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Mobile Recruiting Studie | Per Smartphone zum neuen Job? Wünsche an die Bewerbung der Zukunft

Wie stehen junge Menschen zu mobiler Bewerbung über Smartphone oder Tablet? Welche Wünsche haben sie an die Bewerbung der Zukunft? Wir haben die Ergebnisse einer Studie zu mobile Recruiting:

Autoren: Sigrid Maxl-Studler (FHWien der WKW) und André Romano (Hernstein Institut)

Diesen Fragen gingen Studierende des Studiengangs Personalmanagement an der FH Wien der WKW gemeinsam mit Projektpartner hokify, der mobilen Jobplattform, näher auf den Grund.

Mobile Recruiting

„Mobile Recruiting“ nennt sich die zunehmende Bereitstellung von Technologien seitens Unternehmen, um Personen die Informations- und Stellensuche sowie die Bewerbung über mobile Endgeräte – wie Smartphones oder Tablets – zu ermöglichen. Relevanz zeigt dieses Thema für beide Zielgruppen: sowohl für Unternehmen, um potenzielle Bewerber bestmöglich zu erreichen als auch für Bewerber selbst, die mobile Endgeräte fest in ihren Tagesverlauf integriert haben.

Generell gesprochen haben sich Wertvorstellungen in der Gesellschaft früher deutlich langsamer gewandelt. Waren diese in der Vergangenheit oft über mehrere Generationen hinweg stabil, ist in der Moderne mittlerweile eine Veränderung von einer Generation zur nächsten deutlich erkennbar. Heute kann man für eine Generation einen Zeitraum von ungefähr 15 Jahren annehmen. Im Fokus der durchgeführten Erhebung standen die Generationen Y und Z, die aktuell besonders wichtige Adressaten am Arbeitsmarkt darstellen.

Eine Online-Befragung unter 510 Personen besagter Generationen, durchgeführt im Mai 2020 von Studierenden des Studiengangs Personalmanagement FH Wien der WKW gemeinsam mit hokify, liefert wertvolle Einblicke in deren Vorstellung zukünftiger Bewerbungen und mobiler Lebensweise:

Ergebnisse der Mobile Recruiting Studie

  • Für 71 % der Befragten sind Social Media wichtig oder sogar unverzichtbar. Für die jüngere Zielgruppe spielen Social Media dabei eine noch größere Rolle im Alltag: Immerhin 20 % der Befragten der Generation Z, geboren zwischen 1995 und 2005, können sich ein Leben ohne Social Media nicht (mehr) vorstellen. Im Vergleich zu 12 % bei der Generation Y (1980 – 1995).
  • Bei zukünftigen Bewerbungen möchten knapp 60% der Befragten nicht mehr als 30 Minuten für die Erstellung von Bewerbungen investieren. Je geringer der schulische Bildungsabschluss, umso schneller soll eine Bewerbung erfolgen.
  • Drei Viertel der Befragten können sich vorstellen, sich in Zukunft mobil zu bewerben. Dafür spricht aus Sicht der Befragten vor allem die schnelle und unkomplizierte Handhabung. Als Voraussetzung wird eine gut ausgereifte Plattform bzw. App genannt.
  • Jene Personen, die eine mobile Bewerbung per Smartphone oder Tablet ablehnen, sehen Nachteile in der Bildschirm- bzw. Tastaturgröße und der damit einhergehenden fehlenden Übersicht. Weitere Argumente dagegen sind, dass eine mobile Bewerbung weniger seriös wirkt, eine persönliche Note schwer hinzugefügt werden kann, die vermutete Fehleranfälligkeit, ungewohnte Handhabung und dass notwendige Dokumente am Handy bzw. Tablet nicht verfügbar sind.
  • Die Hälfte der Befragten mit Bewerbungserfahrung hat in der Vergangenheit schon einmal eine Bewerbung abgebrochen – Frauen tendenziell häufiger als Männer. Als Begründung für den Abbruch nennen die Befragten die zu umfangreiche Dateneingabe, eine zu lange Dauer, Meinungsänderung im Bewerbungsprozess, technische Schwierigkeiten und fehlende Informationen für die Bewerbung.
  • 28% aller Befragten können sich vorstellen, in Zukunft eine Bewerbung über ein persönliches Video zu verschicken. Befragte mit höherer Bildung stehen einer Videobewerbung positiver gegenüber.
  • Für die Befragten spricht vor allem die Schnelligkeit (70%) und Ortsunabhängigkeit (67%) für eine mobile Bewerbung. Zudem gehen 48% davon aus, auf diese Weise schneller zu erfahren, wo sie im Bewerbungsprozess stehen. 34% der Befragten verbinden eine mobile Bewerbung mit einer modernen Orientierung des potenziellen Arbeitgebers. Umgekehrt meinen 17% der Befragten zukünftigen Arbeitgebern durch mobile Bewerbungen ihre Technik-Kompetenz vermitteln zu können. Die geringeren Kosten im Vergleich zu postalischen Versendungen sind nur für 14% ein wichtiges Argument für mobile Bewerbungen.
  • Die wichtigsten drei Gründe, die aus Sicht der Befragten gegen eine mobile Bewerbung sprechen, sind fehlende Informationen auf dem Endgerät, die eingeschränkten Möglichkeiten zur individuellen Gestaltbarkeit und die wahrgenommene Fehleranfälligkeit bei der Eingabe auf dem Handy oder Tablet.
  • Welche Funktionen bzw. Möglichkeiten wünschen sich die Befragten für zukünftige Bewerbungen? Gut zwei Drittel erhoffen sich Benachrichtigungen zur Bewerbung via Push-Notification und eine Chat-Funktion, um Fragen zum Job stellen zu können. Jene Befragten, die in Social Media besonders aktiv sind, wünschen sich eher ihren Lebenslauf direkt via Social Media-Account versenden zu können als „Wenig-Nutzer“. Zu all dem wünschen sich die Befragten auch Transparenz, schnelle Prozesse, ein rasches Feedback, einfache Plattformen sowie persönliche Ansprechpartner.

Fazit

Auf den Punkt gebracht zeigen die Ergebnisse der Mobile Recruiting Umfrage deutlich: Mobilität spielt bei zukünftigen Bewerbungen für Generation Y und Z eine wichtige Rolle. Sie wünschen sich eine schnelle und flexible Erstellung von Bewerbungen sowie einen transparenten Bewerbungsverlauf. Und idealerweise den direkten Chat-Kontakt zu den Recruitern.


Literatur

Mannheim, K. (1964): Das Problem der Generationen, in: Wissenssoziologie: Auswahl aus dem Werk. Luchterhand, Neuwied.

Universität Bamberg (2019): Studienreihe „Recruiting Trends“. Bamberg. Online verfügbar unter https://www.uni-bamberg.de/isdl/chris/recruiting-trends/recruiting-trends-2019/


Autoren

Sigrid Maxl-Studler ist Academic Coordinator bzw. Lehrende an der FHWien der WKW und selbstständig im Bereich Training bzw. Coaching. sigrid.maxl@fh-wien.ac.at

André Romano ist seit 2016 Produktmanager und Kundenberater am Hernstein Institut für Management und Leadership. Davor arbeitete er elf Jahre in der Organisationsforschung und -beratung sowie in der Marktforschung. andre.romano@hernstein.at

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