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Interkulturelle Unterschiede & funktionale Kultur … aneinander vorbei kommuniziert

Die selben Worte verwenden und damit zielsicher aneinander vorbei reden. Selbst wenn alle die selbe Sprache sprechen. Ohne es sofort zu merken. Interkulturelle Unterschiede sind noch die augenscheinlichsten Gründe dafür, doch lassen Sie sich nicht trügen, simple Unterschiede in Unternehmenskulturen oder Fachbereichen lassen den Fokus der Gesprächsteilnehmer mitunter weit auseinanderdriften. Selbst die Kollegen aus anderen Abteilungen sind einfach seltsam. Ihre funktionale Kultur ist anders.

Ein Beipsiel: Was bedeutet die Abkürzung PDF? Wenn Sie mit IT zu tun haben, denken Sie bestimmt an den Adobe Acrobat und das Dateiformat. Arbeiten Sie in Human Ressources steht die Abkürzung vielleicht für „Personal Data File“. Der Jurist  verwendet das Akronym für „Procurement Data File“ und in der Forschungsabteilung denkt man an die „Parkinson’s Disease Foundation“. Das kam bei einem internationalen Pharmaunternehmen im letzten Berlitz-Seminar heraus. Wie können Abteilungen gemeinsame Projekte erfolgreich abschließen, wenn die Mitarbeiter einfach aneinander vorbeireden?

Interkulturelle Unterschiede, auch wenn nicht international gearbeitet wird

Zufriedenstellende KPIs (Key Performance Indices) sind in einem großen Maß von einer guten Zusammenarbeit der Abteilungen abhängig. Die Unterschiede zwischen Funktionen und Abteilungen gestalten diese Zusammenarbeit aber schwierig. Wieso wird es immer laut und persönlich, wenn Produktion und Verkauf an einem Tisch sitzen? Wieso bekommt man oft das Gefühl, dass Marketing und Forschungsabteilung nicht zusammenarbeiten können? Warum sprechen neue Mitarbeiter von interkulturellen Problemen, wenn doch die meisten im Unternehmen Österreicher sind?

Kulturelle & interkulturelle Unterschiede & funktionale Kultur

Es ist einfach, sich auf länderspezifische und interkulturelle Unterschiede auszureden. Ja, die Brasilianer, die wollen immer nur über die Familie reden! Die Deutschen, die wollen immer nur die Zahlen sehen! Aber so wie jeder von seiner nationalen Kultur geprägt wird, so prägen uns auch die Unternehmenskultur und die funktionale Kultur.

Deshalb ist der Blick auf die funktionale Kultur auch für Organisationen wichtig, die nur lokal tätig sind. Wer lange in einem Unternehmen arbeitet, weiß genau, wie Besprechungen ablaufen, wie Entscheidungen zustande kommen und wie diese kommuniziert werden. Diese Kultur müssen neue Mitarbeiter erst kennenlernen. Durch ihre Ausbildung sind neue Mitarbeiter aber bereits geprägt: der Jurist hat sich während seines Studiums intensiv mit Paragraphen beschäftigt und wird bei jedem neuen Thema zuerst an rechtliche Konsequenzen denken und in der Sprache juristische Terminologie verwenden, die vielleicht bei anderen Mitarbeitern zu Augenrollen führt.

Wie können sich Controlling und Marketing besser verstehen?

Monika Huemayer (Senior Consultant von Berlitz) hat in der Zusammenarbeit mit HR-Abteilungen oft mit den interkulturellen Unterschieden zwischen Abteilungen zu tun. „Für viele ist es ein wichtiges Aha-Erlebnis, wenn ich Ihnen aufzeige, dass es zum Beispiel Präsentationen gibt, die meine kulturellen Präferenzen überhaupt nicht treffen. Wer das große, ganze Bild braucht, der versteht eine detailgetreue Aufstellung von Zahlen und Fakten einfach nicht. Das ist ein Diversity-Thema!“

Diversity-Training: aus Gegensätzen Synergien schaffen

Im Training mit vielen Beispielen aus dem unmittelbaren Arbeitsalltag wird schnell klar, dass man aus Gegensätzen Synergien schaffen kann. Die Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Abteilungen müssen sich zunächst ihrer eigenen kulturellen Präferenzen bewusst sein. Wie verarbeite ich zum Beispiel Informationen? Wie kommuniziere ich mit Kollegen? Besonders wichtig sind eine wertfreie Betrachtung und die Verwendung einer wertfreien Sprache. Wer ernsthaft Synergien aus Gegensätzen schaffen will, für den muss direktes Konfliktverhalten genauso ok sein wie ein indirektes Konfliktverhalten. Gemeinsam mit dem Trainer werden dann Strategien erarbeitet, die die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen optimieren und zu schnelleren und zufriedenstellenden Ergebnissen führen. Die Mitarbeiter lernen, wie wertvoll es sein kann, einen Juristen im Team zu haben, der einen anderen Blick auf die Dinge wirft. Und der Jurist sagt beim nächsten Mal statt „Bezugnehmend auf das vorangegangene Gespräch möchte ich meinen Dank ausdrücken“ einfach nur „Danke!“

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