10 Stunden Outplacement-Beratung (entspricht 10 Wochen) wird in manchen Outplacement-Ausschreibungen als adäquat angesehen. “Das ist eine Alibihandlung gegenüber den Gekündigten! Mehrstufige Bewerbungsprozesse lassen eine erfolgreiche Suche in 10 Wochen nur zufällig zu”, sagt Walter Reisenzein (Geschäftsführer von Lee Hecht Harrison / DBM). Wie lange solche Prozesse dauern, schildert ein Betroffener:

Aus dem Bewerbungs-Alltag

Was mir, Helmut S., (Name geändert) 49 Jahre, Bereichsleiter eines Pharmakonzerns so alles passiert ist:

Job 1: Habe Anzeige Fa.1  auf Standard.at unter der Woche gefunden, am Wochenende Bewerbung erstellt und verschickt. Fa.1 meldet sich in Woche 4 und Termin mit PL wird für Wo 6 vereinbart. Bewerbungsgespräch findet wie geplant in Wo 6 statt, Entscheidung offen, da mehrere Interviews zu führen. Absage in Wo 9.

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Job 2: Anzeige Personalberater 1 im Standard am Wochenende Wo 2 gelesen und am Montag Wo 3 verschickt. PB 1 meldet sich in Wo 6 mit Termin in Wo 7. Interview findet wie geplant statt. Entscheidung offen, sehr viele Bewerber, Short List PB wird erstellt, Fa. verändert jedoch Profil und daher wird ein 2. PB Termin für Wo 11 vorgeschlagen, muss jedoch von mir auf Wo 12 verschoben werden. Entscheidung für nächste Runde offen jedoch gute Chancen nach Aussage PB. Wo 16 Termin mit HR-Verantwortlicher und einer potentiellen Kollegin, sehr gut gelaufen, Termin mit direktem Vorgesetzten Wo 20, mündliches Angebot für den Job, schriftliches Angebot wird angekündigt, Vertragsentwurf wird mir Wo 22 zugesendet, Rechtsanwalt empfiehlt Entwurf nicht so zu akzeptieren, Verhandlungen telefonisch und persönlich in Wo 24+25, sage Wo 26 frustriert selber ab.

Job 3: Stellenanzeige Fa.2 gefunden auf deren Website in Wo 2, online-Formular ausgefüllt in Wo 3, großer Zeitaufwand da immer wieder abgestürzt, Intervieweinladung für Wo 6, Interview mit PL hat gut funktioniert, zweites Interview mit Funktionschef erst für Wo12 geplant, da der auf Auslandsreise, Interview nicht gut gelaufen, Chemie stimmt nicht, Absage schriftlich in Wo 14.

Job 4: Anzeige Personalberater gefunden auf Personalberater Homepage in Wo 3, LL geschickt in Wo 5, Telefoninterview mit Assistent von Personalberater in Wo 9 da Personalberater auf Dienstreise. Ergänzendes persönliches Interview mit PB in Wo 10, Gespräch mit Personalleiter in Wo 12, Gespräch mit D-A-Ch Vorgesetzten in Wo18 in Frankfurt keine Info über Entscheidung außer „ich sei unter den letzten 3“ Absage in Wo 25, offensichtlich wurde mit #1 so lange verhandelt und man brauchte „mich“ als Personalreserve wenn #1 und #2 das Angebot nicht akzeptieren.

Job 5: Anzeige Fa.3 von einem Freund bekommen, überlegt ob zu bewerben in Wo 3, Anzeige Wo 4 nochmals gelesen, Bewerbung geschickt Wo 5, Interview Wo 9 nicht uninteressant, zweites Interview in Wo 13 mit potentiellem Chef, nicht besonders dann 3. Interview mit zukünftigem Kollegen in Wo 18 sehr positiv, Absage in Wo 25.

Job 6: Von Headhunter in Wo 5 telefonisch kontaktiert, mündliche Stellenbeschreibung klingt interessant daher telefonische Zusage meinerseits in Wo 6 an weiterführenden Gesprächen interessiert zu sein. Konkretes Gespräch in Wo 9 mit Headhunter, Firma will anonym bleiben da Stelle noch besetzt, Firma wünscht sich einen Test mit mir der für Wo 12 geplant und durchgeführt wird. Wo 14 weiteres Gespräch mit Headhunter, der über Testergebnisse nichts sagen darf, jedoch versichert  ich sei von ihm auf Shortlist gesetzt und nun muss er auch Fa. überzeugen, deren Namen er mir immer noch nicht nennen darf. Bekomme wirklich Einladung für Wo 18. Gutes Gespräch mit HR-Mgr., Entscheidung wird eventueller direkter Vorgesetzter treffen, Gesprächstermin schwierig zu finden. Gespräch mit potentieller Vorgesetzten in Wo 24 sehr erfolgsversprechend, kündigt mir Vertragsentwurf für Wo 26 an.

Job 7: Finde interessante Anzeige eines Personalberaters auf dessen Homepage in Wo 5, bewerbe mich anschließend in Wo 6. Erstes Interview mit ihm findet Wo 10 statt und es wird mir sofort ein Termin mit der Fa. für Woche 11 in Aussicht gestellt, der sich jedoch erst  Wo 12 realisieren lässt. Personalleiter und Fachvorgesetzter wünschen sich, dass ich an einem ganztägigen Assessmentcenter zusammen mit 5 anderen Kandidaten teilnehme. Termin in Wo 16. Falls ich gut abgeschnitten habe wird mir zweiter Interviewtermin in Wo 20 in Aussicht gestellt. Termin findet statt bekomme mündliches Anbot. Da aber alle Termine außerhalb der Fa. waren wünsche ich mir eine Besichtigung des Unternehmens, meines potentiellen. Arbeitsplatzes und ein Treffen mit meinen zukünftigen Kollegen. Termin wird ein paarmal verschoben und findet Wo 24 statt. Da keine Zeit ist über weitere Details zu reden weiterer Termin in Wo 25. Vertragsentwurf wird mir Wo 26 zugeschickt.

Job 8: Bewerbe mich auf Personalberater-Anzeige von Wo 5 in Wo 6, Termine laufen zügig Wo 9 erstes Interview mit Berater, Wo 12 mit „Recruiter“ der suchenden Firma, Wo 14 mit dem möglichen Chef. Dann muss der Geschäftsbereichsleiter aus Deutschland noch ja sagen, Gespräch in Frankfurt in Wo 18 inklusive mündlichem Anbot. Vertrag wird wie geplant Wo 20 zugeschickt, erbete mir Zeit für meine Entscheidung da ich ja auch noch andere mehr oder weniger konkrete Angebote habe. Mein Rechtsanwalt empfiehlt in Wo 23 einige Vertragsänderungen die in Wo 24 telefonisch besprochen werden. Plötzlich wünscht sich die Fa. dass ich an einem online Test teilnehmen soll, wozu ich natürlich bereit bin. Dieser findet in Wo 25 statt. An Stelle von Infos über die Testergebnisse bekomme ich in Wo 26 eine Absage, da „der Konzern einen Headcountstopp erlassen hat“.

Schlussworte

Nachdem den Betroffenen oft  völlig unklar ist, wofür sie sich eigentlich interessieren und wo ihre Kompetenzen liegen, kommen vor dem Bewerbungsprozess weitere 4-7 Wochen dazu in denen erst ein Karriereprofil festgelegt wird. Unterlagen wie Lebenslauf, Marketingplan und Xing – Profil werden ebenfalls in dieser Zeit erstellt. Sinnvollerweise läuft die Suche parallel ab und wird durch entsprechende Kontaktgespräche unterstützt.

Die unbequeme Wirklichkeit wird in den Beratungs-Statistiken österreichischer Outplacement Berater abgebildet: Die durchschnittliche Suchdauer stieg gegenüber dem Vorjahr von 23,2 auf 27,2 Wochen = ein halbes Jahr. Sie ist jedoch seit einem Jahrzehnt tendenziell steigend, im Krisenjahr 2008 war sie mit 29 Wochen auf dem höchsten Niveau, es dauerte damals ein knappes drei Viertel Jahr bis eine neue adäquate Stelle gefunden war.


Weitere Info:

  • LHH / DBM,  www.lhh.com ist weltweiter Anbieter von Human Ressource Management Beratung, die vorwiegend für private Firmen sowie Non–Profit- und öffentliche Organisationen tätig ist. Facts: 40 Jahren Erfahrung, berät weltweit jährlich mehr als 7000 Organisationen und 250.000 Personen, in 28 Sprachen, 85 Ländern und über 240 Büros.
  • LHH / DBM Österreich,  www.dbmaustria.at ist seit 1988  erfolgreich tätig. Über 2000 Kandidaten, von mehr als 500 Firmen wurden bisher beraten und haben eine adäquate Stelle als Angestellte oder Selbständige gefunden
  • Rückfragen an Mag. Walter Reisenzein, wreisenzein@dbmaustria.at