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Leadership Horizon Conference

Trendige Wege in der HR-Ausbildung

Experten-Interview: HR-Ausbildungen

Nachdem ich meine Experten-Runde bzgl. HR-Ausbildungen im juni2012 einlud, Luftschlösser zu bauen und die „ideale HR-Ausbildung“ zu zeichnen, wird es heute konkreter – Schluss mit dem Fantasieren, es geht um Trends und Hintergründe:

Welchen Ausbildungstrend im Human Resources Bereich sehen Sie derzeit?
Und: Welche Gründe stehen Ihrer Meinung nach dahinter?

Mag. Beate Huber (FHWien): Trends: Die Professionalisierung der HR-Abteilungen führt dazu, dass immer öfter auch Themen bearbeitet werden, die bislang in anderen Fachabteilungen beheimatet waren. Typisch dafür sind Personalcontrolling oder auch Employer Branding. Beide Themen sind auch in der den Abteilungen der internen und externen Kommunikation zu finden. Personalmanager bilden sich daher auch in bislang fachfremden Themenbereichen weiter, um die facheigenen Aufgaben erfolgreicher bewältigen zu können und neuen Anforderungen gerecht zu werden. Gründe: Die Aufgaben des Personalmanagements sind komplexer und umfassender geworden. Sie befassen sich auch mit Themen, die im Schnittbereich mit anderen Fachabteilungen liegen. Romy Faisst (Business Circle): Trends: Employer Branding, Kompetenz- und Karrieremodelle, Talentmanagement, lebensphasenorientierte Personalpolitik. Gründe: Diese Themen haben einen gemeinsam Auslöser: Den demografischen Wandel, der nicht mehr in der Zukunft sondern der als reale Challenge vor der Haustür steht. Diese Tatsache betrifft Unternehmen aller Größen und Branchen. Der Wettbewerb um die besten Mitarbeiter und Modelle hat bereits begonnen. Mag. Armand Kaáli-Nagy (ÖPWZ): Trends: Es liegen sowohl Ausbildungen zum Generalisten als auch zum Spezialisten im Trend. Mehrtägige Komplett-Ausbildungen werden stärker als Tagesseminare gewünscht. Mitarbeiter suchen sich immer mehr selbst ihre passende Ausbildung aus, sie werden immer seltener vom Vorgesetzten „geschickt“. Es liegt auch im Trend, sich eine Ausbildung selbst zusammen zu stellen. Zwei Module aus dem einen Lehrgang, ein Tag aus dem anderen und vier Tage aus einer dritten Ausbildung. Gründe: HR-Manager von heute sind natürlich dafür verantwortlich, dass die „Basics“ wie Personaladministration und Personalverrechnung funktionieren, doch es ist eine Vielzahl an Themen dazu gekommen. Auch an den Ergebnissen der Studien „Struktur der HR-Abteilung“ des Forum Personal, erkennt man die Entwicklung der Disziplin des Personalmanagements und auch die wachsende interne Bedeutung dieser Funktion. Mag. Clemens Stieger (GfP): Trends: Es werden stärker Bedürfnisse der Personaler nachgefragt, weniger der unmittelbare Bedarf. Bedürfnisse umfassen das, womit sich HRler gerne beschäftigen – nicht unbedingt das, was vielleicht dringend ansteht in Unternehmen. An dem, was nachgefragt wird, hat sich wenig geändert: Neueinsteiger fragen Grundlagen an, erfahrene und ausgebildete HRler sind bezogen auf Weiterbildung weiterhin zögerlich. Beobachtbar ist, dass die Spezialisierung zunimmt. Die Modethemen sind weiterhin Talent Management, Potenzialanalysen, Retention, Leadership Development, Performance Management etc. Überraschend viel Aufmerksamkeit bekommt derzeit das Thema Gesundheit. Mit Social Media findet nach wie vor nur oberflächlich Auseinandersetzung statt. Gründe: Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Nachfrage von Personalisten zu den Themen meist reaktiv erfolgt: man wir mit dem Thema oftmals durch andere konfrontiert, die Geschäftsführung fragt nach, etc. Selten handelt es sich dabei um eine proaktive Auseinandersetzung. Dabei tut sich gerade einiges in Unternehmen. Seit einiger Zeit hat sich ein window of opportunity aufgetan: HR-nahe Themen bekommen Aufmerksamkeit. Die Treiber dafür ist der dringende Bedarf von Organisationen nach Innovation, Engagement der Mitarbeiter, Leistungsbereitschaft, Eigenverantwortung, unternehmerisches Denken etc. Dieses Zeitfenster beginnt aber langsam auch wieder zuzugehen. Es schaut sehr danach aus, dass HR diese Chance wieder nicht nutzen wird. Mag. David Schütze, MBA (WIFI Steiermark): Trends: Ein Trend den wir von unseren Absolventen stark verspüren ist der Wunsch nach Erfahrungsaustausch und Vernetzung. Aus diesem Grunde haben wir letztes Jahr auch ein Alumni-Programm unter dem Titel „HR Pur“ gegründet. Dieses bieten unseren Absolventen, aber auch anderen Führungskräften im HR Bereich Fachvorträge und Erfahrungsaustausch über den Abschluss der Ausbildung hinaus. Mag. Dr. Christa Walenta (Ferdinand Porsche FernFH): Trends: Inhaltlich geht es in Richtung Diversity-Management. An einem kompetenteren Umgang mit Vielfalt (seien es nun ältere Mitarbeiter, Eltern, Migranten, Behinderte oder aber Mitarbeiter in unterschiedlichen Arbeitsverträgen und Gehaltsklassen) und damit verbundenen Fragen der Gerechtigkeit und wirtschaftlichen und ethischen Herausforderungen in Unternehmen führt kein Weg vorbei. Univ.-Doz. Dr. Ralph Sichler (FH Wr. Neustadt): Trends: HR-Manager müssen darauf vorbereitet sein, als strategische Partner der Unternehmensführung aufzutreten. Und sie müssen berücksichtigen, wohin sich das Unternehmen entwickelt. Ein zweiter Trend: der Wertebezug. HR-Management hat es demgemäß mit Personen zu tun, die nicht nur Schräubchen in der Maschine Organisation sind, sondern Menschen mit Interessen, Gefühlen, Wertvorstellungen, Wünschen nach Entwicklung etc. Unternehmen, die darauf ihr HR-Management aufbauen, fahren besser: menschlich und auch vom unternehmerischen Erfolg her. Darauf weisen viele, auch selbst geführte, Studien hin. Gründe: Modernes HR-Management  muss der steigenden Komplexität in unserer Gesellschaft und in der Unternehmensführung gerecht zu werden versuchen. Gleichzeitig hat es Sorge dafür zu tragen, dass sich die Mitarbeiter in einem Unternehmen mit ihrer Arbeit und dem Betrieb identifizieren und selbst motivieren. Mag. Peter Baumgartner (ARS): Trends: Es kommen zunehmend Themen nach vorne, die sich vor allem dem immer stärker spürbar werdenden demographischen und sozialen Wandel widmen. So werden Themen im Recruiting und Employer Branding immer wichtiger. Der seit Jahren spürbare „War for Talents“ wird zunehmend auch für mittelständische Unternehmen eine Realität. Social Media und ein zeitgemäßes Diversity Management wird in Zukunft nicht nur für Großunternehmen ein wichtiger Beitrag sein. Gründe: Die hauptsächlichen Gründe liegen in wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen. Für viele Branchen ist die Knappheit an qualifizierten Leuten eine bedrohende Realität geworden, die gesetzlich verordnete Verlängerung der Lebensarbeitszeit braucht entsprechende begleitende Personalentwicklungsmaßnahmen und eine dynamische und wettbewerbsgetriebene Wirtschaft braucht ein hohes Maß an Flexibilität und Anpassungsbereitschaft. Prof. (FH) DDr. Alois Böhm (FH des BFI): Trends: Zunehmende Professionalisierung; Akademisierung der Ausbildung, IT wird immer wichtiger; Diversity und Interkulturelles Management gewinnen mehr Bedeutung; regionale Gegebenheiten werden mehr beachtet. Gründe: Globalisierung, HRM muss einen effektiven Beitrag zum Unternehmenserfolg liefern und nachweisen können. Peter Gerlich (Europe MPO): Trends: Ursachenidentifikation und Lösungsentwicklung zur Erreichung von Unternehmenszielen durch nachhaltige Maßnahmen (auch Trainings, aber nicht nur); proaktives internes Verkaufen von HR-Leistungen („mein Beitrag zum Unternehmenserfolg“); Ergebnisse statt Trainerpersönlichkeiten oder Seminare einkaufen; Konzepte zur Kosten-Reduzierung in der HR; Schöne Seminare vs. Personalentwicklung; Recruiting und Personalmarketing 2.0 (speziell Google+). Gründe: Kostendruck und Einsparungen bzw. Zusammenlegungen; Unzureichende Ausbildung bzw. eindimensionaler Fokus unserer Führungskräfte und Strategen in den Schlüsselqualifikationen; Neue Technologien und ständige Weiterentwicklung des Marktes; Einbrüche im Tagesgeschäft bzw. Lethargie der Ergebnisverantwortlichen. – Diese Abteilungsleiter sind angewiesen auf hilfreichen HR-Support.


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Die Gesprächspartner

Mag. Armand Kaáli-Nagy Generalsekretär Forum Personal

ÖPWZ – Österreichisches Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeits-Zentrum

www.opwz.com

Unternehmens-Profil | ÖPWZ


Romy Faisst Gründerin & Partnerin

Business Circle

www.businesscircle.at

Unternehmens-Profil | Business Circle


Mag. Peter Baumgartner Geschäftsführer

ARS – Akademie für Recht, Steuern & Wirtschaft

www.ars.at

Unternehmens-Profil | ARS


Univ.-Doz. Dr. Ralph Sichler Fachbereichsleiter

FH Wr. Neustadt

www.fhwn.ac.at

Unternehmens-Profil | FH Wr. Neustadt


Mag. Beate Huber
Leiterin Institut für Personal und Organisation / Kompetenzzentrum e-learning

FHWien – Studiengänge der WKW

www.fh-wien.ac.at


Mag. Clemens Stieger
Geschäftsführer

GfP Gesellschaft für Personalentwicklung

www.gfp.at


Mag. Dr. Christa Walenta
Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie Bachelor

Ferdinand Portsche FernFH

www.fernFH.ac.at


Mag. David Schütze, MBA Sektionsleiter

WIFI Steiermark

www.stmk.wifi.at/hrm


Peter Gerlich

Europe MPO


Prof.(FH) DDr. Alois Böhm

Fachhochschule des bfi Wien


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc Geschäftsführerin

HRweb Eva.Selan@HRweb.at www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


Mag. Eva Selan, MSc

Theoretischer Background: MSc in HRM & OE. Praktischer Background: HR in internationalen Konzernen und KMUs in Österreich und den USA. Nach langjähriger Tätigkeit beim Magazin TRAiNiNG als Chefredakteurin wechselte sie das Medium und gründete Ende 2010 das HRweb.

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