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Cultural Intelligence | CQ Action: Flexibilität in interkulturellen Situationen

Im letzten Beitrag dieser Serie zu „Cultural Intelligence“ haben wir „CQStrategie, also die metakognitive Dimension, welche das Ausmaß an Planung, des Bewusstseins und der Kontrolle, vor, während und nach interkulturellen Interaktionen beschreibt, vorgestellt. Dieser Beitrag stellt nun eine weitere Dimension im Detail vor.

Heute: CQ Action, also die Fähigkeit verbales und non verbales Verhalten an die jeweilige Kultur anzupassen.

Autoren: Mag. Barbara Covarrubias Venegas, Andrej Juriga

Unsere Anpassungsfähigkeit, also flexibel unser verbales und non-verbales Verhalten anpassen zu können, hilft uns wiederum Respekt und Vertrauen zu gewinnen, Rapport herzustellen, was in weiterer Folge wiederum zu verringerter Miskommunikation führt. Hiebei sind jedoch nicht nur sprachliche Unterschiede zu berücksichtigen, sondern auch die sogenannte Parasprache spielt eine große Rolle.

Parasprache (von altgriechisch παρα para, deutsch ‚dabei, neben‘) bezeichnet sämtliche, die Sprache begleitende, vokale, das heißt an Laute gebundene Mittel, die für die Kommunikation von Bedeutung sind. Der Begriff der Parasprache umfasst verschiedene Phänomene der nonverbalen Kommunikation, wie zum Beispiel Tonfall, Lautstärke, gefüllte („äh …“) oder ungefüllte Pausen, Lachen, Seufzen, Verwendung oder Vermeidung von Dialekt innerhalb der gesprochenen Sprache. Entsprechend der Kommunikationstheorie Paul Watzlawicks handelt es sich bei der Parasprache um den Beziehungsaspekt der Sprache.

Abbildung: Aspekte von verbalem und non-verbalem Verhalten

Was kann man nun tun, um die eigene CQ Action Fähigkeit zu erhöhen?

Wie so oft gilt auch hier: „Übung macht den Meister“. Es geht bei CQ Action darum, seine Komfortzone mit den üblichen, gewohnten Verhaltenweisen und Sprechmustern zu verlassen und sich an andere kulturelle Normen anzupassen. Es gibt verschiede Möglichkeiten, dass man versucht diese Adaptionsfähigkeit zu stärken, welche man einfach im Alltag üben kann. Beispielsweise könnte man versuchen gezielt in Gesprächen einmal auf direkte oder indirekte Weise etwas nachzufragen, negatives oder kritisches Feedback auf direkte und indirekte Weise zu geben, bzw. auch andere alternative Wege zu finden wie man Meinungsverschiedenheiten oder Widersprüche ausdrückt. Im sprachlichen Ausdruck kann man auch einmal vermehrt „upgraders“ (total, absolut, komplett) oder dann wieder „downgraders“ (ein bisschen, eventuell, eine Art von) verwenden und reflektieren, wie man sich selbst dabei fühlt. Das Wichtigste ist nämlich, dass man bei der Anwendung dieser unterschiedlichen Strategien immer authentisch bleibt und dies bedarf Übung. Bei Präsentationen vor einer Gruppe von Personen besteht die Möglichkeit, dass man Sprechgeschwindigkeit, bzw. Artikulation verändert und die Reaktionen beobachtet und reflektiert. Dies kann sogar so weit gehen, dass man bewusst auch die Slides einer Powertpoint Präsentation mehr oder weniger daten- sachorientiert darstellt. Eine sehr gute Übung ist auch zu testen, wie es einem selbst geht, wenn man mit anderen Menschen im Gespräch ist und den Augenkontakt sucht, bzw. meidet oder den Körperabstand, also näher oder distanzierter zu jemandem zu stehen, variiert.

Fazit

Auf der einen Seite ist es wichtig zu berücksichtigen, dass zu starkes Imitieren von Mimik und Gestik von den „locals“ oft als humoristisch oder manchmal sogar als beleidigend wahrgenommen werden kann. Auf der anderen Seite kann eine Nicht-Anpassung an kulturelle Normen oder Verhaltenweisen als respektlos gesehen werden. Die Entwicklung der eigenen CQ Action Fähigkeit hilft dabei genau diese Gradwanderung zu meistern, also das Verhalten in einem passenden Ausmaß für das jeweilige kulturelle Setting zu adaptieren.


Die HRweb-Serie „Cultural Intelligence“ wird vom Autorenteam Mag. Barbara Covarrubias Venegas und Mag. Andrej Juriga verfasst:

Autoren

Mag. Barbara Covarrubias Venegas ist HRweb-Autorin & Forscherin und Lektorin am Institut für Personal & Organisation der FHWien der WKW. Barbara studierte und arbeitete in Österreich, Spanien, Italien, Chile und Mexiko. Heute spezialisiert sie sich auf Trainings und Beratungen im internationalen Kontext. Sie ist Vorsitzende von SIETAR Austria www.sietar.at und leitet das communication committee von SIETAR Europa. Seit 2014 Projektleitung eines von der Stadt Wien geförderten Forschungs- und Lehrteams zu „HR Rollen und HR Kompetenzen im internationalen Vergleich“ an der FHWien der WKW. Forschungs- und Vortragsschwerpunkte: DasNeueArbeiten, Altersdiversität, HR Rollen/HR Kompetenzen, Organisationskultur und Interkulturelles Management.

Mag. Andrej Juriga ist zertifizierter Trainer des Cultural Intelligence Center (USA), Gründer und Geschäftsführer von Cultural Bridge. In den letzten 13 Jahren war Andrej als Geschäftsführer und HR Leiter in globalen Unternehmen tätig und hat sich zum Ziel gesetzt Führungskräfte weltweit bei dem Management von multikulturellen Teams zu unterstützen. Andrej war in vier verschiedenen Ländern in Europa und Afrika beruflich tätig und ist Mitglied von SIETAR Austria. info@culturalbridge.sk, www.culturalbridge.sk


Event-Info SIETAR Austria

Bei Interesse an Fachveranstaltungen im Bereich Interkulturelles/Internationales Management: www.sietar.at — Society for Intercultural Education, Training and Research

 

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