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Unbewusste Vorurteile – hab ich nicht!

Dunkelhäutige Menschen sind potentielle Verbrecher, ältere Menschen sind unflexibel, junge Menschen sind oberflächlich – welche Denkmuster tragen Sie in sich?

Unbewusste Vorurteile haben Auswirkungen auf Verhaltensweisen, Arbeitsmoral und Produktivität. Welche Strategien können uns davon abhalten, diese Filter zu verwenden? Die Kenntnis der eigenen Vorurteile – bewusste oder unbewusste – ist der erste Schritt auf dem Weg dahin, deren Auswirkungen auf die Menschen in unserem Umfeld zu verstehen. Das ist nicht immer angenehm und leicht, aber es ist ein erster positiver Schritt. Keine Angst Sie sind damit nicht alleine. Renommierte Forschung – z.B. Harvard und Yale – zeigt uns, dass sehr viele unserer Verhaltensmuster in Bezug auf Integration und Vielfalt unbewussten Überzeugungen unterliegen, was uns per se nicht zu schlechten Menschen macht, es ist einfach menschlich. Wir treffen jeden Tag Entscheidungen für oder gegen Menschen, ohne dass wir es überhaupt merken. Auf bewusster Ebene glauben wir fest daran, dass wir unsere Entscheidung vorurteilsfrei treffen.

Allen die nicht genau wissen, was ich meine sei der Film „Silent Beats“ von John Chu (auf Youtube) ans Herz gelegt. Dieser zeigt in sehr eindrucksvollen Bildern ohne Sprache, was unbewusste Vorurteile bewirken können. Ein effektives Hilfmittel um unbewusste Vorurteile zu testen ist der IAT Test (Implicit Association Test) erarbeitet und unterstützt von Forschern der Universität Harvard. Kostenlos können Sie sich selbst unter https:// implicit.harvard.edu/implicit testen.

Von Stolpersteinen und Karrierekillern

Vorurteile sind im Human Resources Bereich oder generell in Unternehmen bei der Beurteilung von Menschen durchaus Stolperstein oder Karrierekiller.  Unbewusste Voreingenommenheit kann sich während des gesamten Beschäftigungsprozesses in die Entscheidungen von Führungskräften einschleichen.

Im Bereich Recruiting könnten die Erwartungshaltung und Einstellung, vor allem in der Führungsebene dazu beitragen, proaktiv mit dem Thema umzugehen. Nutzen Sie als Führungskraft jede Gelegenheit, „den Team-Mix“ durch Neuanstellungen oder Beförderungen zu ändern, und wählen Sie stets den am besten für die Stelle qualifizierten Kandidaten aus. Bestehen Sie auf einer vielfältigen Kandidatenliste. Lassen Sie keinen Versuch aus, ein vielfältiges Team zusammenzustellen. Machen Sie es sich nicht bequem und suchen Sie nach Clonen Ihrerselbst.

Folgende 6 Schritte sollen Führungskräfte dabei unterstützen Vorurteile zu erkennen und zu vermeiden:

  1. Stehen Sie dazu, dass Sie Vorurteile haben, es ist menschlich
  2. Erkennen Sie, welche Vorurteile das sind
  3. Analysieren Sie Ihre Vorurteile
  4. Entscheiden Sie, welchen Ihrer Vorurteile Sie zuerst ausräumen möchten
  5. Werden Sie Ihre Vorurteile los
  6. Achten Sie auf Rückfälle!

Als Menschen stellen wir Vermutungen über andere allein aufgrund optischer Merkmale an. Frauen die zur Maniküre gehen sind “Tussis” – oder haben sie einfach keine Lust oder Zeit es selbst zu tun? Als Führungskräfte haben wir die Pflicht, die möglichen Auswirkungen unserer Vermutungen bewusst zu erkennen und daran zu arbeiten, diese zu minimieren; im Sinne einer Chancengleichheit für alle.

Der Aufbau von Beziehungen und das Festlegen von Erwartungen wird mit der Auseinandersetzung der einzelnen Personen verbessert. Halten Sie Kontakt zu Kollegen und Mitarbeitern. Bauen Sie eine eine  Beziehung zu Menschen auf (siehe Eisbergmodell), die anders sind als Sie. Anders gesagt, lernen Sie ihre Kollegen und Mitarbeiter kennen. Finden Sie Gemeinsamkeiten oder staunen Sie über all das, was sie von Ihnen noch lernen können.

Lob, Anerkennung und Vorurteile?

Leistungsmanagement, Anerkennung und Belohnungen sowie Weiterentwicklungsmöglichkeiten sollten nicht nur Mitarbeitern zu gute kommen die Sie bewundern oder den Mund reden. Mitarbeiter die nach 8 Stunden Feierabend machen sind faul – oder haben sie ihr Zeitmanagement einfach besser im Griff? Überlegen Sie sich anhand konkreter objektiver Punkte wie die Leistung ihrer Mitarbeiter zu bewerten ist. Holen Sie die Meinung von Kollegen oder Teammitgliedern ein. Werfen Sie ihre Vorurteile über Bord und sehen Sie die Menschen wie sie sind, nicht wie Sie sie gerne hätten. Akzeptieren Sie die Menschen in ihren Eigenschaften, die Vielfalt bringts.

Die Bedeutung für Ihre unmittelbar unterstellten Mitarbeiter, sich zugehörig und geschätzt zu fühlen, kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Ihr eigenes Verhalten hinsichtlich Integration hat enorme Auswirkungen auf die Motivation und Bereitschaft von Mitarbeitern, Ihr Bestes zu geben.

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