Auslandsentsendungen betreffen oft auch Partner. Dual-Career-Couples stellt es vor das Dilemma, dass der mitreisende Teil die Karriere unterbrechen oder zumindest verändern muss. Die Möglichkeit, ortsunabhängig bzw. remote zu arbeiten, kann eine gute Lösung darstellen.
Sehen wir uns die Vor- und Nachteile dieser Möglichkeit an:
Das Dilemma von Dual-Career-Couples
… im Kontext einer Auslandsentsendung
Eine Expatriation bedarf für künftige Expatriates guter Planung in Bezug auf die eigene Karriere. In welchem Kontext steht die Entsendung? Welche Chancen ergeben sich nach der Rückkehr?
Noch sorgfältiger sollte die Planung sein, wenn Partner betroffen sind und die Rolle von Mitausreisenden übernehmen.
Angesichts der umfangreichen Forschung zu diesem Thema gilt es heute als erwiesen, dass Mitausreisende sowohl für das Gelingen der Entsendung als auch für ihr Scheitern maßgeblich beitragen. Aus folgenden Gründen:
Erfolgs-Faktoren
- Mitausreisende sind bereit, ihre entsandten Partner in ihrer Rolle und Funktion im Ausland zu unterstützen und ihnen den Rücken freizuhalten.
- Mitausreisende übernehmen die Haushalts- und Familienaufgaben, z.B. Betreuung und Unterstützung von mitausreisenden Kindern oder Angehörigen.
- Und Mitausreisende stehen dem Zielland und der Entsendung positiv gegenüber und durchlaufen einen gelingenden kulturellen Anpassungsprozess.
⇒ Diese Faktoren tragen eher zum Erfolg der Expatriation
Misserfolgs-Faktoren
- Bei Dual-Career-Couples erklären sich Mitausreisende bei der gemeinsamen Entsendung bereit, ihre Jobs aufzugeben oder ihre beruflichen Karrieren zurückzustellen
- Daraus ergeben sich möglicherweise Konfliktpotenziale für die Beziehung aufgrund entstehender Unzufriedenheit und Unterforderung der Mitausreisenden in ihrer neuen Rolle.
- Mitausreisende haben eventuell Probleme beim kulturellen Anpassungsprozess ans Zielland und / oder finden sich mit den Konsequenzen der Entsendung nicht zurecht.
⇒ Diese Faktoren können sich negativ auswirken und tragen eher zum Misserfolg der Expatriation
Gerade bei Dual-Career-Couples stehen eher die negativen Faktoren im Vordergrund. Aus einer finanziell unabhängigen und beruflich ausgelasteten sowie zukunftsversprechenden Situation finden sich Mitausreisende in Abhängigkeit von ihren Partnern und finden nur schwer ein eigenes Betätigungsfeld im Zielland. Das kann sich negativ auf ihr Selbstwertgefühl auswirken.
Remote Work als Lösung?
Konnte früher dieses Dilemma nicht oder nur unbefriedigend gelöst werden mit dem Resultat, dass sich deutlich weniger Dual-Career-Couples gemeinsam für eine Auslandsentsendung entschieden haben, gibt es heute andere Lösungen.
Die Möglichkeit, ortsunabhängig zu arbeiten, scheint als perfekte Lösung des Dilemmas von Dual-Career-Couples bei einer Expatriation zu sein. Mitausreisenden, die in Bereichen tätig sind, in denen sie im Home Office arbeiten können, ist es möglich, ihrer beruflichen Tätigkeit im remote Modus ortsunabhängig auch im Ausland weiterhin nachzugehen.
Folgende Faktoren sind dabei maßgeblich:
- Egalitäre soziale Rollen: Eine weiterführende Berufstätigkeit und Aufbau der Karriere sind heute bei der jüngeren Generation (Gen Y und Z) vor allem für Frauen besonders bedeutend.
- Technologische Entwicklung: Technologisch ist es heute kein Problem mehr, remote und ortsunabhängig zu arbeiten.
- Rechtliche Fragen: Für Remote Arbeitende gibt es heute in zahlreichen Ländern spezielle Digital-Nomad-Visa oder Digital-Nomad-Residence Permit.
- Unternehmensattraktivität: Unternehmen bewegen sich zunehmend in Richtung der Ermöglichung von Remote Work, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, und setzen mehr und mehr auf Flexibilität.
- Ansprüche von Gen Y und Z: Die jüngere Generation erwartet diese Flexibilität von ihren Arbeitgebern.
- Expatriation neu: Auch die Entsendung kann anders gedacht werden: nicht als langfristige Maßnahme, sondern kürzer und evt. geteilt in Präsenz- und Remote-Modus, um Dual-Career-Couples entgegenzukommen. Auch diese Möglichkeit steht im Kontext von möglichst hoher Flexibilität von Seiten der Unternehmen.
Die Möglichkeit für Remote Work im Kontext von Expatriation ist eine gute Lösung für Dual-Career-Couples. Die Umsetzung ist jedoch von der Bereitschaft der betroffenen Unternehmen abhängig, die rechtlichen sowie steuer- und versicherungstechnischen Fragen befriedigend und konstruktiv zu lösen.
Herausforderungen von Remote Work bei einer Entsendung
Einige der Herausforderungen von Remote Work bei einer Expatriation wurden schon angesprochen. Im Folgenden soll darüber ein Überblick gegeben werden:
- Rechtliche Fragen: Visa, Arbeitserlaubnis und steuerliche sowie Versicherungsfragen bei Remote Work im Kontext einer Expatriation für Mitausreisende müssen genau geprüft werden
- Status des Arbeitsverhältnisses: Weiterführung der Anstellung oder Arbeit auf Freelance Basis? Welche Konsequenzen hat Letzteres für die mitausreisende Person?
- Berufliche Selbständigkeit: Häufig, je nach Tätigkeit, gewähren die speziellen Digital-Nomad-Visa oder Digital-Nomad-Residence Permits den Aufenthaltsstatus. Steuerliche und Versicherungsfragen bleiben jedoch im Einzelnen genau zu überprüfen
- Soziale Isolation: Remote Work kann einsam sein und sich negativ auf den kulturellen Anpassungsprozess und die soziale Integration in die lokale und die Expatriate Gemeinschaft im Zielland auswirken. Damit der kulturelle Anpassungsprozess und die Integration gelingen, bedarf es Maßnahmen wie Aktivitäten in lokalen Netzwerken und Erlernen der Landessprache
- Unterschiedliche Zeitzonen: Zeitunterschiede und Zeitzonen können eine Herausforderung für die Zusammenarbeit im bestehenden Team sein
Zusammenfassung: Remote Work & Expatriation
Es gilt, Remote Work nicht zu idealisieren, denn es bestehen zahlreiche Hindernisse, die überwunden werden müssen, damit dieses Modell auch bei einer Expatriation eingesetzt werden kann. Dennoch ist es attraktiv, als mitausreisende Person diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen, um sowohl berufliche Wünsche als auch das Bedürfnis, in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten, in Einklang zu bringen. Flexibilität bleibt das Codewort der heutigen Zeit.
Gemeinsam ins Ausland (Expatriation) | Remote Work gegen Karriereknick der Mitausreisenden
Quellen
- Bonache, J., Brewster, Ch., Froese, F. J., The Cambridge Companion to Global Mobility and the Management of Expatriates. Cambridge University Press 2021
- Harvey, M. (1998). Dual-career couples during international relocation: The trailing spouse. The International Journal of Human Resource Management, 9(2), 309–331. https://doi.org/10.1080/095851998341116
- Dwomoh, G., Asiamah, Y., Frempong, E.O. (2017), Dealing with Dual Career Couples: A Tool for Accepting and Making International Assignments effective. International Journal of Research, 5 (6), 181-188. DOI: https://doi.org/10.29121/granthaalayah.v5.i6.2017.2015
- Women of Global Mobility: https://womenofglobalmobility.org/2025/07/25/trailing-spouse-no-more/
- Portable Careers: https://expatchild.com/portable-careers/
- Forum Expat Management: https://www.forum-expat-management.com/posts/11842-dual-career-couples-are-trailing-spouses-given-enough-attention

