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Siegeszug der Emotionen im Unternehmen

Brauchen Mitarbeiter Emotionen? Und wenn ja, welche Emotion herrscht da vor – Arbeiten als stimulierendes Erlebnis oder als Raunzergemeinschaft oder …?

Wir kaufen ja schon lange nicht mehr nur das, was wir benötigen, sondern vielmehr das, was uns positive Emotionen erleben lässt: ein Einkauf stimuliert uns, ist aufregend oder ein Produkt gibt uns Sicherheit oder das „Ding“ lässt uns unwiderstehlich und anziehend wirken. Dass Konsumenten Emotionen brauchen ist jedem Unternehmen längst klar. Aber was ist mit den Mitarbeitenden innerhalb eines Unternehmens?

Harry Gatterer vom Zukunftsinstitut meint: „Emotionen sind grundlegend in jedem Unternehmen angelegt, sie sind die innere Kraft. Werden diese Emotionen aufgedeckt, tritt nicht nur eine neue Grundlage für Beziehungen, für neue Wertschöpfung zutage, sondern auch das Zukunftsbild, das im Unternehmen steckt und es antreibt.“

Emotionen & Ihre Wirkung

Gefühle helfen uns die Welt zu erschließen, einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen und unseren Platz in einer Gemeinschaft zu finden. Alles was wir der Außenwelt wahrnehmen aber auch von unserer Innenwelt, bewerten wir mit einer Emotion. Angenehm, unangenehm…? Gefühle geben uns Orientierung in einer zunehmend mehrdeutigen Welt und sie verleihen uns die Energie/Motivation sowie die Richtung für eine Handlung. Ohne Emotionen würden wir nichts wollen (außer wahrscheinlich gerade mal überleben), nichts hätte Priorität, das Leben wäre möglicherweise weiß oder grau statt bunt.

Die Vielfalt der Gefühle oder metaphorisch „der Farbtöne“, die wir empfinden, kann man auch auf einige wenige Grundgefühle reduzieren:  Freude, Trauer, Angst, Ekel, Wut (nach Paul Ekman). Jede Emotion hat für unser Überleben in der Welt und in der sozialen Gemeinschaft eine wichtige Rolle und es ist psychisch notwendig alle erleben zu können. Damit wir als Menschen jedoch „aufblühen“ und unser Potential leben können, braucht es (täglich) ein Verhältnis von von 1:3 d.h. ein negatives Gefühl: drei positive Gefühle (nach Barbara Fredrickson). Und jetzt schauen sie nochmal nach, wie das Verhältnis zwischen positiv und negativ bei den Grundgefühlen ist… Genau. Es ist eine Herausforderung.

Positive Gefühle als Erfolgsgrundlage

Was sind die dominierenden Emotionen in Ihrem Unternehmen? Was beobachten Sie – auch an sich selbst? Dürfen und werden Gefühle angesprochen oder sind sie z.B. noch „maskiert“ hinter einem Unterton, einer unpassenden Mimik oder in einer hartnäckigen Sachdiskussion, wo es gar nicht um die Sache geht? Es ist sehr hilfreich, wenn man einfach mal wahrnimmt und ausspricht bzw. den andern fragt, was man tatsächlich empfindet. Petra Jenner (als CEO Microsoft Österreich, jetzt Vice President bei Sales Force) hat eingeführt, das jedes Managementmeeting mit einer Sensibilitätsrunde beginnt. Jeder sagt kurz und unkommentiert, in welchem Zustand man in die Besprechung kommt. Was ist gerade passiert? Wie fühlt man sich deshalb gerade? Diese Reflexion hilft in eine konstruktive Gesprächsbasis zu kommen. Und die Sache leidet nicht an etwas „Mitgebrachten“, wie z.B. Ärger über einen Anruf vorher.

Wenn wir die Positive Psychologie in Unternehmen als Motor für Erfolg einführen, dann gehen wir noch einen Schritt weiter und fokussieren bewusst auf das Erleben von positiven Gefühle. Barbara Fredrickson hat in ihrer Forschung beeindruckend nachgewiesen, dass unser Gehirn erst richtig funktioniert (!), wenn wir eine positive Emotion spüren, wie z.B. Gelassenheit, Interesse, Freude, Inspiration oder Stolz. Das heißt, dass wir viel besser arbeiten können und erfolgreicher sind, wenn wir uns in einen guten Zustand bringen. Wie? Durch unser Denken und unseren Fokus: Zum Beispiel Teambesprechungen zu starten mit: „Was ist letzte Woche gut gelungen? Was können wir davon lernen?“ Das weckt Selbstbewusstsein, positiven Fokus und die gemeinsame Lösungsfindung für Herausforderungen gelingt wesentlich besser und schneller. Auch die Unternehmensvision, braucht „Farbe“, sie muss emotional für jeden spürbar sein (z.B. durch Storytelling), damit Menschen in Bewegung kommen und Freude an der Gestaltung der Zukunft haben.

Mensch und Maschine

Die ersten Maschinen haben uns als Arbeitnehmer schwere körperliche Arbeit abgenommen, in der Produktion, im Transport. Wir haben Technologien erschaffen, die kraftmäßig mehr leisten können als unsere Muskeln. Jetzt, im Zeitalter der Digitalisierung, entstehen durch uns Maschinen, Logarithmen und künstliche Intelligenz-Systeme, die bestimmte kognitive Prozesse besser erledigen werden als wir selbst, z.B. logisch-analytische Prozesse oder Wissensspeicherung und -abruf. Und auch wenn es vielleicht paradox klingt, gerade dadurch rückt der Mensch in seinen menschlichen Qualitäten wieder in den Mittelpunkt, hat das Zukunftsinstitut erforscht. Emotionen, Empathie, Beziehungen gestalten sind einzigartige menschliche Fähigkeiten. Auf den Umgang und die Nutzung dieses emotionalen Potentials wird es in Zukunft ganz wesentlich ankommen.


Literaturtipps

Zukunftsinstitut (2018), Megatrendstudie „Siegeszug der Emotionen“

Barbara Fredrickson (2009) „Die Macht der positiven Gefühle“

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