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Personalmanagement wirkt! Personalkennzahlen zur Steuerung von HR-Aktivitäten

Benchmarks für Personalkennzahlen wie Krankenstand, Fluktuationsrate oder Personalmarketing-Maßnahmen sind heiß begehrt, aber schwer zu finden. Mit der „HR-Benchmark“ liefert das Netzwerk Humanressourcen der oö. Technologie- und Marketinggesellschaft m.b.H. seit mittlerweile 5 Jahren einen handfesten Vergleich von HR-Kennzahlen und Gehaltsdaten und stellt erstmals die Veränderungen der Jahre 2008 bis 2013 vor.

„Personalmanagement wirkt und ist auch in Kennzahlen nachvollziehbar“, ist Netzwerk-Leiter Mag. Andreas Geiblinger überzeugt. „Die Auswertung von HR-Kennzahlen über mehrere Jahre zeigt recht deutlich, wenn Betriebe bspw. mehr Fokus auf Personalmarketingmaßnahmen legen oder sich der betrieblichen Gesundheitsförderung widmen. Kürzere Personalbeschaffungsdauer durch gezielte Ansprache von Arbeitskräftepools oder die Reduzierung von Krankenstand durch Optimierung der Arbeitsumgebung zeichnen sich im HR-Benchmark deutlich ab.

Kennzahlen sind somit ein wichtiges Steuerungsinstrument für das HR-Management. Sowohl zur Kontrolle und Evaluierung von umgesetzten Maßnahmen, als auch als Argumentationsgrundlage für zukünftige HR-Projekte. Kennzahlen machen also strukturiertes und langfristig geplantes HR-Management überhaupt erst möglich.“, so Geiblinger.

Personalkennzahlen

a)  Fallende Fluktuationsrate als Krisenvorzeichen?

Erstmals seit den Krisenjahren 2009 und 2010 verzeichnen oö. Betriebe eine sinkende Fluktuationsrate. Lag 2009 die Zahl der Veränderungswilligen noch bei 11,1% ist der Wert 2013 auf 7,6% gesunken. Diese niedrigere Quote kann einerseits Zeichen für die Bemühungen von Unternehmen sein, ihre Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Andererseits sind Arbeitnehmer besonders im Vorfeld von Krisen eher abwartend und risikoavers wenn es um berufliche Veränderungen geht.

Alle Grafiken zum Vergrößern anklicken!

Grafik 1: Fluktuation

Mit unter 8% erreicht die Fluktuationsquote den Tiefststand seit Beginn der Erhebungen
Längsschnittvergleich Fluktuationsquote in Oberösterreich

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b)  erhöhte Personalbeschaffungsdauer im qualifizierten Angestelltenbereich (vor allem Techniker)

Die Personalbeschaffungsdauer beschreibt die durchschnittliche Dauer zur Beschaffung von MitarbeiterInnen in Wochen. Der Beschaffungszeitraum errechnet sich vom Zeitpunkt der ersten Suchaktivität (Schalten eines Inserats) bis hin zum Vertragsabschluss mit dem neuen Mitarbeiter)

Generell bleibt die Personalbeschaffungsdauer weiterhin konstant hoch. Allerdings ist vor allem bei Angestellten eine steigende Suchdauer zu verzeichnen (~ 20%), während bei Fach- und HilfsarbeiterInnen die Suchdauer relativ konstant bleibt. Vor allem im höher-qualifizierten technischen Angestelten Bereich dauert es also zunehmend länger, den richtigen Match zu finden.

Parallel dazu ist die Neueinstellungsquote im Vergleich zu 2011 von 16,5% auf 11,6% gesunken. Der große Rekrutierungsbedarf aufgrund der sich erholenden Wirtschaftslage in den Jahren 2011 und 2012 ist also gedeckt. Unternehmen agieren seitdem wieder vorsichtiger bei Neueinstellungen und können durch laufende Prozessoptimierung mit bestehendem Personal erfolgreich agieren.

Grafik 2: Personalbeschaffungsdauer nach Arbeitsverhältnissen (in Wochen)

Generell bleibt die Beschaffungsdauer bei über einem Monat – für hochqualifizierte im Angestelltenbereich sogar über 2 Monate.
Längsschnittvergleich Personalbeschaffungsdauer in Oberösterreich

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c) Personalmarketingmaßnahmen werden breiter gestreut

Die teilnehmenden Unternehmen an der HR-Benchmark streuen ihre Personalmarketingmaßnahmen zunehmend breiter. Unverändert auf hohem Niveau bleiben Printmedien und Online Jobportale. Ein Anstieg ist aber bei der Nutzung von Social Media Kanälen, Messeauftritten sowie Sponsorings von Ausbildungseinrichtungen zu verzeichnen.

Die direkte Interaktion mit potentiellen Arbeitskräften gewinnt also an Bedeutung.

Grafik 3: Personalmarketingmaßnahmen

Längsschnittvergleich Personalmarketingmaßnahmen in Oberösterreich

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c) Investitionen in interne Weiterbildung

Laufende Qualifizierung sichert Innovationsfähigkeit und damit die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Im Längsschnitt ist eine konstante Steigerung der internen Weiterbildungen zu verzeichnen. Der Trend zu mehr In-House Schulungen und eigenen Qualifizierungsprogrammen ist stabil. Aufgrund der besseren Abstimmung auf die Unternehmensschwerpunkte sowie dem immer größer werdenden Angebot an In-House Trainings ist dieser Trend wohl langfristig steigend.

Interessant: Nach den schwierigen Jahren 2008 – 2010 (und dem damit verbunden Ansprung der externen Weiterbildungen) hat sich das Niveau der externen Weiterbildungen auf einem relativ hohen Niveau von ~ 40% eingependelt.

Grafik 4: Weiterbildungsquoten intern vs. Extern

 Längsschnittvergleich Weiterbildungsquoten in Oberösterreich

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Fazit

Insgesamt zeigt sich, dass Unternehmen zunehmend den Fokus auf das Halten und die Weiterqualifizierung von Mitarbeitern legen. Einerseits ist dies dem schwierigen Arbeitsmarkt geschuldet, der im Bereich hochqualifizierter Fachkräfte nach wie vor hart umkämpft ist. Andererseits werden Erfahrungswissen und die Loyalität zum Unternehmen wieder als Werte entdeckt, die nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden können. Die intensiven Bemühungen um die besten Köpfe auf unterschiedlichen Kanälen sind Zeichen dafür, dass die Personalprofis in den Unternehmen beginnen, ihre Zielgruppen direkter anzusprechen und die Interaktion suchen.

Kritisch bleibt die nach wie vor niedrige Beschäftigungsquote bei Frauen (~ 22% bei Vollzeitäquivalenten) sowie die mangelnde Mobilität der Arbeitnehmer. Dies fordert die Personalabteilungen nicht nur bei der Personalsuche, sondern auch bei der Gestaltung der Arbeitgebermarke sowie der Arbeitsumgebung.


Gelegenheit zur Teilnahme an der HR-Benchmark 2016:

Im mar2016 startet der sechste Durchgang zur Erhebung personalwirtschaftlicher Daten mit Benchmark-Charakter aus Oberösterreich www.netzwerk-hr.at/studie.

Die HR-Benchmark des Netzwerk Humanressourcen ist die einzige Kennzahlenerhebung in Oberösterreich mit regionalem Fokus.


Liste 1: Übersicht über die oö. Personalkennzahlen

  1. Altersstruktur
  2. Frauenquote / Männerquote
  3. ArbeiterInnenquote / Angestelltenquote
  4. Leasingquote
  5. Neueinstellungsquote (NEQ)
  6. Personalbeschaffungsdauer (BD) Facharbeiter
  7. Personalbeschaffungsdauer (BD) Hilfsarbeiter
  8. Personalbeschaffungsdauer (BD) Angestellte
  9. Weiterbildungskosten (WBK) extern je Schulungsteilnehmer
  10. Anteil der externen Weiterbildungskosten (WBK) am Personalaufwand
  11. Anteil der externen Weiterbildungskosten (WBK) am Umsatz
  12. Externe Weiterbildungskosten (WBK) je Mitarbeiter
  13. Weiterbildungskosten (WBK) je Stunde extern
  14. Standardausbildungskosten je Lehrling
  15. Zusatzausbildungskosten je Lehrling
  16. Weiterbildungsquote (WBQ) extern
  17. Weiterbildungsquote (WBQ) intern
  18. Durchschnittliche Weiterbildungszeit (WBZ) je Mitarbeiter extern
  19. Durchschnittliche Weiterbildungszeit (WBZ) je Mitarbeiter intern
  20. Refundierung der externen Weiterbildungskosten
  21. Betriebszugehörigkeitsdauer
  22. Fluktuationsquote
  23. Ungeplante Fluktuation
  24. Ungeplante Fluktuation durch Selbstkündigung
  25. Krankenstanddauer
  26. Arbeitszeitmodelle
  27. Werkzeuge des Personalmanagements
  28. Personalmarketingmaßnahmen
  29. Anteil der Personalmarketingkosten am Personalaufwand
  30. Abrechnungsdurchschnitt in der Lohn- und Gehaltsverrechnung (LGV)

Liste 2: Übersicht über die Referenzstellen der Gehaltsstudie

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Liste 3: Die Unternehmen der HR Benchmark 2014

  1. Aigner GmbH
  2. Alois Pöttinger Maschinenfabrik GesmbH
  3. ANGER MACHINING GmbH
  4. Banner GmbH
  5. Brau Union Österreich AG
  6. Delphi Automotive Systems Austria GmbH
  7. Donau-Touristik GmbH
  8. E+E Elektronik Ges.m.b.H
  9. Fill Gesellschaft m.b.H.
  10. Fronius International GmbH
  11. GEA Klimatechnik GmbH
  12. GPN GmbH
  13. Greiner Packaging GmbH
  14. HABAU Hoch- und Tiefbaugesellschaft
  15. Hammerer Aluminium Industries GmbH
  16. Industrie-Logistik-Linz GmbH & Co KG
  17. KAPPA Filter Systems GmbH
  18. KEBA AG
  19. Lagermax Internationale Spedition GmbH
  20. LEITZ GmbH
  21. Logistik Service GmbH
  22. MARK Metallwarenfabrik GmbH
  23. MIC Datenverarbeitung Ges.m.b.H.
  24. Oberösterreich Tourismus
  25. Promotech Kunststoff- u. Metallverarbeitungs GmbH
  26. Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft
  27. Rosenbauer International AG
  28. Salvagnini Maschinenbau GmbH
  29. SILHOUETTE International
  30. SKF Österreich Aktiengesellschaft
  31. Starlim Spritzguss GmbH
  32. TCG UNITECH GmbH und TCG UNITECH Systemtechnik GmbH
  33. Team 7 Natürlich Wohnen GmbH
  34. Teufelberger GmbH
  35. Trumpf Maschinen Austria GmbH & Co. KG
  36. WIEHAG GmbH
  37. Wintersteiger AG
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