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Event-Bericht zum 3. Lehrlingsforum (Wien): Lehrlinge brauchen Wissen. Ausbilder auch.

3. Lehrlingsforum, Business Cirlce, 17+18nov2015, Wien

 

Rund 100 Teilnehmer trafen sich auch dieses Jahr wieder zur Jahreskonferenz zum Thema Lehrlingsausbildung, die in guter Business-Circle-Tradition wieder den Bogen von der Politik über Hintergrundthemen hin zu sehr viel Praxis spannte. Neu in diesem Jahr – und absolut begrüßenswert – war die verstärket Einbindung von Jugendlichen und Lehrlingen in den Programmablauf. Dieses Motto „nicht über, sondern miteinander reden“ ist ein guter Schritt in Richtung eines gemeinsamen Dialogs. Und für die nächste Konferenz sicher ein großer Punkt auf der Wunschliste.

Die Jugend sucht Orientierung

Wie ein roter Faden zog sich das Thema Berufsorientierung durch diese Konferenz. In der Podiumsdiskussion wurde von nahezu allen Teilnehmern betont, dass die Jugendlichen und auch deren Eltern kaum Informationen über die möglichen Lehrberufe haben. Auch im Praxisteil mit Einblicken in die Lehrlingsakademien von Spar und Stieglbrauerei kam das Thema auf. Und nicht zuletzt im Fazit der 2 Tage live vor Ort berichtenden Lehrlingsredaktion der Wiener Stadtwerke. Auch die Jugendlichen selbst hätten gern mehr Information anstatt Massentests ohne Aussagekraft. Und fühlen sich nach eigenen Angaben von der Politik im Stich gelassen.

Der Anmerkung das keine politische Partei Lehrlinge als Zielgruppe adressiert ist wenig zu entgegnen.

Konkrete Praxis für den Alltag von Ausbildern

Wie schon gesagt, wurde auf die konkrete Praxis besonderer Wert gelegt. Schon am ersten Tag in einem von Mag. Bernhard Heinzlmaier (tfactory) fachlich sehr fundiert und positiv launig geführten Wordlcafe zur besseren Ansprache der verschiedenen Jugendmilieus.

Abgerundet durch eine Podiumsdiskussion mit Jugendlichen zum Thema jugendlicher Flüchtlinge. Der zweite Tag wurde dann eingeleitet mit einer offenen Fokusgruppe mit Jugendlichen. Um dann in die Praxis schlechthin überzugehen, nämlich in die schon im Vorjahr sehr guten Praxis-Roundtables. Wobei die Auswahl der Themen noch einmal besser gelungen ist. Höhepunkte wie der Tisch von Nicole Kobjoll (Schindlerhof) oder von Daniel Bacher (LMF) brachten wirklich eins zu eins umsetzbare Anregungen. Und Remo Kluser (Hilti) brachte die Teilnehmer ob der Wertschätzung, wie sie Lehrlinge in der Übungsfirma von Hilti erfahren dürfen, zum Staunen. Wieder einmal ein Hinweis darauf, dass es viele tolle Beispiele gibt, die zum Nachahmen anregen sollten.

Fazit zum Lehrlingsforum

Das Lehrlingsforum hat sich zum wichtigen Treffpunkt all jener entwickelt, die Interesse an der dualen Berufsausbildung haben. Und ist aus meiner Sicht die optimale Ergänzung zur seit vielen Jahren etablierten PoP im Frühjahr. Daher bin ich froh, dass schon der Termin für 2016 festgelegt wurde. Am 29+30nov2016 treffen sich Österreichs Lehrlingsausbilder wieder bei Business Circle.

Noch ein paar Gedanken generell

Generell scheint es eine genetische Vorliebe für Tagungen und Messen im Herbst zu geben. Das neue Schul- und Lehrjahr hat kaum begonnen, schon findet man im Terminkalender kaum noch Platz für Lehrlingsevents, Fachtagungen und Seminare. Eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Tag der Lehre, Jugend & Beruf, Bildungsmeile Amstetten oder Arbeit.Zukunft.Leben in Bad Vöslau. An Fachtagungen die Tagung des ARS, die Lehrlingsfachtagung des Wirtschaftsverlages und das Lehrlingsforum von Business Circle. Begleitet von Fachartikeln und Nachlesen in diversen Medien. Ergänzt wurde diese geballte Ladung an Fachinformation heuer noch durch den Jahreskongress von playmit.com. Dem wahrscheinlich größten Netzwerktreffen von Ausbildern mit rund 300 Teilnehmern im Hangar 7, Salzburg.

Geballte Präsenz in einer Zeit, die mit Schul- oder Lehranfang schon gut gefüllt ist. Um dann, wenn ausreichend Zeit wäre und aufgrund der Halbjahresnoten das Bewusstsein für eine notwendige Veränderung steigt, wieder weniger zu werden. Wer meine Vorliebe für Marketing kennt der ahnt, was jetzt kommt. Macht es Sinn die wesentliche Zielgruppe, Schüler und deren Eltern, dann zu erreichen wenn diese gar keinen Kopf für das Thema hat? Und auch die Ausbilder haben im Herbst mit den neuen Lehrlingen genug zu tun. Aber weil Messen und Tagungen nun mal hier angesetzt werden, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als dabei zu sein. Was für die Qualität, bei den Tagungen auch für die Quantität, sicher nicht zuträglich ist. Und wie viele Jugendliche merken sich bis zur aktiven Bewerbungszeit im Februar den Arbeitgeber ihrer Wahl? Von einer Messe, die im Oktober stattfindet? Aber genug gejammert, wir waren für Sie bei den Tagungen vor Ort.

Es wäre spannend was passiert, wenn man eine große Lehrstellenmesse rund um das Halbjahreszeugnis anbietet. Vielleicht sogar frei nach dem Vorbild der Bäckerei Ströck, die in ihrem neuen Karrierezentrum die Möglichkeit zur Direktbewerbung bietet. Warum nicht direkte Bewerbungsgespräche auf einer solchen Messe anbieten? Oder eine Fachtagung im April oder Mai. Die würde den Teilnehmern die Gelegenheit geben, das Gehörte über den Sommer strategisch zu planen. Im Sinne der Sache würden wir uns dann noch eine bessere Abstimmung der Veranstalter wünschen. Denn mehr Qualität und konkrete Bewerbungen sind doch jene Ergebnisse, die wir alle so dringend bräuchten.


Lehrlingsforum 2016

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