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Train the Trainer-Ausbildung | Welchen Unterschied macht ISO 17024?

Eine Train the Trainer-Ausbildung oft sehr praxisbezogen. Und das ist gut so. Doch heute fällt der Blick auf dahinterliegende Normen, Formalitäten und Administration: Die Zertifizierung ISO 17024 (zertifizierte FachtrainerIn).

Liebe Train-The-Trainer-Ausbildungs-Anbieter, schart euch um mich, ich bitte zum Interview: ISO 17024 – was bringt’s, wer bietet es an, worin liegt der Nutzen, wer ist der Gewinner im Zertifizierungs-Spiel, …

 

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Was ist der Kern dieser Zertifizierung „ISO 17024 (zertifizierte FachtrainerIn)“, welche Relevanz hat sie für die Train the Trainer-Ausbildung?
… für den Trainer

Sabine Prohaska (seminar consult prohaska): Die ISO-Zertifizierung ist ein möglichst objektiver Nachweis über die vorhandenen individuellen Kompetenzen als Trainer. Eine unabhängige dritte Instanz bestätigt, dass der Trainer über gewisse Erfahrung, Ausbildung und Wissen verfügt. Weiters erfordert die Zertifizierungen regelmäßig eine Rezertifizierung, um zu gewährleisten, dass die Kriterien weiterhin eingehalten werden.
Neben dem Erbringen von Nachweisen über Ausbildungen, Berufserfahrung und Trainingserfahrung gibt es auch eine Prüfung. Diese besteht aus der Präsentation einer Praxisarbeit inklusive der Simulation einer Live-Sequenz aus dem Kurskonzept. Danach werden Verständnisfragen zum Kurskonzept bzw. der Simulation gestellt. Weiters gibt es noch einen schriftlichen Teil, ein mind. 20 Fragen umfassenden Multiple Choice Test.

… für das Ausbildungs-Institut

Günther Mathé, MBA (careercenter): Jedes Institut, welches über die ISO 17024-Zertifizierung verfügt, bietet eine Trainerausbildung an, die gewisse Standards aufweist. Die Ausbildung beinhaltet sowohl einen theoretischen als auch einen praktischen Teil und wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Meiner Meinung nach ist der entscheidende Punkt, dass die Ausbildungsprogramme der Institute laufend von einer externen Stelle überprüft und bewertet werden, Interessenten können sich so sicher sein, dass die Ausbildung über entsprechende Standards verfügt.

… hinsichtlich tatsächlicher Vergleichbarkeit

Elisabeth Jelinek (Jelinek Akademie): Das ist eine gute Frage. Vergleichbarkeit europaweit, Mindestanforderung an Qualität? Zumindest gehen die Bestrebungen in so eine Richtung sagt „man“.Ich sehe allerdings noch andere „Kerne“: unglaublichen Administrationsaufwand, Mehrkosten für den Anbieter und für die Kunden. Firmen, die sich mit den Akkreditierungen ein Wettrennen liefern. Was da so alles akkreditiert wird! Auf alle Fälle fließt Geld – von wo wohin? Wieviele Akkreditierungsfirmen gibt es eigentlich?

Ist Ihre Train-the-Trainer-Ausbildung ISO 17024 zertifiziert?

Careercenter:
ANKH.AT:
seminar consult prohaska:
Jelinek Akademie:
beratung.training.coaching:

ja
nein
ja
ja
nein
Was bringt es den Teilnehmenden während der Ausbildung, dass sie die Train-the-Trainer-Ausbildung bei einer ISO-zertifizierten Organisation absolvieren?

Elisabeth Jelinek (Jelinek Akademie): In unserem Institut gar nichts. Alleine der ganz normale Zertifikatslehrgang unseres Hauses, den wir erfolgreich seit 26 Jahren im Programm haben bietet alle geforderten Inhalte. Wir verleihen auch seit 26 Jahren ein Diplom zum Businesstrainer aber erst nach einer vertiefenden Ausbildung mit mehr Inhalten, ausführlicher Supervisionsarbeit und einer intensiv betreuten theoretischen Arbeit. Ich habe Sorge, dass viele Trainer sich seit der ISO-Zertifizierung alleine mit dieser Mindest-Qualifikation zufrieden geben.

Sabine Prohaska (seminar consult prohaska): Die Zertifizierung gibt Sicherheit, dass gewisse Grundvoraussetzungen vorhanden sind. Das ist besonders wichtig, da sich die Trainerausbildungen am Markt qualitativ sehr stark unterscheiden. Die Zulassung als Ausbildungsstelle der Kompetenz „ISO zertifizierter Fachtrainer“ zeigt, dass ein gewisser Qualitätsstandard in der Aus- und Weiterbildung von Trainern eingehalten werden muss. Um als Ausbildungsinstitution die Zulassung zu bekommen, muss eine Akkreditierung durchlaufen werden. Sowohl die Organisation der Ausbildungen (Konzept, Werbung, Zielgruppe, Dienstverträge, Evaluierung), die Inhalte (Inhalte, Methoden, didaktischer Aufbau, Lehrziele) als auch das Lehrpersonal (Auswahlkriterien für Trainer, Nachweise über Ausbildungen der Trainer, Nachweis über Praxiserfahrung der Trainer) werden sehr genau geprüft wird.
In den letzten Jahren ist das Thema Trainerzertifizierung in den Personalabteilungen vor allem bei großen Unternehmen im Vormarsch. Ich kenne einige Institutionen, die ausschließlich ISO zertifizierte Fachtrainer in ihren Pool aufnehmen. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Andrea Khom (ANKH.AT): Um eine ISO Zertifizierung zu erhalten müssen Ausbildungsinstitute sich vielen verschiedenen Audit-Fragen stellen und somit ihre Angebote kritisch hinterfragen und gegeben falls adaptieren.Dies sichert den Teilnehmern eine gleichbleibend Qualität, eine fundierte, strukturierte und Mindest-Standards und Mindest-Stunden erfüllende Ausbildung. Dadurch haben Sie ausreichend Möglichkeit das neu erworbene Wissen aufzunehmen, zu verarbeiten, damit zu experimentieren, in der Gruppe anzuwenden und – das Wichtigste – Feedback dazu zu erhalten.
Die meisten zertifizierten Ausbildungs-Institute arbeiten mit zertifizierten Trainern und Trainerinnen zusammen. Diese Personen-Zertifizierung stellt sicher, dass die TrainerInnen State of the Art arbeiten, selbst eine reflektierte Trainer-Persönlichkeit sind. Denn sich so einer Zertifizierung zu unterziehen bedeutet, dass der Trainer bereit ist, sich kritisch zu betrachten, Feedback zur Persönlichkeit und zum Auftreten als Trainer zu bekommen, die eigenen Konzepte und Didaktik unter die Lupe zu nehmen.

Was bringt es den Teilnehmern nach Abschluss der Train the Trainer-Ausbildung in ihrer Berufsausübung?

Ina Biechl (beratung.training.coaching): Für die praktische Berufsausübung hat diese Zertifizierung keine Bedeutung. Ein Zeugnis oder eine Zertifizierung ist ein formales Kriterium. Aus Erfahrung wissen wir, dass ein abgeschlossenes Studium nicht unbedingt die Fähigkeiten und Möglichkeiten einer Person aufzeigen kann, die im zukünftigen Berufsleben optimale Umsetzung garantiert. Es kann eine gute Grundlage sein. Erst in der praktischen Arbeit wird die besondere Kompetenz entwickelt und erlebbar. Manche sind Naturtalente und manche bieten, trotz zusätzlicher Fortbildungen, nur Mindeststandards.

Günther Mathé, MBA (careercenter): Der entscheidende Vorteil, wenn ich nach der Ausbildung als Trainer tätig sein möchte, ist, dass ich eine Ausbildung absolviert habe, die gewissen Standards unterliegt und ich über grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ich als Trainer benötige verfüge. Ich bin also nicht einfach über einem Buch eingeschlafen und habe mir am nächsten Tag gedacht „ah, ich werde Trainer“ 🙂 . Das wissen auch Personalentwickler zu schätzen. Man darf jedoch nie vergessen laufende Weiterbildung und -entwicklung ist für jeden langfristig erfolgreichen Trainer ein unbedingtes Muss.

Fazit

Zertifizierungen haben – in der Trainings-Branche genauso wie in vielen anderen Bereichen – ihre Berechtigung in der Grundsicherung von Qualität. Ich persönlich finde es begrüßenswert, sich auf dieses Mindestmaß verlassen zu können.

Das entbindet natürlich
• weder potenzielle Teilnehmer der Train the Trainer-Ausbildung
• noch Auftraggeber von Trainern,
sich über die Auswahl keine Gedanken machen zu müssen und sich stattdessen auf das Vorhandensein der Zertifizierung verlassen zu können. Wohlgemerkt: die Zertifizierung sichert ein Mindestmaß an Qualität. Weder ist dieses Maß (notwendigerweise) ausreichend noch bedeutet eine nicht-Akkreditierung schlechte Qualität.

Ganz im Gegenteil: eine Akkreditierung ist ein positives Asset, dennoch muss
• die Ausbildung zum Teilnehmer & dessen Ziele und
• der Trainer zu Unternehmen / Unternehmenskultur / fachliche Spezifikationen, etc.
passen. Und Institutionen, die sich aufgrund des nicht-in-Relation-stehenden Aufwands (adminsitrativ/zeitlich/finanziell/etc.) gegen eine Zertifizierung entscheiden, mögen ihre Energie lieber in anderweitig anlegen und eine ebenso qualitative Ausbildung anbieten.

Fazit: Zertifizierung gut, eigenes Mitdenken weiterhin erforderlich!


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Die Gesprächspartner


Günther Mathé, MBA
Geschäftsführer

careercenter

www.careercenter.at

Unternehmens-Profil


prohaska_sabine_100Mag. Sabine Prohaska
Inhaberin

seminar consult prohaska

www.seminarconsult.at


khom_andrea_ankhAndrea Khom
Geschäftsführerin

ANKH.AT Coaching & Training

www.ankh.at


jelinek_elisabethElisabeth Jelinek
Geschäftsführerin

Jelinek Akademie

www.jelinek-akademie.at


biechl_inaIna Biechl

beratung.training.coaching


Interview durchgeführt von

Autor Selan Eva

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb
Eva.Selan@HRweb.at
www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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2 Kommentrare

  1. Peter Ahl am

    Sie vernachlässigen einen maßgeblichen Aspekt:
    Die sehr hohen administrativen und finanziellen Aufwendungen für die Zertifizierung halten natürlich kleine Anbieter schön vom „zertifizierten“ Markt fern.
    In einem echten Markt mit reichlich Angebot fallen Minderleister ohnehin ganz schnell raus. Das regelt der Markt ganz alleine.
    Die ganz großen Anbieter und die Zertifizierungsunternehmen (ganz vorne: TÜV) profitieren am meisten von Reglementierungen.
    Vor dem Hintergrund, dass der TÜV nicht nur der große Zertifizierer sondern gleichzeitig auch einer der größten Anbieter von Bildungsveranstaltungen ist, bekommt das Zertifikat sogar ein kleines „Geschmäckle“.

    Diese Zertifikate entsprechen exakt den „Gelben Engeln“ des ADAC.

    Herzlichst
    Peter Ahl

  2. Eva SELAN am

    Danke, Herr Ahl, für die Ergänzung!
    Ja, der Kosten- und Zeitaufwand sind nicht zu unterschätzen und sind sicherlich v.a. für die „kleinen“ Anbieter eine besondere Herausforderung!

    lg, Eva Selan

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