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Teambuilding: ein volles Boot schweißt zusammen

Was kann man von einer Schiffsreise über den Nordatlantik über Teambuilding lernen? Und welche Gemeinsamkeiten haben ein Boot und ein Unternehmen in Hinsicht auf Kapitän und Mannschaft? Das folgende Interview mit dem Wissenschaftler Dr. Dominique Görlitz gibt Antworten auf diese Fragen.

Sie wagten mit neun Männern und zwei Frauen auf 40 m² eine Expedition vom Nordatlantik in Richtung Spanien. Das Ganze ist unter dem Namen „ABORA“ bekannt geworden. Ihre Reise dauerte zwei Monate. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie aus dieser Erfahrung gezogen haben?

Segeln mit einem Binsenboot über den Nordatlantik, zudem ohne Eskorte auf einer der stürmischsten Wasserstraßen der Welt, ist eine Erfahrung, die man sich für kein Geld der Welt kaufen kann! Das Hauptziel unserer Expedition bestand in dem Nachweis, dass ein solches Fahrzeug dem mäandernden Golfstrom durchaus folgen und sich aus den überstarken Wasserwirbeln freisegeln kann. Dieser Nachweis wurde von uns erbracht, wenngleich das geographische Ziel „Europa“ durch die vorzeitige Beendigung der Fahrt vor den Azoren leider nicht erreicht wurde.Dr. Dominique Görlitz

Neben all diesen wissenschaftlichen Fragen stellte die Seereise auch eine enorme Herausforderung für die Besatzung dar, denn im Unterschied zum Admirals Cup oder der Volvo Ocean Race waren auf dieser Reise keine hochbezahlten Segelprofis an Bord. Jeder Mitsegler, ob Frau oder Mann, tat sich diesen Stress, diese Belastung und auch die lange Trennung von zu Hause freiwillig und ohne den geringsten Lohn an! Wir waren also wirklich das vollständige Gegenteil einer „Söldnertruppe“, eine solche rückt ja nur gegen schnöden Mammon auf eine schwierige Mission aus, sondern eine wunderbare Gruppe von Menschen, die diese Expedition als ihre Mission ansahen und voll motiviert waren! Für mich als Expeditionsleiter ist das wirklich unser größter Erfolg im Sinne von Teambuilding, dass wir bis zum Ende ohne Streit, gegenseitigen Enttäuschungen, Schuldzuweisungen oder Ausscheiden von Mitstreitern durchgehalten.

Schiffe sind Ihre große Leidenschaft – Ist es möglich eine Parallele von einem Boot zu einem Unternehmen zu ziehen? (Stichwort Kapitän, Mannschaft etc.)

Es gibt auf jeden Fall deutliche Parallelen. So ist der Vergleich zwischen einem Boot und einem Unternehmertum schon deshalb gerechtfertigt, weil alle Beteiligten in beiden Fällen von äußeren Rahmenbedingungen „fremd“-bestimmt wird, welche wir weder beeinflussen noch uns entziehen können! Das einzige, was Sie bei einer solchen Expedition als Kapitän oder als Führungskraft beeinflussen können, sind Ihre eigenen Leute. Hier entscheidet sich Erfolg oder Misserfolg im „Haifischbecken des Unternehmertums“ oder wie in unserem Falle – im Nordatlantikbecken. Die eigenen Crewmitglieder sind das wichtigste Kapital. Sie stärken Ihnen bei Sturm oder auch bei schönem Wetter den Rücken. Gott sei Dank begreifen das auch immer mehr Unternehmen als große Chance im Zuge der fortschreitenden Globalisierung.

Auf das Teambuilding, das ja in vielen Unternehmen ein Thema ist, umgemünzt: Würden Sie solch eine intensive Erfahrung jedem Arbeitsteam empfehlen?

Ich denke, auf eine so komplexe Frage gibt es keine eindimensionale Antwort. Das hängt immer von Zeit, Ort und den Bedingungen im jeweiligen Unternehmen ab. Ich denke außerdem, es geht nicht so sehr um die viel gepriesene „intensive Erfahrung“, sondern vielmehr darum, wie man die Vielfalt, die Eigenheiten und auch personellen Unterschiede im Team richtig erkennt, für die jeweiligen Herausforderung entsprechend zusammenstellt und richtig mit genau diesen Unterschieden der Leute umgeht! Das ist eine immens wichtige Eigenschaft eines Teamleiters, sich seine Leute nicht nach seiner Vorstellung zu modellieren, sondern das bereits vorhandene Potential richtig auf das Unternehmensziel einzuschwören. Denn nur dann kann so etwas wie der viel gepriesene „Schwarmeffekt“ entstehen, dass der Kapitän vorne wegsegelt und die Crew hochmotiviert hinterher fliegt …

Klar, das passiert nicht im Selbstlauf, sondern dafür muss man als Führungskraft Zeit, Geduld sowie Wissen investieren und vor allem mit viel Begeisterung vorangehen!

Bleiben wir gleich beim Teambuilding: Vom gemeinsamem Kochen bis zum Sportausflug, welche Maßnahmen sind wirklich effizient, um das Miteinander zu stärken?

Egal, was Sie in Ihrer Firma anstellen, machen Sie es mit Begeisterung und positiver Emotion. Spätestens seit Prof. Gerald Hüter wissen wir ja, wie unsere menschlichen Gehirne ticken. Zudem bin ich ja auch promovierter Biologe und versuche mich an das zu halten, was mir meine Ausbildung vermittelte. Und ich glaube, dass die Aktivitäten mit Kopf, Hand und Herz in unserer Projektgruppe ein schönes Symbol bilden. Möglicherweise können sich einige Unternehmen ein Beispiel von uns holen, wie man mit einfachen Impulsen und elementaren Erfahrungen das Team kraftvoll beieinander hält. Keinesfalls braucht es da immer den besonderen Kick oder höher, schneller, weiter … Authentische Aktionen, die die Mitarbeiter innerlich berühren, die Einheit innerer und äußerer Werte vermitteln sind es, die die Menschen lieben und die diese zu Bestleistungen motivieren!

Müssen es denn immer teamfördernde Maßnahmen sein? Was sind Ihre weiteren Motivationstipps für das Miteinander von Mitarbeitern und Arbeitgeber?

Ich bin überzeugt: Sie können keinen Menschen auf der Welt direkt motivieren!!! Sie können als Leiter immer nur Motive anbieten, so vielfältig wie möglich, und darauf vertrauen, dass zumindest ein großer Teil Ihrer Belegschaft, diese genauso wahrnimmt, wie sie es gerne meinen…

Natürlich gibt es bestimmte Gepflogenheiten, die gestern wie heute schon immer gut funktioniert haben. Sei es die Jahresabschlussfeier, ein gemeinsamer Ausflug oder eine spezielle, attraktive Weiterbildungsmaßnahme, die über das normale Tagesgeschäft hinausgeht. Hier empfehle ich zu probieren, was Ihnen selber Spaß macht, denn nur dann können Sie ihre eigene Begeisterung auch auf andere übertragen! Ich denke, das wird von vielen Führungskräften unterschätzt, weil es manchmal schwer fällt, einfach authentisch und direkt zu sein.

„Erfolge sind immer Teamsache“, liest man bei Ihrer Autorenbeschreibung im Netz. Ist dieses Zitat allgemeingültig oder bestätigt hier die Ausnahme manchmal auch die Regel?

Jede Regel besitzt immer auch eine Ausnahme. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch nicht vollmundig klingen, dass ich mit meinem Engagement alleine die Leute zusammenhalte … Ich frage mich angesichts der 13 Stürme, die wir bei ABORA III gemeinsam durchlitten haben, immer noch, warum meine Crew nach der Heimreise nicht das Weite gesucht hat und trotz der vielen Schwierigkeiten wieder zu meinen ABORA Aktivitäten zurückkehrt? Als normales Teammitglied hätte ich bestimmt schon lange das Handtuch geworfen. Aber das ist eben das Geheimnis der Gruppe. Da passieren interpersonelle Wechselwirkungen, die man auch mit bestem akademischem Wissen nicht erklären kann.

Und deshalb: Ausnahmen in Sachen Erfolg mag es auch bei Individuen und losen Gruppen geben. Aber ein gutes Team ist eben mehr als nur die Summe seiner Einzelteile! Aus diesem Grund steht auch bei der Vorbereitung neuer ABORA Missionen wieder im Vordergrund, der künftigen Crew klar zu machen: „Ja, Erfolg ist immer Teamsache.“

Interviewpartner: Der Wissenschaftler Dr. Dominique Görlitz besitzt jahrelange Erfahrung in der Experimentalarchäologie und beschäftigt sich vor allem mit dem Phänomen des transozeanischen Kulturaustausches, zum Beispiel auch in seinen zahlreichen und spektakulären ABORA Expeditionen. Weitere Infos zu diesem Projekt finden Sie auf: www.abora.eu

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