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Streitgespräche | Warum wir dabei an Giraffen denken sollten

Streitgespräche

Streitgespräche: Die Giraffensprache kennt kein Schubladendenken. Mit „Giraffenohren hören“ heißt, Kritik in etwas Konstruktives umzuwandeln.

INHALT

Streitgespräche: Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, steigende Energiekosten und explodierende Inflation – der seit Jahren andauernde Krisenmodus hat vielerorts tiefe Spuren hinterlassen. Ein besonders schmerzhafter Kollateralschaden:  Die Diskussionskultur in unserer Gesellschaft.

Das ist doppelt bitter, denn gerade in herausfordernden Zeiten sollten wir zusammenrücken, um uns gegenseitig zu stärken und zu stützen. Doch die Art und Weise, wie wir heute vielfach Meinungsverschiedenheiten austragen, bewirkt genau das Gegenteil: Spaltung & Eskalation.

Nachdem die Belegschaften in den Unternehmen immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft sind, liegt auf der Hand, worauf das hinausläuft: Eine Zunahme von Konflikten in den Teams und in weiterer Folge steigende Konfliktkosten in den Unternehmen.

Hoch an der Zeit gegenzusteuern – in den Unternehmen und in der Gesellschaft.

Abwertungen sind in Streitgesprächen heute die Regel

„Entweder wir finden einen Weg, oder wir machen einen“. Diese radikale Philosophie des antiken Kriegsherrn Hannibal im Umgang mit Widerständen scheint in unserer Gesellschaft ein Revival zu erleben. Heute sagen wir salopp dazu: „Wer nicht passt, wird passend gemacht.“ Unser Umgang mit gegensätzlichen Ansichten bei emotional aufgeladenen Themen reduziert sich immer mehr auf ein extremes Schwarz-Weiß-Denken.

Hier Freund, dort Feind: Das ist ein bequemer Konflikt-Zugang, der schnell Orientierung gibt. Die eigene Meinung wird erhöht und die Ansichten Andersdenkender werden mit wenig schmeichelhaften Bezeichnungen abgewertet. Systemgläubige oder Verschwörungstheoretiker – diese Zuschreibungen, bezogen auf ein Pro oder Contra über die Krisenmaßnahmen unserer Entscheidungsträger, stehen stellvertretend für diese omnipräsente Abwertungskultur.

Der große Vorteil, wenn ich im Streitgespräch jemanden abwertend in eine Schublade stecke: Ich muss mich inhaltlich mit dessen Argumenten gar nicht mehr auseinandersetzen, weil ich die Sichtweise der Gegenpartei bereits als amoralisch entlarvt habe. Mein Urteil ist also bereits gefällt, ganz egal, welche Beweggründe mein Gegenüber für sein Denken und Handeln vorbringt. Wie gesagt: Einfach zu handhaben. Aber ist das auch konfliktlösend?

Über Wolfssprache und Giraffenohren in Streitgesprächen

„Willst du recht haben oder glücklich sein? Beides geht nicht.“ Dieses Zitat stammt von Marshall Rosenberg, dem Begründer der Gewaltfreien Kommunikation und einem der größten Friedenstifter der vergangenen Jahrzehnte. Um seine Ideen zur Konfliktbewältigung anschaulicher zu machen, hat er die Begriffe der Wolfs- bzw. der Giraffensprache entwickelt.

In diesem Sprachbild steht die Wolfssprache vereinfacht gesagt für die Suche nach Schuld und für die Verurteilung des Gegenübers. Die Wolfssprache drückt sich u.a. durch Kritik, Strafe, Drohung, Bewertung und Manipulation aus. Diese Wolfssprache ist, wie so vieles, in unserer Erziehung verankert, wo wir lernen einer Obrigkeit zu gehorchen. Würde Marshall noch leben, würde er vermutlich sagen, dass wir heute zunehmend mit „Wolfsohren hören“.

Demgegenüber steht die Giraffensprache. Sie ist benannt nach dem Landtier mit dem größten Herzen und wird daher auch als die Sprache des Herzens bezeichnet. In der Giraffensprache gibt es kein Schubladendenken. Durch Empathie für die Bedürfnisse des Gegenübers, aber auch für unsere eigenen, können wir tragfähige Verbindungen auch zu Andersdenkenden gestalten. Mit „Giraffenohren hören“ bedeutet, Kritik in etwas konstruktives umzuwandeln.

Wenn wir also auch in Streitgesprächen mit anderen in Beziehung bleiben wollen, sollten wir uns immer wieder mal das Bild einer Giraffe vor Augen führen. Oder wie Marshall gesagt hat: „Du kannst dich jederzeit entscheiden, wie du die Worte deines Gegenübers aufnimmst. Diese Macht liegt bei dir.“ (mehr zu Marshall Rosenberg: www…wikipedia./…Rosenberg)

Wir brauchen Streitgespräche für Weiterentwicklung

„Hass wir nicht durch Hass, sondern durch Liebe besiegt.“ – diese Lebensweisheit hat uns Buddha hinterlassen. Und Meinungsverschiedenheiten löst man nicht durch Abwertungen und Verurteilungen, sondern durch das ehrliche Bemühen, die Sache auch einmal vom Standpunkt des anderen zu sehen. Also weg vom ICH, hin zum DU.

Unterschiedliche Lebenseinstellungen können sehr bereichernd sein. Nicht umsonst heißt das Sprichwort: „Gegensätze ziehen sich an“. Und wir brauchen eine offene und ehrliche Auseinandersetzung über unterschiedliche Meinungen, um uns persönlich, gesellschaftlich und auch wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Eindimensionale Sichtweisen verhindern jede Kreativität. Und damit auch jene Innovationskraft, die wir gerade in Krisenzeiten so dringend brauchen.

Ein konstruktiver Umgang mit gegensätzlichen Meinungen setzt allerdings eine Begegnung auf Augenhöhe voraus. Ist diese gegeben, wird Verständnis gelingen. Ist diese gestört oder hat es nie eine gegeben, werden solche Diskussionen schnell hochemotional und verletzend.

Machen wir es also zukünftig in Streitgesprächen wie die Giraffen von Marshall Rosenberg: Hören wir mit dem Herzen.

„Die Schönheit in einem Menschen zu sehen, ist dann am nötigsten,
wenn er auf eine Weise kommuniziert, die genau das am schwierigsten macht.“

(Marshall B. Rosenberg, Begründer der GFK)

Harald Schmid | Teil unseres fixen Autoren-Teams

Mag. Harald Schmid ist Berater und hat sich auf firmeninterne schwierige Situationen wie Konflikt- und Trennungsmanagement, Personalkostenoptimierung und Outplacement spezialisiert. Er kann dabei auf seine langjährige Erfahrung als Personalleiter in namhaften Unternehmen zurückgreifen. Seit 2012 agiert er mit seinem Unternehmen klaglos.at erfolgreich am Markt.

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