Ein beruflicher Umzug ins Ausland verändert das Leben der ganzen Familie. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen dabei mehr als einen Schulplatz und gepackte Koffer. Wie Eltern und Unternehmen sie beim Abschied und Ankommen unterstützen können.
Die Entscheidung zu einer internationalen Entsendung ist auch eine Familienentscheidung, die dann vor allem die Kinder betrifft. Denn Erwachsene entscheiden sich aus bestimmten Gründen für eine Expatriation. Kinder und Jugendliche tun dies von sich aus in der Regel nicht. Werden sie in den Entscheidungsprozess einbezogen, ist es wichtig, ihnen die positiven Aspekte zu vermitteln, die mit dem Zurücklassen der Komfortzone einhergehen. Kleine Kinder folgen eher unhinterfragt ihren Eltern, Jugendliche sind zuweilen schwerer von diesem Schritt zu überzeugen.
Zu verstehen, was junge Menschen tatsächlich brauchen und was Unternehmen tun könnten, um sie zu unterstützen, ist für jede Familie, die sich auf eine Expatriation vorbereitet, bedeutend.
Folgende Punkte möchte ich zu diesem Thema näher behandeln:
- Emotionale Unterstützung
- Maßnahmen, die Kindern und Jugendlichen helfen
- Aktuelle Angebote von Seiten der Unternehmen
- Logistik ist nicht alles
Emotionale Unterstützung
Kinder, die im Zuge der beruflichen Tätigkeit eines Elternteils in verschiedenen Ländern und Kulturen aufwachsen, entwickeln sich häufig als so genannte „Third Culture Kids“ (TCKs). Dieser Begriff beschreibt junge Menschen, die einen wesentlichen Teil ihrer Entwicklungsjahre in anderen Kulturen als der Herkunftskultur ihrer Eltern leben und eine eigene Kultur hervorbringen, eine dritte Kultur.
Dieser häufige Wechsel zwischen unterschiedlichen Ländern und Kulturen bringt viele Vorteile mit sich, wie z.B. hohe Anpassungsfähigkeit, erweiterte Weltanschauung und hohe Toleranz für unterschiedliche Lebensweisen, die Fähigkeit zu Perspektivenwechsel sowie Sprachkompetenzen. So ein Leben birgt aber auch Risiken.
Eine Studie zu den so genannten Third Culture Kids zeigte auf, dass familiärer Zusammenhalt und emotionale Stabilität besonders wichtige Faktoren sind, um häufige Wechsel zwischen Ländern und Kulturen gut zu bewältigen und emotional stabil zu bleiben und Anpassungsfähigkeit zu entwickeln.
Eine ambivalente Eltern-Kind-Beziehung und zu wenig emotionale Unterstützung wirken sich hingegen insgesamt negativ aus und führen zu emotionaler Instabilität, die gerade in den prekären Entwicklungsjahren für Jugendliche schwerwiegende Folgen wie Identitätsprobleme, Probleme der Zugehörigkeit oder das Gefühl von Einsamkeit haben kann. Leider werden Eltern häufig nicht auf diese besondere Verantwortung, die sie für ihre Kinder in dieser Übergangszeit haben, vorbereitet.
Maßnahmen, die Kindern und Jugendlichen helfen
In der Literatur zu Expatriation mit der Familie finden sich einige Maßnahmen, die hilfreich sind:
- Frühes Einbeziehen der Kinder und Jugendlichen in den Entscheidungsprozess: Wenn Kinder in den Entscheidungsprozess gar nicht miteinbezogen sind, verstärkt dies das Gefühl der Ohnmacht, das sich später in einer unzureichenden kulturellen Anpassungsleistung im Zielland niederschlagen kann.
- Beibehalten von Routinen und Pflegen von Beziehungen: Regelmäßiger Videokontakt mit Freundschaften und Großeltern, bewusst beibehaltende vertraute Rituale in der neuen Umgebung, Kuscheltiere oder andere Dinge, die Trost spenden, für jüngere Kinder vermitteln Halt und Zuversicht.
- Bewusstmachen von Verlusten: Die Trauer um das Zurücklassen des Zuhauses, der Schule und der Freunde muss ernst genommen werden. Daher sollten Eltern viel mit ihren Kindern darüber sprechen. Dazu eignen sich auch Empfehlungen der TCK-Forscher David Pollock und Ruth von Reken:
Das RAFT-Modell:
Reconciliation – Versöhnung mit allem, was an Konflikten oder Spannungen zurückgelassen wird;
Affirmation – Wertschätzung aller Beziehungen, die zurückgelassen werden, um frei für neue zu sein;
Farewells – Abschiede feiern und zelebrieren, von Orten, Dingen und Personen;
Think Destination – neugierig an das Ziel denken und den Blick nach vorn richten. - Frühe Kontaktaufnahme mit der künftigen Schule: Die Wartelisten für z.B. internationale Schulen sind häufig lang, und ein Ausweichen in lokale Schulen ist oft aus Sprach- oder Curriculumsgründen nicht möglich.
- Besonderes Augenmerk auf Jugendliche: Teenager haben ihr Eigenleben und neigen eher als jüngere Kinder dazu, eine Expatriation skeptisch zu sehen. Sie drücken ihre Gefühle von Trauer und Verunsicherung vielleicht nicht aus und ziehen sich zurück. Die Aufrechterhaltung der Kommunikation mit ihnen von Seiten der Eltern ist dann besonders wichtig.
Aktuelle Angebote von Seiten der Unternehmen
Die Unterstützung von Familien bei einer Expatriation hat sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Hier einige Beispiele:
- Basispakete für Umzüge: Basispakete für eine Expatriation von international entsandten Mitarbeitenden betreffen meistens die logistischen Aspekte wie Visa und Aufenthaltsgenehmigungen, Transport- und Reisekosten, Unterbringung vor Ort. Manchmal beinhalten diese Pakete auch diverse Zusatzleistungen, die von den Entsendeten optional in Anspruch genommen werden können.
- Spezifische Unterstützung für Familien: Unterstützung bei der Schulsuche und Zuschüsse für das Schulgeld aufgrund hoher Kosten von internationalen Schulen.
Berufscoaching für mitausreisende Ehepartner und Unterstützung beim Aufbau sozialer Netzwerke.
Interkulturelle Trainings und Sprachkurse als Teil der Unterstützung beim kulturellen Anpassungsprozess.
- Spezielles Coaching für Kinder: Aktuell gibt es auch gezieltere Angebote wie das spezielle Coaching für Kinder, unabhängig von der interkulturellen Vorbereitung für die Eltern. Ein Beispiel hierfür ist das „Children’s Transition Coaching Program“, das auf dem RAFT-Modell basiert und mitausreisende Kinder ab 8 Jahren (sowie deren Eltern) in vier strukturierten Schritten in der Übergangsphase begleitet. Anbietende dafür sind häufig unabhängige Coaches und kleinere Beratungsunternehmen.
Logistik ist nicht alles
Neben der Logistik, die bei einer Expatriation angeboten wird, bleibt die Frage nach psychologischer Unterstützung offen. Experten und Expertinnen sind sich einig, dass eine psychologische Betreuung speziell für Kinder nach wie vor nicht standardmäßig angeboten wird. Es bleibt Aufgabe der Eltern, ihre Kinder in Fragen der Identität, der Trauer und der sozialen und kulturellen Anpassung zu unterstützen. Viele Eltern können das gut, manche tun sich schwer, da sie selbst mit der schwierigen Aufgabe der Eingewöhnung kämpfen. Mehr Unterstützung von Seiten der Unternehmen wäre hier wünschenswert.
Beruflich ins Ausland mit der Familie
Quellen
- The global relocation system:
https://theglobalrelocationsystem.com/blogs/guides/the-complete-family-relocation-guide-everything-you-need-before-moving-abroad
https://theglobalrelocationsystem.com/blogs/guides/moving-abroad-with-kids-the-honest-guide-for-parents
- Relocate Magazin:
https://www.relocatemagazine.com/international-assignment-policy-a-focus-on-education-support-sshortland-1125
- Intervenciones psicológicas para third culture kids y familias en transíto (2023):
https://dau.url.edu/handle/20.500.14342/3604
- INS Global: What is a relocation package?
https://ins-globalconsulting.com/news-post/what-is-a-relocation-package/


