Zwei Tage, ein dichtes Programm, unzählige Gespräche, neue Kontakte, mutige Fragen und noch mehr Perspektiven: Das Transformation Camp 2026 unter dem Motto „Bold Moves“ machte deutlich, wie vielfältig mutige Schritte aussehen können.
Organisiert vom Studienbereich Human Resources & Organization und der fifty1.
Autorin: Gloria Warmuth
Event-Bericht
Event-Eckdaten: Transformation Camp | Veranstalter: fifty1 & FHWien der WKW | Ort: FHWien der WKW
- Event-Bericht: 16+17apr2026
- www.transformationcamp.com
Un-Conference
Gerade das Format macht den besonderen Charakter des Camps aus. Das Un-conference Design bei dem Teilnehmende auch Teilgebende sind und ihre Sessions spontan oder geplant einbringen können, wird von Jahr zu Jahr natürlicher gelebt: Fragen, Erfahrungen und konkrete Herausforderungen stehen im Mittelpunkt. Genau das war über die beiden Tage hinweg spürbar: Das Camp war kein Ort für Hochglanz-Inszenierungen, sondern für echten Austausch, ehrliche Einblicke und gemeinsames Lernen.
Dass man unmöglich alle Sessions, über 45! besuchen konnte, war dabei kein Mangel, sondern Ausdruck der Fülle. Die Vielfalt war so groß, dass jeder Weg durch das Programm ein anderer war und genau darin liegt der Charme.
Keynote | Be Your Own Asset
Schon der Auftakt setzte dafür den Ton. Mit ihrer Keynote „Be Your Own Asset“ sprach Kosima Kovar über gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Frauen im Berufsleben nach wie vor daran hindern, sichtbar zu werden und Sichtbarkeit selbstverständlich für sich zu beanspruchen. Zugleich machte sie deutlich, wie eng beruflicher Erfolg mit Sichtbarkeit, Netzwerken, Glaubwürdigkeit und Sponsorship verknüpft ist. Dass dieser Impuls viele Teilnehmende bewegt hat, war auch in späteren Gesprächen spürbar. Nicht zuletzt deshalb, weil Kovar Mut nicht als einmaligen großen Sprung beschrieb, sondern als Summe vieler bewusster Entscheidungen, die den Weg für Veränderung ebnen.
Marktplatz der Sessions
Danach öffnete sich das Camp für die vielen Sessions und damit gleichzeitig auch für viele Möglichkeiten, unterschiedliche Formate, spontane Entscheidungen. Wer durch die Gänge und Räume ging, erlebte nicht nur thematische Vielfalt, sondern auch sehr unterschiedliche Qualitäten des Austauschs: große Runden mit intensiven Diskussionen ebenso wie kleine Settings, in denen Konzentration, Reflexion aber auch Verletzlichkeit Platz hatten. Genau diese Gleichzeitigkeit macht das Camp besonders. Transformation erscheint hier nicht als abstraktes Schlagwort, sondern als etwas, das in sehr unterschiedlichen Formen bearbeitet werden kann: analytisch, experimentell, strategisch, persönlich und manchmal auch überraschend spielerisch.
Mach es richtig falsch
Ein anderer Höhepunkt des ersten Tages war das Kabarett Programm „mach es richtig falsch“ von Michaela Obertscheider zum gemeinsamen genussvollen Scheitern. Es war großartig amüsant und hat gleichzeitig zum Denken angeregt. Wie können wir Scheitern auch aus einer anderen Perspektive erleben? Und warum macht es gemeinsam sogar Spaß? Sie schaffte einen sicheren Rahmen im Scheitern und ermöglichte uns dadurch als Kollektiv einen Blick auf die Potenziale des Scheiterns zu werfen. Denn Scheitern ermöglicht auch immer einen Lernraum. Dass diese Perspektive so gut zum Transformation Camp passt, überrascht im Nachhinein kaum. Denn wer Veränderung gestalten will, muss auch mit Unsicherheit, Irritation und Unfertigkeit umgehen können.
Später setzte Anna Buchegger mit ihrer musikalischen Performance einen intensiven und berührenden Schlusspunkt unter Tag eins.
Keynote | Brave Maneuvers
Der zweite Tag begann mit Dr. Marie-Luise Menzel von Lufthansa Industry Solutions, und einer Keynote, die viele als ruhig, klar und zugleich sehr nah an der Praxis erlebt haben. Ihr Blick auf Strategie, Entscheidungswege und Selbstorganisation zeigte, dass Transformation gerade dann wirksam wird, wenn Orientierung und Beteiligung zusammengedacht werden. Auch hier wurde ein Kernmotiv des Camps sichtbar: Veränderung braucht nicht nur Vision, sondern Strukturen, in denen Fachlichkeit Gehör findet und Verantwortung tatsächlich übernommen werden kann.
Die Vielfalt der Sessions
Die thematische Vielfalt der Sessions ließ sich heuer in mehrere Schwerpunkte ordnen: Führung und Wertearbeit, starke Teams und Kulturentwicklung, faire Rahmenbedingungen wie Entgelttransparenz und Fair Pay, Zukunftskompetenzen und Generationenfragen sowie viele konkrete Organisationsbeispiele aus der Praxis (u.a. Bayer, Caritas Wien, ASFINAG, Verbund, Stadt Wien, Wien Energie, AVL, RUBICON IT). Besonders spannend war, dass sowohl die organisationale und individuelle Perspektive auf Transformation Raum hatten: Einerseits ging es um neue Organisationslogiken und Designs, um Kulturtransformation, um Teams, KI-Transformation, Complex System Change oder den vertrauens- u. verantwortungsvollen Einsatz neuer Technologien. Andererseits richteten viele Formate den Blick auf die individuelle Seite von Veränderung, auf Mut, Selbstwahrnehmung, kleine wirksame Impulse und die Frage, was Menschen brauchen, um in Veränderungsprozessen handlungsfähig zu bleiben. Gerade diese Verbindung machte das Programm so dicht, aktuell und anschlussfähig.
Besonders gefreut hat mich, dass dieses Jahr besonders viele Sessions von Studierenden, Lehrenden und Alumni des Studienbereichs Human Resources & Organization vertreten waren.
Keynote | „ErMUTigung“
Den Abschluss des Transformation Camp 2026 bildete die Keynote von Rudi Anschober mit „ErMUTigung“ und sie war ein starker, ermutigender Schlusspunkt. Neben persönlichen Erfahrungen und mutigen Entscheidungen, die seinen eigenen Weg geprägt haben, brachte er vor allem eines mit: Zuversicht. Seine zentrale Frage lautete, wie gesellschaftliche Transformation gelingen kann und warum es gerade jetzt wichtig ist, den Blick nicht nur auf Krisen und Rückschläge zu richten. Denn permanente Negativmeldungen können lähmen, entmutigen und das Gefühl verstärken, dass Veränderung kaum möglich ist.
Anschober stellte dem bewusst konkrete Beispiele entgegen: Initiativen, die klein begonnen haben und dennoch große gesellschaftliche Wirkung entfalten konnten. Etwa Kopenhagen als Vorbild für eine fahrradfreundliche Stadt, der Frauenstreik in Island oder die Energiewende, die in vielen Bereichen deutlich schneller voranschreitet, als oft angenommen wird. Gerade diese Beispiele machen Mut. Sie zeigen, dass Veränderung nicht nur denkbar, sondern tatsächlich machbar ist, wenn eine Vision, Beharrlichkeit, gemeinsames Handeln und überzeugende Vorbilder und Bündnisparter:innen zusammenkommen.
Was vom Transformation Camp 2026 bleibt, sind daher nicht nur einzelne Inhalte oder besonders starke Sessions. Es ist vor allem die Erfahrung eines Formats, das Begegnung ernst nimmt. Als Mitorganisatorin war es für mich besonders schön zu erleben, wie viel durch Co-Creation möglich wird, gemeinsam mit Christina Schweiger, Linh Dinh, Mirjam Hofacker, fifty1, unseren Kolleg:innen an der FHWien der WKW und den vielen Volunteers, die mitgedacht, mitgetragen und mitgestaltet haben. Transformation passiert dort, wo Menschen bereit sind, sich einzubringen, zuzuhören und gemeinsam neue Wege zu erproben. Genau das ist an diesen zwei Tagen gelungen.
Fotos: © FHWien der WKW & Leadersnet
Bold Moves | Was vom Transformation Camp 2026 bleibt


