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Die eloquente & fließende Moderation

Von Sprache umflossen mit locker-leichten, harmonischen Worten, als sei Moderation das Natürlichste auf der Welt.

Manche stellen sich vor eine Gruppe und moderieren eine Veranstaltung mit eloquenten Worten. Andere sehen die Gruppe nicht mal, weil das Brett vor dem Kopf ihnen die Luft nimmt. Sprechtechniken und Moderation kann man lernen, zu einem gewissen Teil wenigstens. Welche Trends gibt es und welche persönlichen Voraussetzungen sind hilfreich, um ein potenziell guter Sprecher und/oder Moderator zu werden?

Welche Trends zeichnen sich in der Branche der Sprechtechnik ab?

Nina Strehlein: Es macht sich erfreulicherweise eine größtmögliche Annäherung an eine lockere, gepflegte Alltagssprache bemerkbar – im Idealfall professionell ausgeübt. Leider zunehmend – ausgelöst durch „Schnellbleichen“ – verwechselt mit ungeübter Nachlässigkeit

Arno Fischbacher (Stimme.at): Momentan kann man vier verschiedene Trends in der Branche der Sprechtechnik erkennen:
Trend 1: Mehr individuelles Sprachtraining für die Praxis: Bisher hatte man hauptsächlich ein funktionelles und somit traditionelles Verständnis von Sprechtraining. Hier ist ein deutlicher Trend hin zu mehr Lösungsorientierung erkennbar
Trend 2: Sprechtrainer brauchen Fach- und Wirtschaftskompetenz für ihre Kunden: Während Sprechtrainer früher vermehrt für einzelne Klienten gearbeitet haben, geht der Trend heute zum Workshop für Unternehmen.
Trend 3: Modernes Sprechtraining immer und überall: Ein weiterer Trend geht von der Übungsorientierung hin zu modernen Ansätzen des Alltagstransfers.
Trend 4: Sprechtraining als Erfolgsbeschleuniger in Vertrieb, Führung und Personalwesen: Früher galt das Sprech- und Stimmtraining eher als Angebot für Callcenter-Mitarbeiter und Radio-und TV-Moderatoren. Dieses Bild hat sich vollkommen gewandelt. Heute hat die Wirtschaft und insbesondere der Vertrieb die Macht der Stimme entdeckt, auch Führungskräfte nutzen öfter als früher Stimm- und Sprechcoaching

Günther Mathé, MBA (careercenter): Für viele Berufsgruppen (Moderatoren, Trainer, Pädagogen,…) ist Stimme und Sprache das Kapital, um erfolgreich zu sein, und damit sind Sprechtechniken zur Verbesserung, Stärkung und Erhaltung der Stimme ein wesentlicher Punkt. Hierbei ist die klassische „Korkenübung“ immer noch als Trend zu bezeichnen – alt jedoch bewährt – um seine Sprache zu verbessern gibt es für Profis nichts Besseres.

Welche Trends beherrschen derzeit die Moderation?

Nina Strehlein: Einerseits gibt es eine größere Nachfrage nach Authentizität, die kleinere sprechtechnische Mängel durchaus wettmachen kann. Andererseits zunehmende Akzeptanz gekünstelter „Zuckerguss“-Moderatoren, für deren berufliche Überlebenschance es allerdings noch keine Erfahrungswerte gibt.

Belinda Veber (Moderationstraining.at): Die Qualitätsansprüche der Kunden aber auch der jeweiligen Moderatoren steigt. Moderatoren distanzieren sich immer mehr von den aufgesetzten und somit untypischen Techniken und Handlungen auf und vor der Bühne. Sei es der Umgang mit dem Rednerpult, mit den Händen, z.B. die Raute der Macht (besser bekannt als des Angelika Merkel Zeichen) oder der Blick ins Publikum (Z-Blick, M-Blick, usw.) Authentizität ist gefragt und damit auch eine gewisse Glaubhaftigkeit. Nicht das WAS gesagt wird, steht im Vordergrund, sondern das WIE. Ist der Moderator von seinen Aussagen überzeugt und kann die Inhalte auch emotional vermitteln –  sprachlich und mit Mimik und Gestik –  kann er die Zuhörer so für sich und seine Botschaft begeistern.

Günther Mathé, MBA (careercenter): Ich habe in meiner beruflichen Praxis festgestellt, dass immer mehr Unternehmen auch bei internen Klausuren einen externen Moderator hinzuziehen. So können sich alle Teilnehmer auf die inhaltlichen Themen konzentrieren.

Welche persönlichen Fähigkeiten helfen, um ein guter Sprecher zu werden?

Arno Fischbacher (Stimme.at): Eines vorweg: das klassische Bild, man müsse extrovertiert sein, um ein guter Redner zu werden, stelle ich stark in Zweifel. Wie auch im Verkauf trügt das Anforderungsprofil „extrovertiert, große Klappe, sehr wortorientiert“ etc. Genau betrachtet, geht es heute weniger um die „schöne Rede“, um „gutes Sprechen“, als um messbare Ergebnisse auf Zuhörer- oder Kundenseite. Es kommt nicht darauf an, ob die Rede schön ist, sondern darauf, was sie in den Zuhörern auslöst, welche Handlungsschritte nach der Präsentation erfolgen. Es ist wichtiger und wirkungsvoller, wenn der Redner während des Sprechens in der Lage ist, seinem Auditorium beim Denken zuzuhören, als in hochgestochenem Hochdeutsch alle Regeln der klassischen Rhetorik zu befolgen und sein Publikum im Grunde im Regen stehen zu lassen. Gute Redner sind wie gute Verkäufer: Sie denken weniger über ihre Inhalte und kunstvolle Sprechweisen nach als über die Sorgen und Wünsche ihrer Zuhörer. Denn ein guter Zuhörer spricht über das, was seine Zuhörer bewegt.

Welche persönlichen Fähigkeiten helfen, um ein guter Moderator zu werden?

Günther Mathé, MBA (careercenter): Aktiv, gut zuhören zu können und inhaltlich den Überblick zu behalten, um gute Zusammenfassungen und Überleitung für die Zuhörer zu schaffen und bei Bedarf die richtigen Fragen zum Thema zu stellen. Eine positive Ausstrahlung mit einem freundlichen Lächeln – Menschen lieben es, in ein strahlendes Gesicht zu blicken. Die Fähigkeit sich im richtigen Moment einzuschalten bzw. im Hintergrund zu halten.

Belinda Veber (Moderationstraining.at): Der Moderator sollte ein offener Typ, ein Menschenfreund sein. Den Augenblick auf der Bühne genießen können. Auch ist eine persönliche Eigeninitiative z.B. bei der Recherche gefragt.  Moderatoren sollten sich ihrer Aufgabe bewusst sein – dem Vermitteln (Verkaufen) von Botschaften. Und das so fesselnd und bildhaft wie möglich. Authentizität und Glaubhaftigkeit steht im Vordergrund. Er sollte sich aber auch darüber bewusst sein, was sein Schwächen und seine Stärken sind.

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Branchen-Überblick | Moderations-, Präsenz- & Sprechtechnik-Training: diese & weitere Anbieter transparent nebeneinander gestellt

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Die Gesprächspartner

Belinda Veber
Inhaberin

Moderationstraining.at

www.moderationstraining.at


Günther Mathé
Geschäftsführer

careercenter

www.careercenter.at


Nina Strehlein

ORF-Sprecherin & Sprechtrainerin

www.strehlein.com


Arno Fischbacher

stimme.at


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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Ein Kommentar

  1. Christoph Mistelbauer am

    Danke für den hoch interessanten und überaus praxisnahen Artikel!

    Ich bin selbst leidenschaftlicher Moderator und kenne die dynamische Entwicklung der Anforderungen beider Seiten.

    Verantwortungsvolle Auftraggeber wollen ihr Produkt, ihre Message, ihren USP,… so professionell wie möglich kommuniziert wissen und sich auf eine/n ModeratorIn verlassen können um den Event selbst geniessen und um sich den Gästen/Interessenten ungeteilt widmen zu können.

    Ernstzunehmende seriöse ModeratorInnen und selbst ein gewisses Berufsethos vertreten, stellen an sich selbst sehr hohe Ansprüche in Punkto Professionalität (fundierte inhaltliche Vorbereitung, perfekt designte und pressefototaugliche Moderationskarten, genaue Ansprechpartner vor Ort, Anreiseplan, Zeitplanung, Eventablauf, Licht-Check, Sound-Check, dynamische Gestaltung, Briefing mit den Gesprächspartnern, Inszenierung, event-stimmiges und gepflegtes Erscheinungsbild, sympathische Natürlichkeit, …), wünschen sich mittlerweile aber auch einen gewissen Qulitätslevel der Auftraggeber.

    Wenn BEIDE Seiten Hand in Hand miteinander harmonisch zusammen arbeiten, dann steht dem erfolgreichen Event (für alle Seiten inkl. Publikum/Gästen) nichts mehr im Wege.

    Der Schlüssel dazu ist eine fundierte close-to-job-Ausbildung (großen Dank an Belinda Veber und dem Moderatorenpool), andauernde positive professionelle innerliche Einstellung und viel Erfahrung.

    Mit stimmigen Grüßen
    Christoph Mistelbauer

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