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Expatriation & Repatriation | Entsendung ist ein Zyklus, auch die Rückkehr gehört dazu

12Jun2026
5 min
Repatriation, Expatriation

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Eine Entsendung ins Ausland gilt oft als Karriereschritt und Entwicklungschance. Doch Repatriation, die Rückkehr, wird häufig unterschätzt: Gerade die Reintegration kann für Mitarbeitende zur echten Herausforderung werden: emotional, kulturell und beruflich.

Die Möglichkeit einer beruflichen Entsendung oder Expatriation in ein anderes Land ist für viele ein Highlight und eine Chance, sich in einem anderen kulturellen Kontext zu beweisen und zu entfalten. An die Rückkehr, Repatriation, wird in der initialen Euphorie nach der Ankunft im Zielland selten gedacht. Und dennoch gehören Entsendung und Rückkehr zusammen wie die zwei Seiten einer Medaille.

Entsendevorbereitungen, im Fachjargon pre-departure oder post-arrival Trainings für Expatriates, werden von international tätigen Unternehmen routinemäßig angeboten und sind für die Betroffenen sehr hilfreich. Abgesehen von den Inhalten wie kulturspezifische Einblicke ins Zielland sowie Einführung in die lokale Business-Kultur bieten sie auch Gelegenheit, über Kultur und kulturelle Anpassungsprozesse und persönliche Veränderungen nachzudenken.

Im Folgenden wird ein Überblick über die kulturellen Anpassungsprozesse gegeben, den eine Expatriation oder Auslandsentsendung und die Rückkehr beinhalten. Denn eine Expatriation ist keine Einbahnstraße, sondern ein Zyklus.

Expatriation und kulturelle Anpassung

Eine berufliche Expatriation oder Auslandsentsendung ist eine Chance, Herausforderungen in einem neuen kulturellen Umfeld anzunehmen. Wesentlich dabei ist der Veränderungsprozess, der dabei durchlaufen wird. Denn eine Auslandsentsendung ist eine massive Veränderung in zentralen Lebensbereichen wie Wohnort bzw. Lebensmittelpunkt, berufliche Tätigkeit, soziale Kontakte, geografische Umgebung und evt. Klima. In all diesen Bereichen müssen sich die Betroffenen neu orientieren und anpassen. Gleichzeitig wird von ihnen erwartet, ihren Job vom ersten Tag an so gut wie möglich zu machen.

Kulturschock

Diese Veränderungen finden alle zur gleichen Zeit statt und können in ihrer Komplexität eine große Herausforderung sein, mit der Menschen unterschiedlich umgehen. Eine Folge daraus kann der so genannte Kulturschock sein, der nach einer anfänglichen Euphorie zu einem Stimmungstief führen kann. Zu viel Veränderung auf einmal kann das Gefühl der Überforderung auslösen. In diesem Fall ist gute Stressbewältigung gefragt.

Der kulturelle Anpassungsprozess nimmt in der Folge seinen Lauf und mit der Zeit hat man seine neue Routine gefunden und gewöhnt sich an das vielleicht ungewohnte Klima, an die neue Umgebung, die neuen Kollegen und Kolleginnen und hat auch im Expatriate Netzwerk Fuß gefasst. Nach einem Jahr fühlt man sich wie zu Hause und idealerweise läuft alles wie geplant.

Kulturelle Bereicherung

Der Anpassungsprozess ist nie zu Ende. Je länger der Auslandsaufenthalt dauert, desto mehr taucht man in die kulturelle Umgebung und in die tieferen Schichten der lokalen Kultur und Businesskultur ein und baut wertvolles und fundiertes Kulturwissen auf.

Wenn dann am Ende die Abreise naht, spürt man möglicherweise zarte Wurzeln, die bereits geschlagen wurden und merkt, wie nahe man dieser kulturellen Umgebung gekommen ist, dass es sich wie ein großer Verlust anfühlt, die Zelte wieder abreißen zu müssen. Schließlich hat man sich nicht nur an die lokale Kultur und Arbeitsumgebung gewähnt und angepasst. Viele Freundschaften wurden geschlossen, mit anderen Expatriates ebenso wie mit Personen der lokalen Umgebung.

Repatriation: Rückkehr und Reintegration

Auf jede Expatriation oder Entsendung folgt eine Rückkehr. Die Repatriation. Sogar ewige Expatriates kehren eines Tages in ihr Heimatland zurück.

Die Rückkehr, Repatriation, wird gemeinhin nicht als schwierig angesehen, kehrt man ja in ein bekanntes Umfeld zurück. Man kennt das Unternehmen, die Stadt, hat dort Familie und Freunde und kennt sich aus. Ein Ortswechsel, der nicht beunruhigend erscheint.

Und dennoch: Für viele erweist sich die Rückkehr schwieriger als die Entsendung. Wie kommt das?

Rückkehrschock

Was macht die Rückkehr so schwierig? Mehrere Faktoren sind bei der Repatriation dafür ausschlaggebend:

  • Die eigene Veränderung durch den Auslandsaufenthalt und die zahlreichen Erlebnisse und Erfahrungen, die man dort gemacht hat, prägen die Persönlichkeit. Häufig ist diese Veränderung nicht bewusst.
  • Mit der Rückkehr müssen zahlreiche neue internationale Freunde und Kontakte zurückgelassen werden – das erzeugt ein Gefühl des Verlusts.
  • Durch die neuen Erlebnisse und Erfahrungen sieht man das Heimatland, das Stammunternehmen, das heimische soziale Netzwerk mit anderen Augen. Dieser neue Blickwinkel lässt viel ehemals Vertrautes fremd erscheinen. Ein kritischer Blick bewirkt, dass vieles, das man früher nie in Frage gestellt hat, nun hinterfragt wird. Man spricht daher auch von einem Rückkehrschock, der Ausdruck einer erforderlichen Wieder-Anpassung an die Heimat ist.
  • Der Auslandsaufenthalt zieht eine immense Wissenserweiterung mit sich, die man gern teilen möchte. Der so genannte Knowledge Transfer ist für die Betroffenen sehr wichtig, gelingt jedoch nicht immer oder ist möglicherweise gar nicht erwünscht. Daraus entsteht das Gefühl von Frustration, vor allem im beruflichen Umfeld. All das aufgebaute Wissen und die Erfahrungen scheinen nutzlos und lassen das Gefühl von Nicht-dazu-Gehören entstehen.
  • Der Karrieresprung, den man sich durch die Entsendung erhofft hatte, bleibt möglicherweise aus und in manchen Fällen wird man aufs Abstellgleis gestellt, da kein entsprechender Posten im Unternehmen vorhanden ist. Das erhöht die Frustration. Statistisch gesehen verlassen eine von vier Rückkehrern das Unternehmen innerhalb eines Jahres aus diesem Grund. Dies ist ein doppelter Verlust – für das Unternehmen, das viel in diese Mitarbeitenden investiert hat, und für die Betroffenen, die sich persönlich im Auslandseinsatz sehr eingesetzt und ebenfalls viel investiert haben.

Fazit: Expatriation & Repatriation

Expatriation oder Entsendungen und Repatriation sind ein Zyklus, die eine Einheit bilden. Beide brauchen Vorbereitung und idealerweise auch Begleitung. Diese Veränderungsprozesse sind für viele Expatriates und Repatriates eine große Herausforderung. Unternehmen, die in Vorbereitungstrainings investieren, sollten auch die Rückkehr ernst nehmen und dafür sowohl Strukturen als auch Hilfe anbieten.

Eine gute Job-Planung für Rückkehrende und Coaching oder Mentoring eignen sich gut, um die Betroffenen aufzufangen und von ihrem erworbenen Wissen zu profitieren. Repatriation würde dann um vieles leichter verlaufen und das Unternehmen würde von einer höheren Motivation und Leistung profitieren.

Expatriation | Entsendung ist ein Zyklus – auch die Rückkehr gehört dazu

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