HRweb | Die erfrischende Plattform für Human Resources

Unsere heile Welt mit internationalen MA teilen

Wie gerne teilen wir unsere heile Welt in Österreich mit Mitarbeitern aus dem Ausland?
Oder: haben wir die Wahl? Ginge es auch ohne Migration?

Österreich ist mit Deutschland zusammen eines der Länder, in dem die wirtschaftliche Krise uns noch weitergehend verschont. Als Land der Seeligen werden wir von vielen ausländischen Arbeitnehmern gesehen und vor allem Junge versuchen häufig, der Aussichtslosigkeit ihres Heimatlandes zu entkommen. Dem kommt die aktuelle Kampagne der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) entgegen. In insgesamt 25 Mangelberufen werden ausländische Fachkräfte gesucht. Eine Möglichkeit dem Fachkräftemangel in Österreich den Kampf anzusagen?

Vergleicht man Werte von 50 % Jugendarbeitslosigkeit aus Spanien oder 10 % allgemeine Erwerbslosigkeit in Italien und sogar rund 25 % Arbeitssuchenden bei den 15- bis 24-Jährigen in Schweden, sind wir in Mitteleuropa die Insel der Arbeit. Diesen Ruf genießen wir auch in vielen angrenzenden Staaten. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel betreibt beispielsweise intensives Marketing für den deutschen Arbeitsmarkt. Im Ausland, so beispielsweise in Spanien, betont sie immer öfters, wie viele Ingenieure und spezialisierte Arbeitnehmer in Deutschland fehlen. Laut aktuellen Angaben von Arbeitgebern und Industrie sind das 210.000 Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker. In Zukunft wird diese Anzahl aber rapide ansteigen.

Hundstorfer zieht nach

Aber auch der österreichische Sozialminister Rudolf Hundstorfer lässt mit einer landesweiten Aktion aufhorchen. In einer Ende Mai veröffentlichten Liste von 25 Mangelberufen in Österreich, wird der Zugang zum Arbeitsmarkt für diese Stellen, vorrangig technischer Natur, einfacher. Nachdem am 1mai2011 mit der Arbeitsmarkteröffnung der EU, die erwünschte Zuwanderung in diesen Spezialanstellungen nicht erfolgt ist, sollen nun auch Nicht-EU-Bürgern diese Stellen offen stehen. Die aktuell vorliegende Liste umfasst beispielsweise handwerkliche Positionen wie Fräser und Dachdecker, Elektroinstallateure oder Krankenpfleger. Die Aufstellung soll ausschließlich für das Jahr 2012 gelten, eine Anpassung an aktuelle Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ist für Ende des Jahres geplant.

Dabei ist diese Mangelliste nur ein Punkt von vielen im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Mittlerweile haben schon 7 von 10 Arbeitgebern Probleme, geeignete Fachkräfte zu finden. Laut einer aktuellen Aussendung der WKÖ stehen weitere wichtige vier Punkte auf der To-Do-Liste: In SachenJugend & Bildung wird eine Ausbildungspflicht für Jugendliche gefordert. Um das Problem des Pensionssystem zu regeln, wird das Ende der Hacklerregelung und eine intensivere Kontrolle des Zugangs zur Invaliditätspension gefordert. Um die Frauenbeschäftigung voranzutreiben ist die Rede von mindestens 45.000 zusätzlichen Kinderbetreuungsplätzen. Komplettiert wird das ganze durch eineaktive Arbeitsmarktpolitik. Das bedeutet, dass Arbeitslosen bessere Betreuung geboten werden soll und man Erwerbstätige in Schulungen besser auf das weitere Berufsleben vorbereiten will.

Die konkreten Vorhaben der WKÖ

Spezialfall Spanien

Während im Allgemeinen versucht wird Talente aus dem Ausland anzuziehen, widmet sich eine Initiative speziell dem spanischen Arbeitsmarkt. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl setzt sich intensiv für die Anwerbung spanischer Fachkräfte ein. Die Industrie geht konform mit diesen Anstrengungen, denn insgesamt wäre es möglich bis zu 60.000 Spanier in den österreichischen Arbeitsmarkt zu integrieren. Aktuell sind es 30.000 Stellen, die aufgrund fehlender Personen mit den richtigen Qualifikationen nicht besetzt werden können.

Ohne Migration geht es nicht

Es sind verschiedenste Faktoren, die den Fachkräftemangel über die Jahre verursacht haben. Einer davon ist jedenfalls die niedrige Geburtenrate. Laut Experten wäre ein Wert von zwei Kindern pro Familie ideal, zur Zeit liegt die Zahl bei 1,4. Bereits mit der Einführung der „Rot-Weiß -Rot-Karte“ wurde ein erster Grundstein zur Integration von Talenten gelegt. Damals, Ende 2011, titelte die Tageszeitung Welt noch: „Österreich wirbt um hochqualifizierte Super-Migranten“. Schon viele andere Staaten sind sich der erhöhten Gefahr der Fachkräftemangels bewusst und haben diverse Systeme wie die „Green Card“ aus Amerika oder die „Blue Card“ aus Deutschland eingeführt um sich auch außerhalb ihres Landes als attraktives Arbeitsland zu präsentieren. Dass es ohne Hilfe von ausländischen Talente nicht geht, darüber sind sich die Arbeitsmarktpolitik einzelner Länder und eben auch die Experten schon längst einig.

Das Team auf den internationalen Zuwachs vorbereiten

Wie sollten sich Unternehmen nun auf die neue Politik am Arbeitsmarkt einstellen? Einige der erwähnten Mangelberufe sind vor allem im handwerklich-technischen Bereich verankert. Hier gibt es besonders viele KMUs, die ohne nötigen Fachkräftenachschub ihr erfolgreiches Wirtschaften nicht mehr gewährleisten können. Selbst wenn ein bestimmtes Level von Deutschkenntnissen gefordert wird, sind die sprachlichen Barrieren zu Beginn besonders heikel. Aufgrund kultureller Unterschiede ist eine Integration von internationalen Mitarbeitern nicht einfach und sollte bestmöglich geplant werden. Bereits bestehenden Mitarbeiter, die eine weitere Fremdsprache – optimalerweise natürlich Englisch beherrschen – sollten hier besonders intensiv miteinbezogen werden.

Kommunikation ist dabei das A und O. Die restlichen Mitarbeiter sollten über die neuen Anstellung auf jeden Fall zuvor informiert werden. Sinnvoll könnten etwa auch thematische Abende sein, in denen interessierte Arbeitnehmer mehr über den internationalen Arbeitsmarkt, die betreffende Kultur und allfällige Veränderungen in der Organisationsstruktur erfahren können. Bei der Universität Wien gibt es beispielsweise das sogenannte „Buddy“-Projekt, bei dem sich Freiwillige zur Verfügung stellen um dem neuen Studenten das für ihn fremde Universitätssystem zu erklären und auch sonst im neuen Leben Hilfestellungen leisten. Dieses Konzept wäre auch für Unternehmen in Erwägung zu ziehen.

Weitere Artikel des Recruiting Clubs finden Sie unter www.recruitingclub.at!

teilen

Ein Kommentar

  1. Catrin Trajkovski am

    Sehr gute Sachverhaltsdarstellung. Ich denke es besteht oft bei spanischen Arbeitskräften das Manko der deutschen oder englischen Fremdsprachkenntnisse. Hinzu kommt die mangelnde Bereitschaft zur Mobilität innerhalb von Europa.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.