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Future of Work 2016. Werte und Wandel | Ein Event-Bericht

Future of Work 2016, Veranstalter: LSZ consulting, 9+10märz2016, Stegersbach

 

Future of Work 2016. Ein HR-Kongress, der seinen Namen verdient:
Viele wandelt es mit der neuen Arbeit. Andere sind Vordenker. Eine Vielfalt von Erfahrungen und Perspektiven liefern schillernde Bilder, worauf es hier ankommen könnte.

Kein Stein bleibt auf dem anderen, auch wenn wir uns nicht genau vorstellen können wie genau. Denn wir sind im Denken von den aktuellen Leittechnologien geprägt. Ähnlich wie im 19. Jhdt. über die Jetztzeit visioniert wurde, dass Häuser mit Dampfloks über Schienen gezogen werden, sind jetzt unsere Vorstellungen von der Digitalisierung dominiert. So nimmt fachlicher Moderator Franz Kühmayer mehr als 200 Besucher auf die Reise in die neue Arbeit. Es gilt nicht nachzudenken, sondern vorzudenken. Denn bestehende Prozesse oder Technologien zu optimieren, wird nicht immer reichen.

Future of Work: Neue Arbeitswelt, Fluch oder Segen?

Herbert Kling von meinungsraum.at gibt Einblick in die Eigenstudie zur Zukunft der Arbeit mit 3700 Interviews mit Unternehmensleitung, HR und Beschäftigten, nach der HR immer noch in erster Linie als Personalverrechner und Recruiter gesehen wird, während PE und Schnittstellenfunktion zwischen Top-Management und Bereichen als nur nachrangig gesehen werden. Auch die Zukunftsperspektiven sind unscharf. Denn der Großteil hat keine Vorstellung, wie sich die Digitalisierung auf die HR-Arbeit auswirken wird bzw. auch wie sich das Recruiting verändern wird. Bedauerlich ist vor allem, dass sowohl das Konzept von Lob und Anerkennung durch den Vorgesetzten als auch das Interesse des Vorgesetzten an der Person des Mitarbeitenden als von abnehmender Bedeutung gesehen wird. Denn später wird im Workshop von Dale Carnegie gezeigt, dass gerade letzteres das Engagement mehr als verdreifachen könnte.

Eindrucksvoll auch der Bericht von Peter Weiss und Ursula Kuntner der Este Group Bank zur Übersiedlung unter Plan von 4500 Mitarbeiter auf den Erste Campus, einen „Zusammenarbeitsplatz“ am Hauptbahnhofgelände. Nun hat jeder Zugang zu allen Bereichen. „Jetzt weiß ich endlich, wer bei uns arbeitet“, ist da ein Ausspruch, der aufhorchen lässt.

Clemens Widhalm (Dale Carnegie Training): Was Österreich besser kann als Deutschland & was wir daraus lernen können

Werte: kriminologisch, theologisch und juristisch betrachtet

Kriminalstratege Alexander Asenbaum macht klar, welche Bedeutung ein Wertecheck im Recruiting haben kann. Denn bei einem Missmatch sinkt bald das Engagement, aus Fehlern wird Fahrlässigkeit und ggf. dann auch Verrat (Datenklau) und Betrug (vorsätzliche Geschäftsschädigung).

Josef Buttinger, Präsident der hr-lounge und vormals Theologe, sowie Jurist Johann Kastl, HR-Leiter der Allg. Sparkasse Oberösterreich, philosophieren über die Zukunft von HR. Was bleibt, wenn Verrechnung, Recruiting und Personalentwicklung ausgelagert werden? Kernaufgabe sei die Förderung von Kreativität, Innovation und Schaffung von Freiraum dafür. Nur so werden alle Ressourcen der Mitarbeitenden nutzbar. Change Management könne jedenfalls nur mit einer guten Personalleitung funktionieren. Im Endeffekt geht es um Sinnerfüllung, die aus vier Komponenten besteht: Kohärenz (was ich tue zu wer ich bin), Zielorientierung (Vision und Sinn), Bedeutsamkeit (die Konsequenzen meines Handelns) und Zugehörigkeit zu meinem Kollegium. Denn wenn kein Sinn da ist, werden Handlungen funktional. Schließlich werden diese mechanisch, und Menschen damit zu Maschinen.

Corporate Culture Zukunftsmodelle?

Spannend auch die Rolle des von Fred Gratzer, Corporate Culture Coordinator von willhaben. Er untersteht dem Marketing und ist für das Hochhalten von Leidenschaft verantwortlich. Schließlich ist ja auch das beste gelebte Marketing jenes, das von der eigenen Belegschaft ausgestrahlt wird. Markus Stelzmann führt bei TELE Haase Steuergeräte die Regie darüber, dass fast alles von den Mitarbeitenden innerhalb bestimmter Leitplanken organisiert wird. Totale Transparenz (Ziele, Gehälter etc.) trägt dazu bei. Vom Management hat man sich getrennt. So entsteht ein Bewusstsein, das die Menschen ins Handeln bringt, und jeder geht mit dem Geld so umgeht, als wäre es sein eigenes. Bei TELE Haase werden so Unternehmer ausgebildet, weil hier alles erklärt wird und die Leute die Zusammenhänge wirklich verstehen.

Inspiration und Transpiration

Christian Schiester ist Extrem-Marathonläufer. Er hat sich als gesundheitliches Wrack aufgerafft und ging zuerst einmal 4 Minuten im Regen spazieren. Vom Säufer zum Läufer geht sein Weg, wie er selbst sagt. Mit klarer Vision, Selbstmotivation und Regeneration sprengt er Grenzen. Er läuft 243 km durch die Sahara, 162 km im Himalaya auf über 5000 Höhenmeter, 100 km nonstop durch die Antarktis bei minus 40°C, oder 202 km durch den Dschungel von Brasilien. Immer ist er ganz vorne dabei. Training in den Dachsteineishöhlen oder in der Saunakammer ist Teil der Vorbereitung. Sein Antrieb ist sein Sinn im Leben: Gesundheit, Freiheit und Zufriedenheit. Christian Schiester bleibt dabei geerdet, authentisch und kann wirklich inspirieren, bestätigen die Zuhörer einhellig.

Gemischte Reaktionen erzielt hingegen Siegfried Keusch mit seinen Schritten zum Wohlfühlunternehmen. Einige erleben ihn als etwas aufgesetzt und platt, andere unterhalten sich einfach gut. Das Publikum eines Fachkongresses wird nicht wirklich gefordert.

Future of Work: Blitzlichter aus über 20 Workshops

„Der Mensch im Mittelpunkt – oder der Mensch als Mittel. Punkt.“, ist eine der brillanten Aussagen des spritzigen Moderators Franz Kühmayer. Ganz im Sinne des Dale Carnegie Klassikers: „Behandle deine Mitarbeitenden nicht wie Menschen mit wertvollen Ressourcen, sondern wie wertvolle Menschen mit Ressourcen.“

Außergewöhnliche Talente für außergewöhnliche Unternehmen ist der Ansatz von Specialisterne, Menschen im Autismus-Spektrum derart in den Arbeitsmarkt zu führen, dass ihre besonderen Fähigkeiten (Fokussierung, Konzentration, Genauigkeit, Ausdauer etc.) wertvoll eingesetzt werden können.

Michael Pichler vermittelt Mut für konstruktive HR-Arbeit auch im Zuge von Unternehmensschließungen. Denn gerade bei Restrukturierungen benötigt es Zielklarheit, Planung (insbesondere der Liquidität) und vor allem Leadership. Denn für Führungskräfte (die diesen Namen verdienen) tun Mitarbeitende mehr als verlangt ist, während sie Führungskräften zu Fleiß weniger tun, als sie sollten. Michael Pichler berichtet von verantwortungsvollem Personallabbau. Führungskräfte werden geschult, wie sie die schwere Botschaft sachlich und menschlich überbringen, wie politische Interessengruppen involviert werden und wie insgesamt Mitarbeiter von der Trauer in die Vorwärtsperspektive geführt werden können. Bemerkenswert, wie er unterstreicht, dass gerade in Zeiten von Restrukturierungen Personalentwicklung und auch Feiern ihren Patz haben müssen und nicht einfach geopfert werden dürfen. Das ist jener Stil, mit dem auch jeder Change gut gelingen sollte.

Die Organisation

Elmar Rodler und sein Team von LSZ consulting zeigen wieder außergewöhnliches Engagement, das von über 200 Besuchern geschätzt wird. Unaufgeregt wird hier für einen Rahmen gesorgt, wo alles passt. USB-Sticks mit allen Slides gibt es schon während der Veranstaltung, schriftliche Nachberichte werden erstellt und nachgeliefert. Das gibt es anderswo kaum. Etwas Verwirrung herrschte lediglich mit dem Ablauf der vielen Workshops – da wären mehr Hinweisschilder/Ankündigungen hilfreich. Der eine oder andere fachlich kompetente Redner hätte vielleicht mit einem Interviewer mehr Sicherheit ausgestrahlt. Insgesamt ein jedenfalls lohnendes Leistungs-Preis-Verhältnis für die Besucher.


Bilder

© Daniel Bacher

Link

www.futureofwork.co.at

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