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Die Zeit der smarten Experten

In der heutigen digitalen Welt sind Experten mehr denn je gefragt, und ihre Gehälter übersteigen teilweise bei weitem die 100.000 Euro-Marke. Aber das Arbeiten in einer Firma ist nicht mehr die einzige Option. In den letzten Jahren hat sich digital ein weites Feld eröffnet, das Experten neben der klassischen Karriere als smarte Selbständige zur Verfügung steht, wie es Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg in ihrem neuen Buch „Die Zeit der smarten Experten“ beschreiben.

Herr Conta Gromberg, warum haben Sie Ihr neues Buch den smarten Experten gewidmet?

In fast jeder Firma mit vielen qualifizierten Mitarbeitern sind zahlreiche Experten zumindest gedanklich auf dem Sprung. Viele reizt es, etwas Eigenes zu beginnen, wobei sie aber oft noch keine Vorstellung davon haben, was es bedeutet, nicht in einer Firma zu arbeiten. Die meisten denken bei einer Veränderung zunächst an klassische Selbstständigkeit, wie die Tätigkeit als Berater oder die Gründung eines Start-Up. Unser Buch zeigt ein ganzes Spektrum von modernen, neuen Rollen, die erst in den letzten Jahren aufgrund der Möglichkeiten der digitalen Welt entstanden.

Dabei hat sich eine neue Schicht von Experten etabliert, die aus der typischen Karriere in einem Unternehmen aussteigen, um ihr eigenes Geschäft zu betreiben. Diese smarten Experten arbeiten weniger auftragsorientiert, sondern etablieren eigene Wissensformate. Oft sind sie im Internet aktiv, aber nicht nur. Für alle Beteiligten, auch für Personal Manager, scheint es uns wichtig zu wissen, was die Geschäftskonzepte dieser neuen, smarten Expertinnen und Experten sind. Nur so können sie verstehen, was das Phänomen der smarten Experten ausmacht.

Inwiefern betrifft das Thema des Buchs auch Personal Manager?

Das Buch ist zwar nicht für Personal Manager geschrieben, doch es betrifft sie immens. Jeder, der heute seinen Blick ins Internet wirft, stolpert früher oder später über smarte Experten. Die Mitarbeitenden jeder Firma informieren sich im Netz, lesen Bücher oder gehen auf Seminare. Damit lesen und sehen sie häufig Informationen dieser neuen „Influencer“.

In unserem Buch nennen wir als ein Fallbeispiel David Allen. Viele Firmen haben seine Methodik „Getting Things Done“ übernommen, um ihre tägliche Arbeit besser zu strukturieren. Smarte Impulse kommen also oft aus der Schicht dieser neuen Experten, wie etwa Agiles Arbeiten, Design Thinking, fachliche Frameworks und vieles mehr. Wir erklären in unserem Buch, warum smarte Experten wichtig sind und in den kommenden Jahren noch wichtiger werden.

Passe ich selbst auch in Ihre Definition als smarter Experte?

Ja, definitiv. Sie sind ja mit Ihrem Beratungsunternehmen Upstyle Consulting ein externer, unabhängiger Anbieter von Gehaltsinformationen. Für den Status als smarter Experte kommt es zusätzlich noch auf die Form an. Wie bieten Sie diese Information an? Klassisch in Beratungsprojekten oder eben smart, wie bei Ihnen über Ihre Internet-Gehaltsdatenbank. Außerdem sind Sie Key Note Speaker, Autor von Büchern und Fachartikeln. Es gibt also nicht mehr nur „die Berater“, sondern ein breites Feld von Wissensformaten. Key Notes, Bücher, Webinare, Kurse gehören in den Werkzeugkasten der smarten Experten, genauso wie Aufbau und Betreuung eigener Communities bis hin zu kompletten Lernprogrammen.

Aus Ihrer Erfahrung: Welcher Zusammenhänge sind sich Personal Manager bei Ihrem Thema noch nicht bewusst?

Personal Manager haben natürlich mitbekommen, dass es das Internet gibt. Aber sie sehen es zum Teil nur als Recruiting-Wiese für neue Talente. Vereinfacht gesprochen: Wie hole ich interessante Personen von dieser Wiese in meine Firma?

Die moderne Welt ist aber durchlässig in beide Richtungen. Wer nur in eine Richtung denkt, wird auf Dauer verlieren. Wenn nun draußen im Netz, unter den Autoren, unter den Redakteuren, dem ganzen digitalen Kosmos eine neue Schicht von smarten Experten entsteht, dann unterscheiden diese nicht mehr zwischen „drinnen“ und „draußen“. Sie empfehlen Dinge nicht, weil sie zu einer Firma gehören. Sie empfehlen nur, wenn die Qualität stimmt.

Wenn eine Firma nur intern denkt und keine echten, authentischen Berührungspunkte zu unabhängigen Experten hat, wird sie nicht in den Netzwerken als positiv bekannt sein. Und das spielt spätestens dann für das Employer Branding eine Rolle, wenn sich potenzielle Mitarbeiter in den Netzwerken umhören, welcher Arbeitgeber zur Zeit angesagt ist.

Wo liegen die Chancen, wenn sich Personal Manager dieses Themas annehmen?

Die Möglichkeiten, die sich smarten Experten bieten, sind nicht aufzuhalten. Im Gegenteil werden die Chancen, sich mit diesen neuen Konzepten selbständig zu machen, immer einfacher. Es geht für Personal Manager darum zu verstehen, wie sich ein neues Feld von Expertise online aufbaut, das parallel oder quer zu klassischen Hierarchien verläuft.

Ich möchte Managern die Angst nehmen, wenn sich Mitarbeiter außerhalb der eigenen Firma engagieren, selbst wenn sie später dann smarte Experten werden und ihr Verhältnis als Angestellter kündigen. Unternehmen profitieren dann am meisten von diesen in ihren eigenen Reihen entstandenen smarten Experten, wenn sie ein positives Verhältnis zu ihnen pflegen und den Kontakt aufrecht erhalten. Warum sollte eine Firma ehemalige Mitarbeitende nicht einfach in ihrem Expertise-Netzwerk halten? Netzwerke sind weiter als die Grenzen einer Firma.

Welche Möglichkeiten gibt es, sich über das Buch hinaus mit der Thematik der smarten Experten auseinanderzusetzen?

Grundsätzlich sind alle unsere Bücher so verfasst, dass sie dazu beitragen, Geschäftskonzepte und die eigene Gedankenwelt rund um Entrepreneurship neu aufzustellen. Daneben bieten wir strukturierte Gruppen, wie etwa Intensivgruppen sowie demnächst eine Meisterklasse an, in der wir Expertinnen und Experten direkt begleiten und Mentoring anbieten.


Interview-Partner

Ehrenfried Conta Gromberg, Smart Business Concepts – Smarte Geschäftsideen systematisch entwickeln. mail@smartbusinessconcepts.de, www.smartbusinessconcepts.de

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