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Interkulturelle Vorbereitungstrainings | Pre-departure oder Post-arrival: Vor- & Nachteile

30Mär2026
3 min
Auslandsentsendung

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Steht eine Entsendung ins Ausland bevor? Welcher Zeitpunkt für ein interkulturelles Vorbereitungstraining bei einer Auslandsentsendung ist ideal? Vor der Abreise oder nach der Ankunft? Vor- und Nachteile beider Trainingsmaßnahmen im Detail:

Eine interkulturelle Vorbereitung im Zuge einer Auslandsentsendung ist weitgehend Standard geworden. Aber welcher Zeitpunkt der Beste ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Wo liegen die Präferenzen beim Unternehmen und bei den zu Entsendenden? Vor der Abreise oder nach der Ankunft? Die Trainer-Praxis zeigt, dass beide Versionen üblich sind und beide gleich gut bewertet werden.

Interkulturelles Vorbereitungstraining vor der Abreise: Pre-departure

Vorteile

  • Die Auseinandersetzung mit dem Zielland vor der Abreise ist wichtig, da eine Veränderung in zentralen Lebensbereichen bevorsteht:
    Geografisch: Umzug in ein anderes Land.
    Beruflich: neue Herausforderungen im Job.
    Emotional: Zurücklassen von Familienmitgliedern wie Eltern, Geschwister. Sozial: neue soziale Kontakte müssen gefunden werden.
    Gesundheit: evt. Klimaveränderung
  • Konkretisierung der Erwartungen: Teilnehmende erhalten relevante Informationen zur Zielkultur und eine Einführung in die interkulturelle Thematik
  • Kulturelle Unterschiede im beruflichen Kontext: lokale Arbeitskultur, Kommunikation, Management und Umgang mit Mitarbeitenden, Zeitverständnis. Kulturspezifische Besonderheiten für den Arbeitsalltag, Anschluss an berufliche Netzwerke
  • Praktische Hinweise und Tipps für das Alltagsleben: kulturelle Traditionen und lokale Besonderheiten, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur, Wohnsituation, Schule und Kinderbetreuung, Freizeitgestaltung, soziale Netzwerke für Expatriates, lokale Besonderheiten, soziale Netzwerke
  • Reduzierung der Unsicherheit durch das Ansprechen von für die Teilnehmenden wichtigen Fragen
  • Videos, Bücher und Blogs liefern zusätzlich konkrete Informationen

Nachteile

  • Stress: Vor der Abreise ist viel zu erledigen und der Kopf ist eventuell nicht frei für das Training
  • Wenig Wissen: Wenn noch keine Erfahrungen mit dem Zielland gemacht wurden, bleiben Fragen oft allgemein
  • Undeutliches Bild vom Zielort: Auf die konkrete Situation und Besonderheiten in Alltag und Beruf kann nicht eingegangen werden
  • Das Training bleibt theoretisch: Die emotionale Eingebundenheit ist schwach
  • Welche Veränderung eine Auslandsentsendung wirklich bedeutet, kann nur ungenau vermittelt werden

Interkulturelles Training nach der Ankunft: Post-arrival

Vorteile

  • Erste Erfahrungen wurden bereits gemacht und geben ein adäquates Stimmungsbild der Entsendeten
  • Erfahrungswissen kann mit theoretischem Input gekoppelt werden und damit den Lerneffekt erhöhen
  • Kulturelle Unterschiede können anhand konkreter Situationen und Erfahrungen identifiziert werden
  • Relevante Fallbeispiele und Kulturmodelle geben durch angeleitete Reflexion im Training einen tieferen Einblick in die kulturellen Unterschiede
  • Konkrete Fragen in Bezug auf kulturelle Besonderheiten in Alltagsleben und Berufskontext werden von den Teilnehmenden aktiv gestellt und ausführlich diskutiert
  • Kulturschock-Erlebnisse können angesprochen und analysiert werden
  • Die Relevanz des Spracherwerbs ist höher
  • Vergleiche zwischen Zielland und Herkunftsland erhöhen die kulturelle Sensibilität und das interkulturelle Verständnis
  • Konkrete Ziele für den Auslandsaufenthalt können besprochen werden

Nachteile

  • Die Teilnehmenden verfügen bereits über ein Praxiswissen und haben sich schon gut organisiert
  • Die Motivation für ein interkulturelles Training und eine Auseinandersetzung mit der interkulturellen Thematik sinkt angesichts der Situation des gerade-Angekommen-Seins und zahlreicher organisatorischer Herausforderungen
  • Fehler oder Fettnäpfchen wurden bereits erlebt
  • Durch mangelnde kulturelle Sensibilisierung im Vorfeld kann es zur Haltung kommen: Wir sind doch alle gleich und hier ist es doch nicht so anders (Minimalisierung kultureller Unterschiede nach Milton Bennett)
  • Primär-Informationen erhalten: Soziale Netzwerke wurden bereits gefunden, Sprachkurse ebenfalls

In der Praxis kommen beide Trainingsarten gleich häufig vor. Die Vor- und Nachteile gleichen sich letztlich aus. Die Entscheidung für welche Trainingsart liegt bei pragmatischen Fragen wie der Angebot-Routine beim Unternehmen, zeitlicher Verfügbarkeit, welche Bedeutung dem Training beigemessen wird oder auch persönlichen Präferenzen.

Fazit

Aus der Perspektive der Entwicklung interkultureller Sensibilität wäre es sicher sinnvoll, beide Trainingsarten der interkulturellen Vorbereitung zu kombinieren und sowohl Pre-departure als auch Post-arrival Trainings anzubieten. Denn je ausführlicher die Entsendeten sich mit der interkulturellen Thematik beschäftigen, desto mehr profitieren sie und können mit herausfordernden Situationen besser umgehen und das Beste aus ihrem Auslandsaufenthalt herausholen – und damit ist der Auslandseinsatz auch für das Unternehmen ein großer Gewinn.

Interkulturelle Vorbereitugstrainings | Pre-departure oder Post-arrival: Vor- & Nachteile

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