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Gender Gap bei Auslandsentsendungen: Wie Unternehmen Frauen als Expats fördern können

Frauen in Auslandsjobs – eine Seltenheit? Studien zeigen in regelmäßigen Abständen auf, dass Frauen eher keine oder viel seltener Auslandsjobs angeboten werden.

Von Unternehmensseite bestehen die Vorurteile häufig darin, dass erstens Frauen nicht fähig seien, den anspruchsvollen Job im Ausland zu machen, zweitens im Zielland mit negativen Stereotypisierungen zu kämpfen hätten, daher keine guten Netzwerke aufbauen könnten, und drittens gar kein Interesse an einem Auslandsjob hätten.

Ein weiterer Grund für die Unterrepräsentanz von Frauen in Expatriate Jobs liegt laut Umfragen in der traditionellen Rolle vieler Frauen: „Women don’t ask“ – Frauen stellen sich tendenziell seltener aktiv in die Reihe der potentiellen Expatriates.

Einige dieser Vorurteile lassen sich leicht entkräften: Denn Umfragen zeigen auch auf, dass im Ausland Frauen in Expatriate Jobs gar nicht negativ gesehen werden und dass sie ihren Job sehr gut machen. Eine ernüchternde Tatsache aber kann nicht entkräftet werden: Bis heute ist es für weibliche Expatriates schwierig, Arbeits- und Privatleben gut unter einen Hut zu bringen. Viele Frauen in Auslandsjobs sind daher Single, mitunter auch Alleinerziehende. Das Thema „Double-Career“, die Lösung für viele Paare, die sich ins gleiche Land entsenden lassen wollen, ist in vielen Ländern, darunter auch Österreich, ein Fremdwort.

Beispiel

Maria H., eine Österreicherin, erzählt:

„Ich wollte unbedingt weg. Meine männlichen Kollegen wurden gefragt, Jobs in den verschiedenen Niederlassungen anzunehmen. Aber keiner mich fragte mich. Also machte ich mich bemerkbar und fragte immer wieder explizit nach einem Auslandsjob. Ich wollte unbedingt internationale Erfahrung machen. Siehe da, es kam ein Angebot: Santiago de Chile, Business Developer. Ich sagte sofort Ja. Bei der Vorbereitung für diesen Job wurde allerdings nicht viel angeboten: Kein interkulturelles Training, kein Sprachtraining, keine Austausch-Platform mit anderen Expatriates. Die Firmen-Politik war: Vorbereitung gibt es nur für die ganz ‚schwierigen Länder‘. So machte ich mich auf diversen Foren schlau und lernte in einem on-line Programm Spanisch. Aber ich war sehr enttäuscht von meiner Firma, denn so ohne Vorbereitung entsendet zu werden, finde ich fahrlässig. Das Entsendepaket bezüglich Umzugspauschale, Zusatz-Versicherung, Housing vor Ort und Heimat-Flüge war allerdings großzügig.“

Dem Gender Gap zuvorkommen

Was können Unternehmen tun, um dem Gender Gap bei Auslandsjobs entgegenzuwirken und Frauen als Entsendete optimal zu unterstützen?

In einer kürzlich an der FH bfi verfassten Studie geben weibliche Expatriates folgende Empfehlungen:

  • Interkulturelle Vorbereitungstrainings
  • Begleitende Unterstützung (Coaching über Skype) und Repatriierungsvorbereitung
  • Frauen aktiv in die Entsende-Planung miteinbeziehen und sie auch für mehrjährige Entsendungen sowie so genannte „schwierige“ Länder einplanen
  • Förderung von Plattformen für den Austausch zwischen Expatriates innerhalb des Unternehmens
  • Einbeziehung der männlichen Partner in die interkulturelle Vorbereitung und ins Sprachprogramm
  • Unterstützung der Karriere des männlichen Partners am Zielort (Dual Career Support)
  • Erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Alleinerziehenden, denn sie sind häufig bereit für einen Auslandsjob. Einer der Gründe: im Ausland verdienen sie mehr und können sich gute Kinderbetreuung eher leisten
  • Einrichten einer Kontaktperson, die die Entsendete auch über räumliche Distanz unterstützen kann
  • Expatriates haben in der Regel sehr lange Arbeitstage und Wochenendbereitschaft, eine Tatsache, die im Headquarter selten wahrgenommen und wertgeschätzt wird – in dieser Hinsicht wünschen sich die weiblichen Expatriates mehr explizite Anerkennung

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