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Auf Schatzsuche im Unternehmen

„Was war Ihre herausragend positive Arbeitserfahrung, wo Sie sich richtig lebendig gefühlt haben und stolz auf Ihren Beitrag waren?“ Das ist eine der Kernfragen im Prozess einer „Appreciative Inquiry“,  der „unaussprechlichen“ Methode zur Organisations- und Teamentwicklung, die die Schätze im Unternehmen ans Licht bringt.

Appreciative Inquiry (AI), übersetzt die „wertschätzende Erkundung“,  ist ein Veränderungsprozess, der Menschen beteiligt und auf dem Besten, das schon vorhanden ist, aufbaut. David L. Cooperrider entwickelte das Instrument auf Basis der Lösungsfokussierung.  Anstatt Fehler zu suchen werden die vorhandenen Spitzenleistungen identifiziert und weiterentwickelt.  Eine Spirale der Positivität beginnt, aus welcher zukünftige Erfolgsstrategien für das Unternehmen oder das Team entstehen.


Defizitorientierung, adé!

Das Besondere an AI ist, dass konsequent auf Defizitorientierung verzichtet wird. Die Schwächen-orientierung scheint ja ein menschlicher Automatismus zu sein: Was falsch ist fällt mehr auf, als das was gut läuft. Diese „klassische“ Vorgehensweise in der Unternehmensberatung bzw. Organisationsanalyse hat gewichtige Nachteile: Sie führt zu Widerständen, Ängsten und negativer Stimmung. Die Betroffenen fühlen sich dadurch eher entkräftet als motiviert, wird Ihnen ja klar vor Augen geführt, was sie alles NICHT können.

Bei der Appreciative Inquiry darf natürlich auch Negatives zur Sprache kommen – alles was stört, einengt oder behindert an der Weiterentwicklung. Dies wird jedoch nicht in Form einer Problem- bzw. Schwächenauflistung gemacht, sondern in Form von Wünschen und Visionen und damit POSITIV formuliert. AI ist ein Entwicklungsprozess der geprägt von inspirierenden Geschichten, von positiver Energie, von Wertschätzung  und Expansion des bereits Guten.


Das Herzstück: Die gegenseitigen Interviews

Besonders spannend ist die Vorgangsweise. Das Herzstück des Prozesses sind die Interviews. Interviews, die die Mitarbeiter selbst führen: Gegenseitig,  in zufälligen Paaren, quer durch das Unternehmen. Mit diesem Interview werden die Spitzenleistungen, die „live-giving-forces“, die Ideen und Wünsche für das Unternehmen entdeckt. Bezeichnenderweise nennt sich dieser Schritt „Discovery“. Es folgt darauf ein Intensiv-Workshop mit allen Mitarbeitern, wo aus diesen entdeckten Schätzen zuerst Visionen kreiert und anschließend „Nägel mit Köpfen“ – konkrete Maßnahmen entwickelt werden.


Wofür passt´s?

Die „Appreciative Inquiry“ ist aus meiner Erfahrung eine sehr inspirierende Intervention, die eine hohe Beteiligung und „Leuchten in den Augen“ hervorruft. Geeignet ist dieser Prozess für Teams und ganze Organisationen – mit variierender Vorgehensweise, aber demselben Kern.  Entscheidend ist, dass das Management volles Commitment für diesen Beteiligungs- und Entwicklungsprozess abgibt. Mögliche Einsatzbereiche sind unter anderem:

  • wenn ein Veränderungsprozess gemeinsam gemeistert werden soll,  zum Beispiel ein Führungswechsel,  ein neues Projekt, eine konkrete Herausforderung für das Unternehmen
  • wenn möglichst viele von Best Practices profitieren sollen
  • wenn Ressourcen im Team bewusst herausgearbeitet werden und die Leistung damit gesteigert werden soll
  • wenn Bereiche zusammenwachsen sollen und die Kommunikation verbessert werden soll


Auf zur Schatzsuche!

Lust bekommen auf solch eine Schatzsuche? Hier sind einige der Hinweise von der Schatzkarte:

  • Was war Ihre herausragend positive Arbeitserfahrung, wo Sie sich richtig lebendig  gefühlt haben und stolz auf Ihren Beitrag waren? Was genau ist da geschehen? Was hat diese Erfahrung ermöglicht?
  • Was sind Ihrer Meinung nach die Faktoren, die Ihrem Unternehmen (oder Team) Vitalität, Lebendigkeit und Stärke geben?
  • Was wünschen Sie sich für das Unternehmen (oder Team)? Was braucht es, damit es voll erblüht  und die Mitarbeiter, Kunden und Partner begeistert sind?

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2 Kommentrare

  1. Voshmgir am

    Interessanter Artikel und interessanter Ansatz. Aus psychologischer Sicht ist auch klar, weshlab das funktioniert. Nur welche Unternehmen sind tatsächlich für solche Ansätze tatsächlich offen?

  2. Sabine Piotrowski am

    Der kulturelle Entstehungsraum dieses Ansatzes und der Lösungsorientierung sind die USA, denen die Haltung von Erfolgsgeschichten erzählen, anpacken und Lösungen finden näher liegt als den Europäern, die in vielen Dingen skeptischer und fehlerorientierter sind (Was genau läuft falsch? Warum?). Aber gerade deswegen ist bei uns dieser Ansatz so wohltuend, wenn man ihn einsetzt!

    Diese Erfahrung mach ich immer wieder, egal ob in Beratung oder Coaching. Er stärkt die Selbstkompetenz und motiviert auf intrinisische Weise. Unternehmen, die noch ein bisschen vorsichtig sind, haben zum Beispiel die Möglichkeit erst mal mit einem Teambuilding nach diesem Ansatz zu beginnen. Zur Zeit leiten wir ein Appreciative-Inquiry-Projekt in einem österreichischen Unternehmen, das global agiert – mit den rund 120 Mitarbeitern in der Zentrale. Und die Resonanz ist sehr positiv 🙂

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