zu sein scheinen. Der legendäre Ausspruch der Tante Jolesch: „Gott soll mich schützen vor allem was no a Glück is“, wird unter den Resilienzforschern wahrscheinlich keine Anhänger finden. Denn die meisten Resilienzforscher halten Krisen für eine echte Entwicklungschance.

Dass der Begriff der Resilienz nun Einzug in die Wirtschaft gehalten hat, begrüße ich schon allein deshalb, weil mit Resilienz konstruktive Fragen in den Mittelpunkt gestellt werden. Statt der Frage: „Was führt dazu, dass immer mehr Mitarbeiter auf Grund von Überlastung psychisch erkranken?“ rücken Fragen wie: „Was kann ein Unternehmen tun, um die Fähigkeit der Mitarbeiter zu stärken, sich in Krisen zu entwickeln?“ ins Zentrum der Überlegungen.


Was bedeutet Resilienz  für die heutige Wirtschaft, für die Unternehmen in Österreich?

Dazu gibt es eine passende Geschichte: Ein Mann sucht im Lichte einer Straßenlampe seinen Schlüssel, den er gerade verloren hat. Nach einiger Zeit kommt ein Polizist vorbei und fragt den Mann, was er da mache. Als der Mann ihm vom Verlust seines Schlüssels erzählt, bietet ihm der Polizist an, beim Suchen behilflich zu sein. Doch die Suche ist nicht erfolgreich und nach einer halben Stunde fragt der Polizist den Mann, wo er denn seinen Schlüssel verloren habe. Der Mann deutet mit seinem ausgestreckten Arm in die Dunkelheit und sagt: „Irgendwo da hinten.“ Erstaunt sagt der Polizist: „Ja warum suchen Sie dann hier, wo Sie den Schlüssel gar nicht verloren haben?“ Ohne zu zögern antwortet der Mann: „Ja weil ich hier Licht von der Laterne habe.“

Resilienz bedeutet: nicht dort zu suchen, wo es bequem erscheint, sondern eine Taschenlampe zu verwenden oder die Umgebung mit Autoscheinwerfern zu erhellen, um effizient und erfolgreich zu sein.

Für die heutige Wirtschaft bedeutet das,

  • neue Wege zu gehen,
  • einen Paradigmenwechsel zu wagen,
  • sich mit Zukunftsszenarien auseinanderzusetzen, um Veränderungen rechtzeitig zu erkennen.
  • sich zu vernetzen,
  • sich auf Partner in schwierigen Situationen verlassen zu können,
  • die Unabhängigkeit Ihrer Mitarbeiter zu stärken, um deren Anpassungsfähigkeit zu erhöhen,
  • Flexibilität und Kreativität zu nutzen.


Das Thema der PoP2012 lautet „Resilienz & Change“. Worin liegt der Unterschied zwischen den beiden Parametern?

Die Frage lautet  für mich viel mehr, ob es überhaupt möglich ist, Changeprozesse erfolgreich zu führen, ohne resilienzstärkende Strategien zu berücksichtigen.


Interviewpartnerin: Mag. Martina Schwind (Geschäftsführende Gesellschafterin, consentiv gmbH) ist  Juristin, Mediatorin, systemischer Coach und hat sich  unter anderem als Assistentin von Herrn Prof. Mazal am Institut für Arbeitsrecht an der  Universität  Wien im Gleichbehandlungsrecht spezialisiert. Sie ist seit 13  Jahren als Trainerin tätig und seit 2005 geschäftsführende Gesellschafterin von consentiv.


Verantaltungs-Tipp

19-20april2012, PoP2012 – Power of People, Rust, Kosten: € 1.599,- Veranstalter: Business Circledirekter Link zur Info des Veranstalters

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