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Miteinander reden im Konflikt | Die hohe Kunst des Dialogs

reden Konflikt

„Der Dialog ist die einzige Möglichkeit, einen Streit unter Feinden zu beenden.“ Dieses Zitat des italienischen Schriftstellers Luciano de Creszeno beschreibt sehr treffend den entscheidenden Erfolgsfaktor in der Konfliktarbeit:

INHALT

Wenn es nicht gelingt, Streitparteien offen und einander zugewandt ins Gespräch zu bringen, wird es auch nicht gelingen, diese wieder miteinander in Beziehung zu setzen. Und damit fehlt die notwendige Basis für gemeinsame, nachhaltige Lösungen.

Miteinander reden – einfach gesagt, aber schwer getan. Denn Reden ist nicht gleich Reden.

Debatte vs. Dialog | Die Haltung macht den Unterschied

„Harte Diskussionen“, „heiße Debatten“ oder „hitzige Diskurse“ – solche Formulierungen verwenden wir gerne, um den Austausch von unterschiedlichen Sichtweisen zu beschreiben. Das Problem dabei: Diese Formen der Auseinandersetzung mit der Gegenpartei ändern in der Regel nichts an den jeweiligen Sichtweisen. Im Gegenteil: Sehr häufig führen sie nur zu verhärteten Fronten. Warum? Weil es an der nötigen Einstellung & Gesprächshaltung fehlt.

Wenn wir im Konfliktfall ein ehrliches Interesse an den Ansichten unserer Gegenpartei haben, dann sollten wir danach trachten, die Grundhaltungen eines Dialoges einzunehmen. Um zu zeigen, dass es sich hier um mehr, als um reine Wortklauberei handelt, nachfolgend eine Aufstellung über die Unterschiede zwischen einer Diskussion/Debatte und einem Dialog.

 Diskussion/DebatteDialog
Zieleine Position verteidigenNeue Möglichkeiten erkunden
MotivEigeninteresseGemeinwohl
Haltungmit Wissen beeindruckenHerausfinden
Technik/GestenBeweise suchen, rechtfertigenFragen stellen & zuhören
Sozialer ModusGewinnen oder verlierenMiteinander teilen
StatusMachtRespekt
ErkenntnisfeldVerengung, ZielorientierungErweiterung, Prozessorientierung

Oder kurz zusammengefasst: Die Gesprächshaltung in einer Diskussion ist tendenziell eine einengende Verteidigungsposition, mit dem Ziel, die eigene Sichtweise mittels Macht oder Expertise durchzusetzen. Bei einem Dialog auf Augenhöhe hingegen steht das gemeinsame Herausarbeiten von Lösungen zum Wohle aller im Vordergrund.

„Gespräche, die zwischen zwei Interessensgruppen geführt werden, mit dem Zweck des Kennenlernens der gegenseitigen Ansichten“ – so eine der gängigen Definitionen im Netz.

Wo der Dialog fehlt, ist die Spaltung nicht weit

Leider ist uns die Fähigkeit zum Dialog als lösungsorientierte Gesprächsform in den letzten Jahren zunehmend abhandengekommen. In den aktuellen Krisenzeiten wurde und wird viel diskutiert und debattiert. In der Politik, in den Medien und auch am Arbeitsplatz. Recht haben um jeden Preis, Sieg oder Niederlage – mit dieser Haltung werden solche Debatten meistens geführt.

Jede Information, jedes Argument, welches nicht ins eigene Überzeugungssystem passt, wird als Störung erlebt. Und diese Störung wird sofort mit einem Gegenargument eliminiert. Gleichzeit wird noch konsequenter darauf beharrt, im Recht zu sein. Dem Gegenüber aufmerksam zuhören, die Bedürfnisse der Gegenpartei hinterfragen? Fehlanzeige. Leicht absehbar, wo so eine Gesprächsdynamik hinführt.

Natürlich ist auch ein Dialog keine Garantie dafür, dass Konflikte gemeinsam bewältigt werden. Manchmal passt es halt nicht, da hilft auch die beste Gesprächshaltung nicht. Aber die Art und Weise, wie wir Andersdenkenden gegenübertreten, ist ein starkes Signal auf der Beziehungsebene. „Wir stimmen zwar nicht überein, aber es ist mir wichtig zu verstehen, warum du anders denkst“.

Und dieses Verstehen brauchen wir, um mit unserem Gegenüber in Verbindung zu bleiben. Wenn uns das Verständnis für andere Sichtweisen abhandenkommt, ist die Gefahr groß, dass früher oder später auch die Kommunikation abbricht. Und wenn wir nicht mehr miteinander reden, ist die Spaltung nicht weit.

Durchs Red’n kuman d’Leut zsamm – an dieser Lebensweisheit unserer Vorfahren sollten wir uns orientieren. Ganz besonders in konfliktträchtigen Zeiten. Aber immer mit dem Bewusstsein: Reden ≠ Reden. Auf die richtige Gesprächshaltung kommt es an….

„Die höchste Form der Kommunikation ist der Dialog.“
(August Everding, dt. Theaterintendant)

Harald Schmid | Teil unseres fixen Autoren-Teams

Mag. Harald Schmid ist Berater und hat sich auf firmeninterne schwierige Situationen wie Konflikt- und Trennungsmanagement, Personalkostenoptimierung und Outplacement spezialisiert. Er kann dabei auf seine langjährige Erfahrung als Personalleiter in namhaften Unternehmen zurückgreifen. Seit 2012 agiert er mit seinem Unternehmen klaglos.at erfolgreich am Markt.

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