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Betriebliche Vorsorge als Chance für mehr Gleichstellung

25Mär2026
4 min
betriebliche Vorsorge, Gleichstellung, VBV

HR-Know-how aus der Praxis für die Praxis

Inhalt

Weshalb sollten Unternehmen Altersvorsorge aktiv kommunizieren und welche Schritte können Frauen selbst für ihre finanzielle Zukunft setzen? Angelika Wallner im Interview.

bezahlter Beitrag

Interview-Partnerin

Angelika Wallner, Leitung Vertrieb & Beratung,
VBV – Consult Beratung für betriebliche Vorsorge GmbH

www.vbv.at

Angelika Wallner, VBV, betriebliche Vorsorge, Gleichstellung

Einführung & Kontext

Wie sieht die Altersvorsorge für Frauen in Österreich aktuell aus? Welche Entwicklungen beobachten Sie?

Die aktuellen Zahlen bestätigen weiterhin deutliche Unterschiede in der Altersvorsorge. Frauen beziehen in Österreich im Durchschnitt fast 40% weniger Pension als Männer. Hauptursachen dafür sind strukturelle Faktoren wie häufigere Teilzeitbeschäftigung, längere Karriereunterbrechungen – etwa aufgrund von Betreuungsarbeit – sowie die nach wie vor existenten Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern.

Gleichzeitig lässt sich aber eine positive Entwicklung beobachten: Das Bewusstsein für finanzielle Vorsorge nimmt zu. Immer mehr Frauen setzen sich aktiv mit ihrer finanziellen Zukunft auseinander und interessieren sich verstärkt für Themen wie langfristige Geldanlage, nachhaltige Investments und eigenständigen Vermögensaufbau.

Wie groß ist der finanzielle Unterschied in der Altersvorsorge zwischen Menschen mit durchgehender Erwerbstätigkeit und jenen mit Karenzzeiten?

Karenzzeiten können sich langfristig stark auf die Höhe der späteren Pension auswirken, da während der Karenz geringere Beiträge in das Pensionssystem eingezahlt werden als während einer durchgehenden Vollzeitbeschäftigung. Je nach Dauer der Erwerbsunterbrechung kann sich über ein gesamtes Berufsleben hinweg ein Unterschied von mehreren hundert Euro monatlicher Pension ergeben. Umso wichtiger sind daher ergänzende Vorsorgelösungen, etwa über den Arbeitgeber.

Wie groß ist der finanzielle Unterschied in der Altersvorsorge zwischen Frauen, die nie in Karenz waren und Männern (die ebenfalls nicht in Karenz waren)?

Auch ohne Karenzzeiten bestehen weiterhin Unterschiede in der Altersvorsorge: Frauen erzielen im Durchschnitt häufig niedrigere Einkommen und arbeiten öfter in Teilzeit. Diese Faktoren wirken sich über das gesamte Erwerbsleben hinweg auf die Höhe der eingezahlten Beiträge aus und führen langfristig zu niedrigeren Pensionen. Das zeigt deutlich: Die Pensionslücke ist nicht ausschließlich eine Folge individueller Erwerbsbiografien, sondern auch strukturell bedingt – etwa durch unterschiedliche Einkommensniveaus, Arbeitszeitmodelle und Branchenverteilungen.

Betriebliche Vorsorge & Gleichstellung

Welche Maßnahmen können Unternehmen setzen, um gendersensible betriebliche Altersvorsorge zu fördern?

Unternehmen können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Konkret können sie beispielsweise:

    • betriebliche Altersvorsorgemodelle aktiv anbieten und transparent kommunizieren,
    • bestehende Vorsorgekassen regelmäßig evaluieren,
    • Maßnahmen zur finanziellen Bildung fördern (Workshops, Informationsangebote),
    • Vorsorgethemen gezielt auch an Frauen adressieren und auf unterschiedliche Lebensrealitäten eingehen.

So wird Altersvorsorge zu einem festen Bestandteil moderner Arbeitgeberverantwortung.

Welche Rolle spielen HR-Abteilungen in Unternehmen dabei, Mitarbeitende – speziell Frauen – rechtzeitig für das Thema Altersvorsorge zu sensibilisieren?

HR-Abteilungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sind in vielen Unternehmen die erste Anlaufstelle für Fragen rund um Benefits und Vorsorge. Entsprechend groß ist ihr Einfluss darauf, wie früh und wie verständlich Mitarbeitende über das Thema Altersvorsorge informiert werden. Wenn HR proaktiv informiert, transparente Kommunikation schafft und einfache Zugänge zu Vorsorgelösungen ermöglicht, können Mitarbeitende rechtzeitig beginnen, sich mit ihrer finanziellen Zukunft auseinanderzusetzen.

Gibt es bei der VBV spezielle Angebote oder Modelle, die auf die Lebensrealität von Frauen zugeschnitten sind?

Ja, die VBV setzt den Fokus auf langfristige, nachhaltige Veranlagung, transparente Information und gut zugängliche digitale Services, die es Mitarbeitenden erleichtern, ihre Vorsorge besser zu verstehen und aktiv zu gestalten.

Darüber hinaus unterstützt die VBV Unternehmen dabei, Vorsorgethemen verständlich und praxisnah an ihre Belegschaft zu vermitteln.

Ferner bietet die VBV mit der fair:pension ein Produkt, das darauf abzielt, strukturelle Ungleichheiten – insbesondere jene, von denen Frauen häufiger betroffen sind – in der Altersvorsorge auszugleichen.

Konkrete Handlungsmöglichkeiten

Welche konkreten Schritte empfehlen Sie Frauen, um ihre Altersvorsorge aktiv zu gestalten?

Frauen sollten sich möglichst früh mit ihrer Altersvorsorge auseinandersetzen und diese aktiv gestalten. Ein bewährter Ansatz ist, mehrere Vorsorgesäulen aufzubauen – also die staatliche Pension durch betriebliche und private Vorsorgelösungen zu ergänzen. Ebenso wichtig ist es, langfristig zu denken, regelmäßig zu investieren und sich kontinuierlich über die eigene finanzielle Situation und Vorsorgemöglichkeiten zu informieren.

Was würden Sie jemandem raten, der erst mit Mitte 40 beginnt, sich mit der eigenen Pensionsvorsorge auseinanderzusetzen?

Auch für jemanden, der sich erst mit Mitte 40 intensiver mit der eigenen Pensionsvorsorge auseinandersetzt, gilt: Der wichtigste Schritt ist oft der erste Schritt. Zwar spielt Zeit beim Vermögensaufbau eine wichtige Rolle, doch auch in dieser Lebensphase lassen sich durch gezielte Maßnahmen wichtige Schritte für mehr finanzielle Sicherheit im Alter setzen.

Abschluss & Ausblick

Wie sehen Sie die Zukunft: Wird die Lücke zwischen Frauen- und Männerpensionen in den nächsten 10 Jahren kleiner?

Langfristig sehen wir auch positive Entwicklungen. Frauen sind heute stärker und kontinuierlicher im Erwerbsleben vertreten, und auch Maßnahmen zur Gleichstellung sowie steigende Einkommen tragen dazu bei, die strukturellen Unterschiede schrittweise zu verringern. Allerdings verläuft diese Entwicklung langsam. Umso wichtiger ist es, neben dem staatlichen System auch betriebliche und private Vorsorgemöglichkeiten stärker zu nutzen, um langfristig mehr finanzielle Sicherheit im Alter zu schaffen.

Wenn Sie jungen Frauen heute einen einzigen Rat zur Altersvorsorge geben könnten: welcher wäre das?

Warten Sie nicht auf den „richtigen Zeitpunkt“. Finanzielle Vorsorge beginnt nicht erst kurz vor der Pension, sondern mit den Entscheidungen im Berufsleben. Wer sich früh mit Themen wie Einkommen, Sparen und langfristiger Geldanlage beschäftigt, schafft eine wichtige Grundlage für finanzielle Sicherheit im Alter. Kurz gesagt: Die Pension von morgen entsteht durch die Vorsorge von heute.

Betriebliche Vorsorge als Chance für mehr Gleichstellung

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