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Crowdsourcing: Eine Welt voller Ideen

Innovationen sind ein wichtiges Thema für Unternehmen. Mit Crowdsourcing können die Intelligenz und Kreativität von vielen für Innovationsprozesse  eingesetzt werden.

Gute Ideen und Innovationen sind das Lebenselixier von Unternehmen. Der Open Innovation Monitor 2012 der Innovationsgesellschaft in St. Gallen hat erhoben, dass immerhin für mehr als 70 % der Unternehmen Innovation ein „wichtiges“ oder sogar „sehr wichtiges“ Thema ist. Umso erstaunlicher ist, dass Innovationsmanagement zumeist wenig innovativ betrieben wird: um laufend an neue Ideen und  Verbesserungsvorschläge zu gelangen, setzen viele Organisationen nach  wie vor auf das altbewährte betriebliche Vorschlagswesen. Bei diesem Verfahren fungieren die eigenen Mitarbeiter als Ideen- und Wissenslieferanten.

Sichtweisen von außen, beispielsweise von Kunden, werden hingegen nicht generiert. Dabei gibt es bereits eine innovativere Lösung, bei der das Wissen und die Weisheit von vielen zur Ideengenerierung eingebunden werden können: Crowdsourcing. Bei dieser im deutschsprachigen Raum noch wenig bekannten und daher kaum eingesetzten Methode handelt es sich um Prinzipien, Prozesse und Internetplattformen, die zur Steuerung  von offenen und kollaborativen Arbeitsprozessen eingesetzt werden können. Die größte Stärke von Crowdsourcing sieht der Studienautor des  Open Innovation Monitor, Robert Rekece, in der Erschließung externer Wissens- und Kreativitätspotenziale: „Mittels Crowdsourcing-Prozessen  können die Vielfalt und Kreativität in der Ideenindung und Problemlösung erhöht werden, wodurch implizites Wissen von Kunden abgeholt werden kann.“ Gerade in der Phase der Produktentwicklung sei für Firmen die innovative Sichtweise von Kunden sehr hilfreich. „Ein Unternehmen ist damit in der Lage, die eigene, meist sehr fachspezifische Sicht auf ein Produkt mit frischen Ideen und Meinungen von außerhalb anzureichern, um damit neue Lösungsansätze zu finden“, ergänzt Jan Fischer, Geschäftsführer des Münchener Beratungsunternehmens innosabi.

Social Media-Plattformen

Crowdsourcing nützt die Kreativität und auch freiwillige Arbeitskraft von Menschen verschiedenster Herkunft, Berufsgruppen und Altersstufen.

Bei der Plattform unseraller.de werden beispielsweise User eingeladen, an Produktinnovationen mitzuarbeiten. Dabei können sie etwa abstimmen, welche Farben die neue Nagellackkollektion für Manhattan haben soll, oder wie der Fahrzeuginnenraum von Ford zukünftig aussehen soll. Der Einsatz in der Ideenfindung wird von den Unternehmen mit Rabatten und Gratisprodukten belohnt.

Auch Unternehmensberater Fischer hat positive Erfahrungen mit dem Einsatz der Web 2.0-Lösung gesammelt. Bei einem Innovationsprojekt  für Görtz 17 sollte eine Halstuchkollektion entwickelt werden. Durch  Einsatz von unseraller.de und einer Tab-App auf der Facebook Fanpage von Görtz 17 haben im Zeitraum von fünf Monaten mehrere tausend  Kunden drei unterschiedliche Wendetücher erarbeitet. „Sowohl die Anzahl  als auch die Qualität der Nutzereinreichungen waren überwältigend; von Buntstiftzeichnungen bis hin zu fertig genähten Tüchern gab es eine riesige Bandbreite an Vorschlägen. Das Endergebnis war eine sehr stimmige und neuartige Kollektion“, betont Fischer. Mittlerweile bilden sich auch laufend neue Webportale, welche die interaktive Leistungserbringung wettbewerbsmäßig organisieren oder Ideen einholen, die in Folge finanziell honoriert werden. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es einige Portale, auf denen Unternehmen kreative Leistungen ausschreiben. So finden sich im Bereich Design die Plattformen designenlassen.de oder WILOGO.  Auch auf innocentive.com, atico.com oder brainloor.com überlegen sich kreative Köpfe Lösungen für die ausgeschriebenen Problemstellungen.

Kulturelle Rahmenbedingungen

Die Vielzahl an vorhandenen Möglichkeiten von Plattformen und Social Media-Foren zeigt, dass die noch nicht vorhandene Akzeptanz der Unternehmen für den breiteren Einsatz von Crowdsourcing nicht an der fehlenden Softwareunterstützung liegt. Es braucht aber sehr wohl eine Entscheidung, welche Software sinnvollerweise eingesetzt werden soll. Jan Fischer empiehlt eine Crowdsourcing Software, die sich auf Produktentwicklung spezialisiert hat: „Andernfalls könnte die Flut an Informationen ein Unternehmen überrollen und das Projektteam könnte den Überblick verlieren.“

Studienautor Robert Rekece sieht die größte Herausforderung für die  Unternehmen in der Vertraulichkeitsproblematik und in den kulturellen Hürden: „der Einsatz von Crowdsourcing bedingt die Öffnung nach außen. Damit werden Unternehmen aber angreifbarer. Der Abluss von geistigem Eigentum oder die Offenbarung der Unternehmensstrategien wird befürchtet.“ Immerhin 50 % der in der Studie der Innovationsgesellschaft befragten Unternehmen nennen das Vertraulichkeitsproblem als Haupthürde im Einsatz von Crowdsourcing. Dennoch sind die Studienautoren überzeugt, dass sich dieses Problem mit den richtigen Rahmenbedingungen lösen lässt. Mittels sogenannter e-collective Work-Plattformen können in Zeit mehrere tausend Nutzer-Insights gesammelt werden. Beispielsweise durch die „monodirektionale Kommunikation“: „Dabei antworten die  Nutzer auf die Frage des Unternehmens, ohne die Antworten anderer Nutzer zu sehen. Dieser Ansatz bietet sich für geheime Projekte an“, erklärt innosabi Geschäftsführer Fischer. Auch Claudia Pelzer (Medienberaterin und Betreiberin des Crowdsourcing Blogs) sieht die größte Herausforderung im Managen des Innovationsprozesses: „Viele Unternehmen unterschätzen leider immer noch die Arbeit, die dahinter steckt. Zudem muss der Prozess intern so verankert sein, dass er nicht auf Gegenwehr oder Skepsis bei den eigenen Mitarbeitern stößt. Diese müssen im Idealfall bereits sehr früh mit in die Projekte eingebunden werden. Gerade diese Fragen müssen im Vorfeld geklärt werden, welche Plattform und wie der richtige Umgang mit Intellectual Property auf Nutzerseite und der Geheimhaltung auf der Unternehmensseite auszusehen hat“, schildert Fischer aus seinen Projekterfahrungen.

Der Open Innovation Monitor hat auch untersucht, ob der geringe Einsatz von Crowdsourcing mit der mangelnden Akzeptanz für webbasierte Arbeitsformen durch Digital Immigrants – also die vor 1980 Geborenen – zu erklären ist. Dabei stellte sich heraus, dass die reservierte Haltung auf die fehlende Methodenkompetenz dieser Beschäftigtengeneration zurückzuführen ist. Mit dem dynamisch fortschreitenden Einsatz von Social Media in Unternehmen werden aber wohl zukünftig auch neue innovative Formen wie Crowdsourcing das betriebliche Vorschlagswesen im Innovationsprozess ergänzen.

(Dieser Fachbeitrag ist auch erschienen in SUCCEED 01/2013)

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