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Marktpotenzial erkennen | Maßgeschneiderte Innovation durch Absorptionskompetenz & Kompetenzmatrix

Ideen sind der erste Schritt zu Innovation und Veränderung. Wobei nicht jede innovative Idee zu jedem Unternehmen passt. Doch nur wenn Ideen auf die Möglichkeiten und Kompetenzen des Unternehmens abgestimmt sind, können nachhaltig erfolgssteigernde Wirkungen als Player auf dem relevanten Markt erzielt werden. Die Fähigkeit Veränderungsideen mit den eigenen Stärken und den Bedürfnissen des Marktes in Einklang zu bringen, bezeichnen wir als Absorptionskompetenz. Aber wie kann diese Absorptionskompetenz entwickelt werden? Eine gute Antwort ist die Kompetenzmatrix.

 

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Die Kompetenzmatrix ist eine einfache Methode, um herauszufinden, ob neue Ideen anschlussfähig an ein Unternehmen sind. Bevor wir die Methode der Kompetenzmatrix vorstellen, ist es wichtig zu verstehen, was die Absorptionskompetenz eines Unternehmens ist.“

Die Absorptionskompetenz

Absorptionskompetenz ist die Fähigkeit eines Unternehmens externes Wissen, Innovationsideen und Informationen zu akquirieren, entsprechend aufzunehmen und in die organisationale Wissensbasis zu integrieren.

Unternehmen mit einer hohen Absorptionskompetenz verfügen über gut ausgebildete Routinen zur systematischen Wahrnehmung und Integration von Informationen von außen (zB über neue Produkte, Technologietrends, Mitbewerber). Sie sind in der Lage, relevante Informationen und Ideen sowie relevantes Wissen aus der Umwelt gezielt zu filtern, zu verarbeiten und in realistische, für das Unternehmen passende, Veränderungs- und Innovationsvorhaben zu überführen. Auf diese Weise generierte Ideen bieten nur einen geringen Nährboden für Widerstände und wirken förderlich auf die Mitarbeitermotivation. So können Veränderungen nachhaltig im Unternehmen verankert werden und langfristig zur nachhaltigen Steigerung des Erfolgs beitragen, sowie die Marktposition stärken.

Werden in einem Unternehmen hingegen die vielen, über Newsletter, Tweets o.ä. eintreffenden Informationen über das Marktgeschehen nicht oder nicht optimal gefiltert, fällt die Informationsverarbeitung oft schwer und Veränderungs- und Innovationsideen gehen im Tagesgeschäft leicht unter. Beispielsweise wird das Erfolgspotenzial bestimmter Produktentwicklungen nicht erkannt, notwendige Informationen über Kundenbedürfnisse fehlen an wichtigen Stellen, die Umsetzbarkeit von Ideen kann nur schwer eingeschätzt werden. Häufig folgt dann eine Entscheidung für oder gegen eine Veränderung letztendlich “dem Bauchgefühl“. Sowohl wenn Trends „verschlafen“ werden, als auch wenn auf nicht zum Unternehmen passende Trends „aufgesprungen wird“, kann es im schlimmsten Fall für das Unternehmen schwerwiegende ökonomische Folgen haben.

Aber auch wenn nie eindeutig vorhergesagt werden kann, wie sich Trends in Zukunft weiter entwickeln werden, gibt es dennoch zumindest die Möglichkeit „Bauchentscheidungen“ zu systematisieren und dadurch die Absorptionskompetenz zu stärken. Diese Stärkung der Absorptionskompetenz kann – durch die Berücksichtigung von Marktpotenzialen, unternehmensinternen Erfolgsfaktoren und der Unternehmensvision – die „Passgenauigkeit“ von Veränderungsideen sichern.

Wie steht es um die Absorptionskompetenz in Ihrem Unternehmen?

Unternehmen mit einer hohen Absorptionskompetenz sind in der Lage, aus einer Vielzahl von Informationen und Innovationsideen solche mit hohem Marktpotenzial zu erkennen und zu entscheiden, ob diese zum Unternehmen passen. Erste Anhaltspunkte, wie gut diese Absorptionskompetenz in Ihrem Unternehmen ausgeprägt ist, liefern folgende Fragen:

  • Können wir relevante von nicht relevanten Informationen abgrenzen?
  • Werden diese Informationen im Unternehmen in ausreichendem Maß genutzt?
  • Können wir neue Informationen an bestehendes Wissen im Unternehmen „andocken“?
  • Berücksichtigen wir bei Veränderungsideen unsere Kernkompetenzen / Stärken / Schwächen?
  • Wie gut gelingt es unserem Unternehmen, neue Ideen zu verinnerlichen?
  • Können wir neue Informationen in Prozess- / Produktinnovationen übersetzen?

Die Antworten auf diese Fragen können helfen, Entwicklungspotenziale hinsichtlich der Absorptionskompetenz in Ihrem Unternehmen zu identifizieren. Falls es Entwicklungsbedarf gibt, sollte zunächst identifiziert werden in welchem Bereich dieser liegt. Wo genau das Entwicklungspotenzial liegt, kann über die Betrachtung der Absorption als vierstufiger Prozess erfolgen.

Absorption als 4stufiger Prozess

Die Forschung hat gezeigt, dass die Absorption, also die Aufnahme von Informationen und Wissen bzw. deren Weiterentwicklung zu Innovations- und Veränderungsideen im Unternehmen in mehreren Schritten abläuft. Der Prozess der Absorption im Unternehmen erstreckt sich dabei über die vier Felder Identifikation, Verständnis, Integration und Nutzbarmachen von Innovations- und Veränderungsideen.

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1. Akquisition: Ideen identifizieren!

Im ersten Schritt werden Innovationsideen identifiziert. Das heißt in der Umwelt (z.B. über Suchprozesse, wie im ersten Teil dieser hrWeb-Serie beschrieben), aber auch im eigenen Unternehmen (z.B. über Reflexionsprozesse, wie im zweiten Teil dieser HRweb-Serie beschrieben) nach Ideen zu suchen und dabei auch bewusst über den „Tellerrand“ (z.B. in andere Branchen) zu blicken. Das Wesentliche ist dabei das Einordnen der Relevanz von Informationen oder Ideen für das Unternehmen. Hilfreich ist hierfür unter anderem eine klar kommunizierte Unternehmensvision.

2. Assimilation: Ideen verstehen!

Im zweiten Schritt müssen die Veränderungsideen und Innovationen sowie deren mögliche Implikationen für das Unternehmen verstanden werden. Wesentlich ist dabei, dass auch das notwendige „Zubehör“ zur Umsetzung mit bedacht wird (z.B. Anschaffung von neuen Geräten, Einstellung von neuen Mitarbeitern, Erschließung neuer Märkte und Kundensegmente, notwendiges Know-how), um darauf basierend fundierte Entscheidungen für oder gegen die Veränderung treffen zu können. Hilfreich ist hierfür bspw. ein gezielter Blick auf die Mitarbeiterfähigkeiten (z.B. über Kompetenz-Mapping).

3. Transformation: Ideen integrieren!

Wenn die Entscheidung für die Veränderung oder Innovation getroffen wird, folgt der nächste Schritt, die Integration der Veränderungsideen in das Unternehmen. Bevor die Veränderung unternehmensweit ausgerollt wird, sollte mit „Testballons“ (z.B. ersten Prototypen, friendly customers) gestartet werden. So können „Kinderkrankheiten“ bereits vor einem Roll-out identifiziert und behoben werden.

4. Exploitation – Ideen nutzen!

Erst wenn sich in der Transformationsphase abzeichnet, dass sich die Innovation im Unternehmen bewährt hat, kann aus den Veränderungen und Innovationen langfristig ein wirtschaftlicher Nutzen gezogen werden.

Um also passende Veränderungsideen zu generieren und in weiterer Folge erfolgreich zu integrieren und umzusetzen, sollte ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden, der den gesamten vierstufigen Prozess berücksichtigt. So kann bereits während eines pro-aktiven Trend-Scouting durch Mitarbeiter die Wahrnehmung von verwertbaren Informationen (z.B. Trends, Technologien, Erkenntnisse aus der Forschung usw.) geschärft werden. Die Berücksichtigung der unternehmensinternen Ressourcen (z.B. das bestehende Know-how der Mitarbeiter sowie dahingehende Potenziale) beim Treffen der Entscheidung für oder gegen Innovation oder Veränderung, können die Erfolgschancen von Veränderungsvorhaben zusätzlich maßgeblich steigern. Es bedarf also eines Bewusstmachens auf mehreren Ebenen, bevor die Veränderung initiiert wird. Auf Ebene der für das Unternehmen relevanten Informationen (siehe Schritt 1) ebenso, wie der Ebene interner Ressourcen, wie bspw. die für die Realisierung notwendigen Mitarbeiterkompetenzen (siehe Schritt 2), als eine der Quellen unternehmerischer Kernkompetenz. Um letztgenannte zu identifizieren, kann bspw. eine Kompetenz-Analyse mit Hilfe der Erstellung einer Kompetenzmatrix durchgeführt werden.

Kompetenzmatrix: Mitarbeiter-Kompetenzen analysieren

Die Kompetenz-Analyse widmet sich dem unternehmensinternen Know-How als wettbewerbsrelevantem Faktor. Die Basis bildet die Gegenüberstellung von vorhandener Kompetenzstärke und notwendigem Kompetenzbedarf. Eine solche Analyse kann für das Unternehmen als Ganzes oder im Hinblick auf konkrete Veränderungsvorhaben und Innovationsideen durchgeführt werden, um diese realistisch zu systematisieren.

Tabelle: Kompetenzmatrix

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Bei der Kompetenz-Analyse im Hinblick auf Veränderungen stellen Sie sich zwei Fragen:

  1. zum einen, welche Kompetenzen für die Durchführung der Veränderung benötigt werden (z.B. technisches Fachwissen, Branchen-Know-how usw.);
  2. zum anderen, welche Kompetenzen davon in Ihrem Unternehmen (in welchem Ausmaß) vorhanden sind.

Die Beantwortung der Fragen erfolgt dabei in einer Kompetenzmatrix (siehe Tabelle). Die für die Veränderung notwendigen Kompetenzen werden in einer Spalte geordnet nach Priorität abgetragen. Im Anschluss daran wird jede der notwendigen Kompetenzen unter Beantwortung folgender Fragen näher betrachtet:

  1. Ist die Kompetenz im Unternehmen vorhanden?
  2. Ist eine (Weiter)Entwicklung der Kompetenz möglich?
  3. Wo im Unternehmen ist diese Kompetenz vorhanden?

Die so entstehende Kompetenzmatrix gibt Ihnen dann erste Hinweise darauf, ob die Veränderungsidee grundsätzlich umsetzbar wäre. Zudem können auf diese Weise weitere, bisher unbekannte Potenziale in den Mitarbeiterkompetenzen sichtbar werden. Wie detailliert oder grob diese Analyse gehalten wird, hängt dabei vom relevanten Thema ab. Wenn Sie eine solche Übersicht erstellt haben, können Sie im Anschluss daran die Analyse bei Bedarf weiterführen und bspw. kostenrelevante Faktoren mit einfließen lassen. Durch diese Betrachtung der Veränderungsidee im Unternehmenskontext gelingt dann eine schrittweise Systematisierung der Idee und somit auch der Entscheidung für oder gegen die Umsetzung der Veränderung.

Fazit

Die Absorptionskompetenz eines Unternehmens ist wesentlich für erfolgreiche strategische Veränderungen. Zwar können zukünftige Entwicklungen nicht vorhergesehen werden, doch Entscheidungen für oder gegen eine Veränderung können dennoch durch ein systematisches Vorgehen auf eine solide Basis gestellt werden. Die für das Unternehmen relevanten Informationen zu filtern und daraus passende Veränderungsideen abzuleiten, bildet die Grundlage für realistische Veränderungsvorhaben. Die Entscheidung für oder gegen Veränderungen kann unter Einsatz einer Kompetenz-Analyse auf ein Fundament gestellt werden. Durch eine solche schrittweise Systematisierung im vierstufigen Absorptionsprozess werden Veränderungen zu einem Erfolgsfaktor des Unternehmens.


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Dieser Beitrag ist Teil der HRweb-Artikelserie „Die Rolle von HR bei der Veränderungsfähigkeit von Organisationen“. Ausgangspunkt der HRweb-Serie sind die Ergebnisse des Projektes „KMU in Veränderung“ an der FHWien der WKW, das sich mit der Diagnose und Förderung der Veränderungskompetenz insbesondere von kleinen und mittelständischen Unternehmen auseinander setzt.
Weitere Artikel aus der Serie:
  • Informationssuche: „Informationssuche: Trend-Scouting durch Mitarbeiter & Branchenstrukturanalyse“
  • Reflexion: „Das reflektierende Unternehmen: aus Fehlern lernen (7s-Modell von McKinsey)“
  • Absorption: „Marktpotenzial erkennen | Maßgeschneiderte Innovation durch Absorptionskompetenz & Kompetenzmatrix“
  • Strategie: „Mitarbeiter gezielt bei der Umsetzung von Strategie & Change einsetzen: Die interne Kundenanalyse / Mitarbeiteranalyse“
  • Planung: „Change Prozesse & Veränderungen umsetzen mithilfe der Balanced Score-Card (BSC)“
  • Umsetzung: „Personal entwickeln & Strukturen schaffen  |  Prozessorientiertes & ganzheitliches Veränderungsmanagement für HR“

Autor: Personal & Organisation-TEAM. Heute: Lorena Hoormann, Barbara Kump, Christina Schweiger

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