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Dresscode: Tipps & Tricks

„Kleide nicht für den Job den du hast sondern für den den du haben möchtest“, dieser Spruch bewahrheitet sich immer wieder. Und sobald man der eigene Alltags-Kleidungs-Stil gefunden ist, stößt man dennoch immer wieder auf die Dresscode-Frage v.a. bei ungewohnten Situationen: beim Halten von Präsentationen, für wichtige Kundengespräche, nach einem Jobwechsel bevor die Firmenkultur noch bekannt ist, etc.

Das Recruting-Club-Team stellte in einem Interview mit Elisabeth Motsch (Speaker, Trainer und Spezialistin für den Erfolgsfaktor Kleidung und Umgangsformen) einige Tipps zusammen, ist das eine oder andere für Sie dabei?

Eine kurze semantische Fragen zum Einstieg: Hat jemand der Stil besitzt auch gleichzeitig Style?

Definitiv. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Hat jemand Stil, dann hat er einen guten Geschmack und man empfindet seine Stilrichtung als stilvoll. Style hingegen ist eine – meist gerade aktuelle – Moderichtung, die ein Mensch mit echtem Stil nur dann trägt, wenn sie ihm auch wirklich steht. Stil kommt nie aus der Mode, sondern ist der Ausdruck einer Verbindung des Inneren mit dem Äußeren. Style kann schnell abgekupfert und verkleidet wirken. Italiener z. B. haben für mich Stil und bleiben diesem treu nach dem Motto: „Man braucht nicht viel, nur das Richtige“!

Der richtige Stil – Wie wichtig ist dieser Aspekt beim Thema Führung?

Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, den leider viele Menschen betreffend ihre Karriere noch immer stark unterschätzen. Sehr oft höre ich in meinen Coachings Aussagen wie „Was hat denn die Farbe meiner Krawatte mit meiner Kompetenz zu tun? Meine Leistung wird doch dadurch nicht schlechter oder besser.“ Das ist von der reinen Logik her zwar richtig, aber trotzdem ein ganz falscher Ansatz. Ich kann davor nur warnen. Denn auf diese Weise könnte ein Kandidat, der seinen persönlichen Stil vernachlässigt, aber der der viel besser geeignete Mitarbeiter wäre, im Job-Karussell leicht übergangen werden. Übergangen wegen eines weit weniger kompetenten Kandidaten, der es jedoch versteht, die richtigen Stil-Register zu seinen Gunsten zu ziehen. Ganz sicher ist: Die Einschätzung der Kompetenz wird durch die Kleidung mit beeinflusst. Menschen, auch Recruiter, neigen dazu, die Welt in Schubladen zu stecken, um sie zu verstehen. Der richtige Stil ist Teil eines sozialen Spiels, bei dem bewusst oder unbewusst Kompetenz, Sympathie, Vertrauen und Macht abgefragt werden. Wer Erfolg haben will und seine Führungskompetenz auch optisch zu unterstreichen wünscht, sollte sich seinen individuellen Stil aneignen, die Farb- und Stilcodes kennen und sich authentisch kleiden. Wer in der Kleidung mit sich selber identisch ist, wirkt auch auf andere authentisch. Jemand der führt, hat eine Signalwirkung seinen Mitarbeitern und Kunden gegenüber. Führungskräfte sollten sich besonders stilvoll und passend zum Unternehmen kleiden, um mit dieser Vorbildfunktion von Stabilität und Vertrauen auch den Kleidungsstandard ihrer Teams zu heben.

Dabei stehen wir immer einer gewissen Gratwanderung zwischen Individualismus und Konformismus gegenüber. Zuviel vom einen oder anderen ist selten die Lösung. Der Grad an Individualismus, den wir in unserem Erscheinungsbild zulassen sollten, hängt stark von der Persönlichkeit ab. Auf jeden Fall gilt: Konformismus mit einem Schuss Individualismus ist heute im Geschäftsleben eine gute Mischung, um sich seine Authentizität zu bewahren und nicht uniform zu wirken.

Gestreift, gepunktet oder unifarben – Was ist die passendste Krawatte, die jeder Mann als Basic-Kleidungsstück im Schrank haben sollte?

Diese Frage kann ich pauschal nicht beantworten, weil sie vom jeweiligen Mann und seiner Statur abhängig ist. Als generelle Regel kann ich mitgeben, dass eine Krawatte mit Allover Muster (kleine Muster, die sich geometrisch wiederholen) den meisten Männern gut steht. Ein Basic, mit dem kein Mann etwas falsch machen kann, sind auf jeden Fall auch einfärbige Krawatten mit Stoffstruktur.

Die Krawatte ist ein kleines Stück Stoff mit sehr großer Wirkung. Eine Krawatte steht immer für Macht, Seriosität und Kompetenz. Sie ist das klassische Symbol für Business und damit für Erfolg. Das Tragen einer Krawatte zeigt, dass man Wert auf einen professionellen Auftritt legt und damit sein Umfeld und den Anlass würdigt.

Aus meiner Coaching-Praxis weiß ich sehr gut: Die Auswahl der geeigneten Krawatte stellt viele Männer vor große Probleme. Selbst wenn sie sich in der Farbe ihres Anzugs, der Farbe des Hemdes und der Farbe der Krawatte sicher sind, die Wahl des passenden Musters stellt viele vor eine richtige Herausforderung. Hier eine kleine Orientierungshilfe für diese Situationen:

  • Große Muster sind im Business ungeeignet. Je kleiner und ruhiger das Muster, desto besser.
  • Streifenkrawatten sind für viele Männer eine gute Wahl, wenn die Streifen nicht zu breit und die Farben nicht zu laut sind. Eine Streifenkrawatte wirkt dynamisch und vermittelt automatisch Power. Sie sieht bei fülligen Männern jedoch nicht so gut aus, da deren Körperbau wenig Dynamik vermittelt und somit in Disharmonie zur starken Dynamik der Krawatte stehen kann.
  • Punkte wirken immer sehr edel. Kleinere Punkte wirken formeller als große Punkte. Es gibt sie als Druck oder in einer Jaquardwebung. Punkte-Muster sind nichts für harte, kantige Männer.
  • Der Klassiker bei Krawatten sind Paisleys, sie kommen ursprünglich aus Indien. Sie sehen aus wie kleine Tropfengebilde. Kleine Paisleys wirken klassisch, große Paisleys exotisch. Kleine Paisleys trägt ein klassischer Mann, große Paisleys wirken bei exotisch aussehenden Männern, sind aber nichts fürs strenge Business. Sie sind z. b. auch Ton in Ton ein Klassiker bei Hochzeitskrawatten.
  • Allover oder geometrische kleine Muster sind eine gute Wahl für einen sehr stilvollen Mann mit Klasse. Sie sollten jedoch in den Farben, Größen und Mustern zurückhaltend sein, sonst gehen sie schnell in Richtung Motivkrawatte, die im Business ungeeignet ist. Diese Art von Krawatte ist eine sehr gute Wahl für füllige Männer.
  • Die einfarbige Krawatte hat wieder Hochsaison. Sie vermittelt sehr viel Klarheit. Sie sollte auf keinen Fall glänzend sein, damit sie im Business-Bereich keinen festlichen Charakter vermittelt. Es gibt sie in Jaquard und dezenten Webstrukturen. Diese können fast alle Männer tragen.
  • Und Achtung: Käfer, Elefanten, sonstige Tiere oder gar kleine Blümchen haben im Business nichts verloren.
Bei Männer ist das absolute Basic die Krawatte. Was ist dazu das Pendant der Frauen, das im Berufsalltag nicht fehlen sollte?

Das Pendant der Frauen ist ein Tuch, sofern man das mag und/oder eine dezente und zurückhaltende Kette, die zum Outfit passt und die nicht sofort zu auffallend ins Auge springt. Das hat seinen Sinn, denn: Je auffälliger der Schmuck ist, den eine Frau trägt, umso mehr lenkt dieser von ihren Inhalten ab, da der Schmuck ein Eye-Catcher ist. Und das meine Damen, ist doch sicher nicht unser Business-Ziel!

Um die Karriereleiter hinaufzuklettern, ist es unter anderem wichtig, dass man sich zu einer Marke, zu einer sogenannten „Ich-Brand“ entwickelt. Wie wichtig ist die Kleidung in diesem Fall?

Erfolgreiches Selbstmarketing erfordert zu allererst Kompetenz, und wer über das nötige Know-How verfügt und sehr gute Arbeit leistet, kann in Verbindung mit dem passenden Outfit durchaus selber zur Marke werden. Die Wirkung der Kleidung muss diese Kompetenz und Seriosität unterstreichen, auf die eigene Persönlichkeit und auf den Anlass zugeschnitten sein. Was dabei besonders zählt, ist der Wohlfühlfaktor in der gewählten Kleidung, auch wenn es sich um „strengere“ Businessoutfits handelt. Wir sind alle in irgendeiner Form aufgerufen, uns zu vermarkten, egal ob als selbständige Unternehmer oder als Angestellte. Hier sollten wir die Kleidung als Ausdruck unserer Persönlichkeit nutzen, um eine eigene Marke zu entwickeln und damit im Kopf unseres Gegenübers positiv verankert zu sein.

Von welchen Styling-Fehlern in Unternehmen würden Sie auf jeden Fall abraten?

Erstes Ziel ist, immer einen professionellen Eindruck zu hinterlassen. Ein gepflegtes Äußeres sollte für jeden selbstverständlich sein. Auf jeden Fall zu vermeiden: Auf einer Veranstaltung nicht dem Anlass entsprechend gekleidet zu erscheinen, die CI sowie den Dresscode des Unternehmen zu ignorieren und nur sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Ansonsten gilt Folgendes:

  • Business-Kleidung sollte eher konservativ als super modisch sein, um seriös und kompetent zu wirken, ausgenommen in kreativen Branchen
  • Je höher eine Position ist, umso zurückhaltender sind Farben und Stil der Geschäftskleidung
  • Frauen achten dabei auf folgende Punkte: Nie zu kurz, nie zu lang, nie zu laut, nie zu bunt, nie zu auffällig. Weniger ist mehr!
  • Nie unbedeckte Arme zeigen, im Sommer im Kostüm nie ohne Strümpfe, keine offenen Schuhe und Trägerkleidchen
  • Generell gilt: Sobald der Stil eines Outfits Freizeitcharakter zeigt, nicht ins Büro anziehen!
  • Anzüge, Hosenanzüge oder Kostüme, die schlecht sitzen vermeiden
  • Zu kurze Socken oder weiße Socken sind ein Unding
  • Zu kurz gebundene Krawatten und Hemdkragen mit Krawatte sichtbar offen
  • Abgetragene Schuhe, die nicht zum Kleiderstil passen, verhindern Ihre perfekte Wirkung
  • Und vermeiden Sie den ultimativen Faux Pas: Den im Unternehmen herrschenden Dress Code zu missachten!
Zum Abschluss: Wen können Sie als Paradebeispiel einer perfekt gekleideten Person nennen?

Für mich ist das auf jeden Fall Sky Dumont, dann Udo Jürgens, Franz Beckenbauer, Hans Krankl, Königin Maxima von den Niederlanden, Elisabeth Gürtler und Desireé Treichl-Stürgkh. Diese Menschen sind zwar in ganz unterschiedlichen Umfeldern unterwegs, aber sie alle haben das gewisse Etwas in ihrer Kleidung.

Interview-Partnerin: Elisabeth Motsch ist Speakerin, Trainerin und Spezialistin für den Erfolgsfaktor Kleidung und Umgangsformen. Weitere Infos erhalten Sie auf ihrer Homepage: www.Motsch.at

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Ein Kommentar

  1. Paul am

    Am besten man zieht gleich eine der Firmenkrawatten an.

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